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Special

02.11.2016

10:12 Uhr

Kampf der Umfrage-Institute

Das Rennen bleibt offen – LA Times sieht Trump vorne

Für einige Meinungsforscher ist das Rennen gelaufen. Clinton führt in ihren Rechnungen. Doch die „Los Angeles Times“ sieht Trump mit vier Punkten vorn. Die Institute sind seriös – das Rennen ist offener als gedacht.

Hillary Clinton kann sich im Rennen um das Weiße Haus noch nicht zurücklehnen. AFP; Files; Francois Guillot

Es sieht aus wie Angst

Hillary Clinton kann sich im Rennen um das Weiße Haus noch nicht zurücklehnen.

WashingtonDie halbe Welt zählt die Tage: Nach einem aufreibenden Wahlkampf-Marathon werden die Amerikaner nächste Woche an die Urne gerufen, um einen neuen Präsidenten zu wählen. Je näher der Termin kommt, desto mehr rücken die Meinungsforscher mit ihren Umfragen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Und sie sorgen für Stirnrunzeln. Denn die Vorhersagen liegen teils deutlich auseinander. Die wichtigsten Fragen zu den vorliegenden Umfragen.

Wie verlässlich sind die Meinungsforscher in den USA?

Das ist zuverlässig erst nach der Wahl zu beantworten. Allerdings lässt sich bei den etablierten Instituten nachschlagen, wie gut sie bei zurückliegenden Wahlen gelegen haben. Generell waren die Umfragen etwa 2012, beim zweiten Wahlsieg Barack Obamas, zu skeptisch dem Amtsinhaber gegenüber. Im Schnitt sahen die Umfragen noch am Tag vor der Wahl Obama nur um 0,7 Prozentpunkte vorn. Er gewann schließlich mit 3,9 Punkten vor Mitt Romney. Am dichtesten dran waren die Umfragen von ABC/Washington Post und von Pew Research, die den Amtsinhaber um jeweils drei Punkte vorne sahen.

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Ja. Im Internet kursieren Dutzende Umfragen, die keinerlei wissenschaftliche Kriterien erfüllen und den einzigen Zweck haben, den einen oder anderen Kandidaten gut aussehen zu lassen. Nach den Fernseh-Duellen wurden zahlreiche Blitzumfragen veröffentlicht, in denen die Befragten zu 90 Prozent Donald Trump als Gewinner sahen. In seriösen Erhebungen lag Clinton vorn. Der Blog FiveThirtyEight der „New York Times“ hat deshalb ein Ranking für Umfrageinstitute erstellt und listet darin auch auf, wenn das jeweilige Institut in der Vergangenheit überwiegend in die eine oder andere Richtung danebenlag.

Welche sind die besten Institute?

Dem Ranking zufolge schneiden unter den größeren Instituten die Monmouth University und das gemeinsame Institut von ABC und „Washington Post“ am besten ab – mit einer ganz leichten Tendenz zu den Demokraten. Auch CBS/„New York Times“ haben ein ordentliches Rating, mit leichter Tendenz zu den Demokraten. Gallup, Rasmussen oder das Emerson College neigen dagegen dazu, die Republikaner leicht überzubewerten, sind aber seriös. Das gilt auch für die „Los Angeles Times“, die in den vergangenen Wochen Donald Trump deutlich positiver sah als andere Institute.

Die wichtigsten Fakten zur Präsidentenwahl

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt ist zunächst jeder der rund 322 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind etwa 219 Millionen. Ausgenommen sind unter anderem illegale Einwanderer und Häftlinge. Ohne vorherige Registrierung aber darf man nicht abstimmen, und die Registrierung ist oft sehr kompliziert. Bis jetzt haben sich etwa 146 Millionen Amerikaner in die Wahlregister eintragen lassen. Nachdem die Beteiligung 2012 auf 58 Prozent gesunken war, sah es für 2016 lange nach einer Rekordbeteiligung aus. Das ist nun schwer zu sagen: Womöglich wollen viele Menschen nach einem extrem intensiven Wahljahr am 8. November nicht mehr wählen - oder eben erst recht. Es gibt für beide Thesen schlüssige Argumentationen.

