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Special

09.11.2016

18:14 Uhr

Hillary Clintons Rede

„Das ist schmerzhaft“

VonNils Rüdel

Hillary Clinton hat ihre mit Spannung erwartete Rede gehalten. Sie schwankte zwischen Bitterkeit und Hoffnung, bot Wahlsieger Donald Trump ihre Zusammenarbeit an – und rief ihre Unterstützer auf, weiterzukämpfen.

WashingtonAnhänger von Hillary Clinton hatten am frühen Mittwochmorgen bei der Wahl-Veranstaltung in New York vergebens darauf gewartet, dass die Kandidatin nach ihrer historischen Wahlschlappe zu ihnen sprechen würde. Stattdessen trat Kampagnenmanager John Podesta auf die Bühne und schickte die Fans nach Hause. Clinton räumte in einem Telefonat mit Trump ihre Niederlage ein. Jetzt holt die Demokratin ihre Ansprache nach. Es dürfte die schwierigste ihrer 30jährigen Politikerkarriere gewesen sein.

+++ Die Hoffnung stirbt zuletzt +++

Zum Ende ihrer Rede hin sagt Clinton: „Unsere besten Tage liegen immer noch vor uns“. „Wir sind gemeinsam stärker und schreiten gemeinsam voran“, sagt sie und greift damit ihren Wahlslogen „Stronger together“ auf. „Ihr solltet es niemals bereuen, dafür gekämpft zu haben“, appelliert Clinton an ihre Unterstützer. „Lasst den Mut nicht sinken, es liegt noch viel Arbeit vor uns“.

+++ „Die gläserne Decke noch nicht durchbrochen“ +++

„Wir haben die gläserne Decke noch nicht durchbrochen“, sagt Clinton und meint damit, dass nun doch nicht eine Frau es bis in das mächtigste Amt der Welt geschafft hat. „Aber eines Tages wird es jemand tun, hoffentlich eher früher als später“, ruft die Demokratin unter Jubel. An die Frauen im Land gerichtet sagt sie: „Zweifelt nie daran, dass ihr wertvoll seid und jede Chance verdient habt, eure Träume zu verfolgen“.

+++ Lob für Obama +++

Clinton dankt auch dem scheidenden Präsidenten Barack Obama für dessen „hingebungsvollen Dienst für sein Land“.

+++ Appell an die Verantwortung ++

Clinton appelliert an die Verantwortung der Bürger, weiter an der Schaffung eines „faireren Amerikas“ zu arbeiten. Das Gesetz, gleiche Rechte und Religionsfreiheit müssten respektiert und verteidigt werden. Angesichts einer tief geteilten Gesellschaft sei es nun geboten, zusammenzustehen, sagte Clinton. Man müsse gemeinsam klar machen, dass der amerikanische Traum groß genug für jedermann sei.

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+++ Clinton sichert Trump Unterstützung zu +++

„Wir müssen das Ergebnis akzeptieren“, sagt Clinton. Donald Trump sei der gewählte nächste Präsident, man schulde ihm nun den entsprechenden Respekt. Sie hoffe, dass der Republikaner ein „erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner“ sein werde. „Wir werden eine friedliche Übergabe der Macht sicherstellen“, verspricht Clinton.

+++ „Das ist schmerzhaft“ +++

„Ich weiß, wie enttäuscht ihr seid. Das ist schmerzhaft und wird noch lange so sein“, sagt Clinton. Doch erinnert sie gleichzeitig daran, dass es bei ihrer Kampagne „nie nur um eine Person ging“, sondern um Hoffnung, Zuversicht und Chancengleichheit für alle. Bill Clinton steht schräg hinter Hillary, er blickt stolz und ringt mit den Tränen.

Fragen und Antworten: Was macht Präsident Trump?

Was wird Trump außenpolitisch tun?

Er wird sich an seinem Motto „Amerika zuerst“ orientieren. Die geopolitische Positionierung der Supermacht will er grundsätzlich ändern. Schon im April 2015 sagte er markig: „Ich möchte alles von der Welt zurück, was wir ihr gegeben haben.“ Den Sinn der Nato und den Schutz des Bündnisses will Trump neu definieren. Länder wie Deutschland, Südkorea oder Japan will er für den „Schutz“ der USA zur Kasse bitten. „Das hat sowas von Mafioso-Schutzgeld-Prinzip“, sagt Marc Redlich, Direktor des „Boston Warburg Chapter of the American Council of Germany“ in Harvard zur dpa. Temperament und Reizbarkeit des Republikaners sprächen für eine profunde Änderung des Tons zwischen den USA und dem Rest der Welt.

Wird er beim Thema illegale Einwanderung durchziehen?

