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Special

10.11.2016

05:55 Uhr

In mehreren US-Städten

Tausende protestieren gegen Donald Trump

VonAxel Postinett, Thomas Jahn

Während Donald Trump, Hillary Clinton und Barack Obama nach dem harten Wahlkampf von Versöhnung reden, sind tausende Menschen in mehreren Städten der USA auf die Straße gegangen. Motto der Proteste: „Not my President.“

Der Tag danach

Nach Trump-Sieg: Lautstarke Proteste in Boston

Der Tag danach: Nach Trump-Sieg: Lautstarke Proteste in Boston

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New York/San FranciscoNach dem überraschenden Sieg des Republikaners Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl ist es zu Protestversammlungen in zahlreichen US-Städten gekommen. Tausende gingen auf die Straße, um vor allem gegen Trumps Äußerungen gegen Einwanderer und Muslime im Wahlkampf Front zu machen. Sie skandierten häufig „Not my President“ („Nicht mein Präsident“).

Mit selbstgemachten Schilden zogen Tausende jungen Menschen in der Nacht auf Donnerstag etwa vor den Trump Tower in Manhattan. Auch sie stimmten Sprechchöre an. „So sieht Demokratie aus“, skandierte die Gruppe. Fast alle Teilnehmer in New York waren jünger als dreißig Jahre alt. So wie Nicole Roach, die zum ersten Mal auf einer Demonstration ist. „Bislang habe ich immer meinen Mund gehalten“, sagt die 29-Jährige. Aber Donald Trump als Präsident, da will sie nicht weiter „höflich“ bleiben. Tagsüber arbeitet sie als Floristin. In einem Blumenladen, der auch ein Gebäude von Donald Trump beliefert. Angst hat sie, ihren Job wegen der Demo zu verlieren. „Aber die Welt muss wissen, das wir nicht alle rassistisch oder fremdenfeindlich sind“, sagt Roach.

Demonstrationen gab es auch in Chicago und Austin. In Berkeley, Seattle, Phoenix, Los Angeles, Richmond, El Cerrito und Oakland kamen vor allem Hunderte von Schülern und Studenten zusammen. Sie hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Keine Unterstützung für Rassismus“ oder „Einwanderer machen Amerika stark“. Schulvertretern zufolge haben manche der Studenten Eltern, die illegal in die USA eingewandert sind. Sie fürchten daher nun eine Ausweisung unter dem designierten Präsidenten Trump. Weitere Protestaktionen waren in Boston, Detroit und Philadelphia geplant.

In Seattle fielen am frühen Mittwochabend (Ortszeit) Schüsse und fünf seien Menschen verletzt worden, davon zwei lebensgefährlich, bestätigte die Feuerwehr vor Ort. Die Polizei bemühte sich rasch, eine Eskalation der Anti-Trump-Proteste in der Innenstadt zu vermeiden. Wer die Opfer sind und ob die Tat in direktem Zusammenhang mit den Demonstrationen steht, ist noch unklar.

Aufgebrachte Stimmung in Washington

„Not my President“ - Proteste vor dem Trump-Hotel

Aufgebrachte Stimmung in Washington: „Not my President“ - Proteste vor dem Trump-Hotel

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In Manhattan stehen zwei Lkw als Sperre vor dem Trump Tower, davor Polizisten und Sperrgitter. Die Menge wird wilder, viele strecken den Mittelfinger zum Hochhaus. Als ein Mann sich hoch oben hinter einem Fenster zeigt, geht ein Urschrei durch die Menge: wilde Flüche, Kraftausdrücke. Trump ist es aber nicht, nur einer der vielen Mieter.

Ein paar Blocks weiter schüttelt ein Bauarbeiter den Kopf. Er habe nicht Trump gewählt, mag ihn nicht. Aber die Demonstranten seien für ihn „schlechte Verlierer“. „Sie werfen ein mieses Licht auf Hillary Clinton“, sagt Greg Enclose, der die Baustelle auf der 54. Straße leitet. Dazu sei Trump vielleicht nicht so schlimm wie viele meinen. „Trump verdient eine Chance“, sagt Enclose.

„Ich bin kein schlechter Verlierer“, sagt Patrick Mckelvy, der wenige Meter vom Trump Tower steht. Für ihn sei der Wahltag der „traurigste Tag des Lebens“ gewesen. „Wir ändern mit dem Protest vielleicht nichts“, sagt der 27-Jährige. „Aber meine Generation verrät sich selbst, wenn sie sich nicht wehrt.“

Kommentare (56)

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Herr Grutte Pier

10.11.2016, 08:22 Uhr

wie nach dem Brexit und ähnlichen Entscheidungen, die nicht in das rot-links-grüne Weltbild der "Etablierten" passen, zeigt sich wieder das seltsame "Demokratieverständnis" dieser Leute.
Man stelle sich vor, was die Medien aufheulen würden, wenn nach einem Sieg von Clinton Trump-Anhänger so reagiert hätten.
Dann wäre von "schlechten Verlieren" die Rede, oder von Leuten, die nicht gewillt sind demokratische Entscheidungen zu akzeptieren.

Herr Percy Stuart

10.11.2016, 08:27 Uhr

Guten Morgen zusammen,

@ Grünliberale Gutmenschen
„Demokratie ist, wenn ihr (Proletariat) wählt, was WIR (Bourgeoisie) wollen!“

Liberalismus muss man sich auch leisten können.
Ohne freie Kapitalmittel bleibt man immer nur der Systemsklave im Hamsterrad und kann das eigene Leben eben nicht liberal und individuell gestalten.
Kommen Sie mal raus aus ihrer vollversorgten Konfortzone und steigen in die Niederungen der Niedriglöhner und Erwerbslosen ab.
Vielleicht kommen sie dann zur Vernunft und Verstand.
Soviel zum Thema Niedriglohn und Leiharbeit, Agendapolitik, Rentenkürzungen, Zuzahlungen im Gesundheitssystem.
Mit dicker Kohle im Geldbeutel und fettem Erbe in der Hinterhand, lässt es sich leicht von Liberalismus und der Zumutbarkeit von Reformen schwafeln.
Euer oft diskriminierendes, elitäres, saudämliches Geschwätz, geht mir so auf den Sack!
Ihr seid genauso populistisch und vorurteilsbehaftet, wie diejenigen, denen ihr dieses Verhalten vorwerft.

Herr Percy Stuart

10.11.2016, 08:28 Uhr

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