Wer steht zur Wahl?

Die Demokratin Hillary Clinton (69) könnte als erste Frau in der US-Geschichte Präsidentin werden. Sie liegt derzeit in allen Umfragen klar vorne, sowohl landesweit als auch in den besonders umkämpften Staaten. Vizepräsident der ehemaligen First Lady und Ex-Außenministerin soll Tim Kaine werden, ein Senator aus Virginia.

Für die Republikaner tritt der New Yorker Milliardär Donald Trump an (70). Er hat bisher noch kein politisches Amt bekleidet. Sein Vizepräsident soll Mike Pence werden. Der 57-Jährige ist Gouverneur im Bundesstaat Indiana.

Welches sind die zentralen Positionen der Kandidaten?

Hillary Clinton würde einen Großteil der Politik von Amtsinhaber Barack Obama weiterführen. Sie stünde für eine weitere internationale Vernetzung der USA. Sie will gegen den Klimawandel vorgehen, die Waffenschwemme in Amerika eingrenzen und das Recht auf Abtreibung nicht beschneiden.

Donald Trump will die Außen- und Verteidigungspolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten, Motto: „Amerika zuerst“. Er will Einwanderung durch eine Mauer an der mexikanischen Grenze bekämpfen, die Gesundheitsvorsorge „Obamacare“ abschaffen, internationale Handelsabkommen kündigen und das Waffenrecht in den USA nicht antasten.

Welche Staaten sind besonders umkämpft?

Während die Demokraten an den Küsten und die Republikaner im Süden und im mittleren Westen der USA Hochburgen haben, sind die Mehrheiten vor allem in den «Battleground» oder «Swing States» relativ unsicher. Dazu gehören Florida, North Carolina, Ohio, Indiana, Missouri, North Dakota und Montana. Allerdings liegt Clinton derzeit fast überall vorne. Das gilt auch für die traditionell eher umkämpften Staaten Virginia, Pennsylvania, Colorado, New Mexico und Nevada.

Wann schließen die Wahllokale?

Die Wahl findet am Dienstag 8. November statt. Wegen mehrerer Zeitzonen in den USA schließen die Wahllokale nach deutscher Zeit zeitversetzt in der Nacht zum Mittwoch, 9. November. In Indiana und einem Teil Kentuckys können die Wähler bis 00.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) wählen. Zwischen 1.00 und 4.00 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in vielen Staaten der Ostküste, des Südens und des Mittelwestens. In Kalifornien und Oregon sowie auf Hawaii ist die Wahl um 05.00 Uhr MEZ beendet. Ganz zum Schluss kommt Alaska um 06.00 Uhr MEZ.

Wann gibt es Ergebnisse?

Mit ersten Prognosen der TV-Sender auf der Basis von Wählerbefragungen wird bereits direkt nach der Schließung der Wahllokale in den einzelnen Staaten gerechnet. Bis um 06.00 Uhr MEZ könnte es ein Ergebnis geben. 2012 meldeten US-Medien die Entscheidung für Barack Obama gegen 05.15 Uhr (MEZ).

Wie funktioniert das Wahlsystem?

Das Volk entscheidet nur indirekt über den Präsidenten. Nach der Wahl am Dienstag müssen zunächst 538 Wahlmänner aus den Bundesstaaten und dem „District of Columbia“ mit der Bundeshauptstadt Washington ihr Votum abgeben. Die Mitglieder dieses „Electoral College“ richten sich dabei nach der Entscheidung der Wähler in ihrem Bundesstaat. Mindestens 270 Wahlmänner-Stimmen sind nötig, um Präsident zu werden.

Wann beginnt die Amtszeit des neuen Präsidenten?