Ja – ein viel härterer Umgang mit Einwanderung generell war ein roter Faden des Trump-Wahlkampfs. Das Projekt einer Mauer zu Mexiko hat er sicher hundertfach angekündigt. Auf den kompletten 3000 Kilometern Grenze soll sie stehen, zwischen gut zehn und 15 Metern hoch sein, massiv aus Stahl und „wunderschönem“ Beton. Unabhängige Analysen schätzen die Kosten auf 25 Milliarden US-Dollar und die Bauzeit auf vier Jahre. Beides macht es laut US-Medien eher wahrscheinlich, dass am Ende eine symbolische Erweiterung des bestehenden Zauns Trumps Mittel der Wahl wäre.

Und Trumps Pläne zur Deportation illegal eingereister Migranten?

Dafür wären massive Razzien nötig, in Restaurants und auf Farmen, in Fabriken und auf Baustellen. Außerdem eine immense personelle Aufstockung bei Polizei und Behörden und nicht zuletzt Beförderungsmöglichkeiten für etwa elf Millionen Menschen. Das American Action Forum, ein konservativer Washingtoner Think Tank, schätzt die Gesamtsumme auf 600 Milliarden US-Dollar. Schon deswegen wirkt eine Umsetzung nicht sehr wahrscheinlich.

Kann Trump denn eine Art Alleinherrscher werden?

Nicht ganz. Für einige Änderungen wird Präsident Trump den Kongress brauchen: In die Gesundheitsversorgung „Obamacare“ kann er ebenso wenig alleine eingreifen wie in die Steuergesetzgebung. Trump hat als Präsident die Macht, den Atom-Deal mit dem Iran neu zu verhandeln. Ebenso kann er einen Einreisebann für Muslime verhängen. Auch wenn dieser sofort unter Verweis auf Kernbestände der US-Verfassung juristisch angegriffen werden würde, mit beträchtlicher Aussicht auf Erfolg - erst einmal wären Fakten geschaffen.

Was ist mit dem umkämpften Supreme Court, dem Obersten Gericht?

Seine Besetzung wird zu den gravierendsten Änderungen unter einem Präsidenten Trump gehören. Ein Sitz ist nach dem Tod eines Richters vakant, andere Wechsel stehen aus Altersgründen an. Das Gericht hat eine Gestaltungsmacht, die es in Deutschland so nicht gibt. Abtreibung, Waffen, Gleichberechtigung, Einwanderung: Was der Supreme Court verhandelt, hat sehr oft mit der DNA der USA zu tun.

Trump hat alles versucht, rechte Zweifler davon zu überzeugen, dass er als Präsident ausschließlich Richter mit einer ultrakonservativen Agenda ernennen würde. Demokraten wie Republikaner wissen um die prägende Rolle des Gerichts sehr genau. Das Thema war im US-Wahlkampf ungleich gewichtiger als es in Europa durchdrang.

Wenn man in die USA selbst schaut, was ist dort zu erwarten?

Man weiß es nicht genau. Trump präsentierte kürzlich einen „Vertrag zwischen mir (also ihm) und dem amerikanischen Wähler“, der im Kern ein populistischer Sechs-Punkte-Plan ist. Er reicht von einer Begrenzung der Amtszeit von Kongress-Abgeordneten bis zu neuen Regelungen für politische Lobbyisten.

Wird Trump für Überraschungen gut sein?

Einerseits ja, er ist unberechenbar. Andererseits hat er immer sehr klar gemacht, was er will. „Um sich die Pläne einer Präsidentschaft Trumps auszumalen, musste man nie die eigene Vorstellungskraft bemühen“, schrieb der „New Yorker“. „Stolz hat er seine Prioritäten ausgebreitet, seine historischen Bezüge, man hat seine Instinkte unter Druck kennengelernt und kennt seine Einschätzung derjenigen, die seine Ideen in Politik umsetzen würden.“

Der „New Yorker“ kommt zum Schluss: „Angesichts einer Präsidentschaft Trumps muss die Vorstellungskraft nicht versagen, eher im Gegenteil. Nötig wäre der magische Glauben daran, dass seine Präsidentschaft irgendetwas anderes wäre als das, was seine Kampagne erschaffen hat.“

Was erwarten Begleiter, die Trump kennen?

Die „Washington Post“ hat alle Biografen Trumps nach ihren Aussichten auf eine Präsidentschaft des politischen Quereinsteigers gefragt. Antwort, unisono: Ein Präsident Trump wird tun, was der Kandidat Trump versprach. Es gebe nur diesen einen Trump. Eine verbesserte oder erweiterte Ausgabe, einen Trump 2.0, werde es nicht geben. Nie.

+++ Hillary betritt die Bühne +++

Unter tosendem Applaus kommt Clinton in Begleitung ihres Ehemannes Bill und Tochter Chelsea auf die Bühne. Als erstes bedankt sie sich bei ihren Unterstützern und Wahlhelfern. Und gratuliert Donald Trump. „Ich hoffe, er wird ein erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner sein“, sagt Clinton.

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