41 Tage nach der Wahl, das ist in diesem Jahr der 19. Dezember, wählen die Mitglieder des „Electoral College“ Präsident und Vize. Am 6. Januar 2017 zählt der Kongress aus und verkündet offiziell das Ergebnis der Wahl. Der neue Präsident legt seinen Amtseid am 20. Januar um 12.00 Uhr Ortszeit ab (18.00 Uhr MEZ).

Worüber wird noch abgestimmt?

Zeitgleich mit der Präsidentenwahl stimmen die Amerikaner über alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie über ein Drittel der 100 Sitze im Senat ab. In den Bundesstaaten werden zwölf Gouverneursposten neu vergeben. Außerdem sind 160 Volksabstimmungen in 35 Staaten bestätigt. Ihre Themen reichen von der Todesstrafe über eine Kondompflicht bis hin zur Legalisierung von Marihuana. Im Bundesstaat Colorado wird auch über die Abschaffung der Sklaverei abgestimmt, die dort noch im Gesetzbuch steht.

Warum liegen die einzelnen Umfragen teils so deutlich auseinander?

Die Institute arbeiten nach unterschiedlichen Methoden. Sie suchen sich die Stichprobe ihrer Befragten nach verschiedenen Kriterien und gewichten diese unterschiedlich – etwa was Wohnort, Alter, Geschlecht, Bildungsstand oder Einkommen angeht. Dies führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Allerdings orientieren sich die Institute auch gegenseitig aneinander und versuchen so, Abweichungsspitzen zu vermeiden. In der Regel werden die Abstände kleiner, je näher der Wahltag rückt. 2012 lagen die Meinungsforscher kurz vor dem Wahltag noch maximal vier Punkte auseinander. Gegenwärtig sind es bis zu elf Punkte. Zum vergleichbaren Zeitpunkt vor vier Jahren waren es acht Punkte Unterschied.

Was kann die Umfragen verfälschen?

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Die Meinungsforscher können die Umfragen selbst beeinflussen, indem sie unterschiedlich gewichten. Viel mehr fürchten sie sich aber davor, von den Befragten belogen zu werden. In Großbritannien hat 2015 etwa der sogenannte „Shy Tory Factor“ – der Effekt, dass Wähler der Konservativen Partei den Meinungsforschern gegenüber ihre Wahlabsicht nicht zugeben – zu einer nicht für möglich gehaltenen Blamage der Meinungsforscher geführt. Ähnliches war auch beim Brexit-Votum zu beobachten. In den USA ist das Phänomen unter dem Namen „Bradley“-Effekt bekannt. 1982 hatten die Bürger von Los Angeles nicht zugeben wollen, dass sie den Afro-Amerikaner Tom Bradley nicht als Bürgermeister wählen würden. Der polarisierende Kandidat Trump sei geeignet, ähnliche Effekte auszulösen, glauben Experten – allerdings in jegliche Richtung.

Gibt es noch andere Vorhersagemethoden als Wählerumfragen?

Ja. Die Ratingagentur Moody's etwa stützt ihr Modell auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten – Wirtschaftswachstum, Benzinpreise oder die Beliebtheit des Amtsinhabers. Mit diesem Modell habe man seit Ronald Reagan richtig gelegen, heißt es von Moody`s. Es sagt einen glasklaren Sieg für Clinton voraus. Der deutschstämmige Professor Helmut Norpoth aus New York dagegen sieht mit seinem Modell Trump deutlich vorn. Er stützt sich einerseits auf die jeweilige Performance in den Vorwahlen, andererseits auf die Tatsache, dass eine Partei nur schwer mehr als acht Jahre die Macht im Weißen Haus innehaben kann. Professor Allan Lichtmann hat ein „Schlüsselfragen“-Modell entworfen – etwa ob der Amtsinhaber militärisch und wirtschaftlich erfolgreich war. Norpoth und Lichtman sehen Trump noch immer im Vorteil.

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dpa

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