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Special

26.05.2016

17:10 Uhr

Kandidatur der Republikaner

Nachrichtenagentur erklärt Trump zum Sieger

Die Republikaner werden Donald Trump sehr wahrscheinlich zu ihrem US-Präsidentschaftskandidaten wählen. Die Nachrichtenagentur AP hat sich vorab unter den Delegierten umgehört – und kürt ihn schon jetzt zum Gewinner.

Ursprünglich krasser Außenseiter. AP

Donald Trump

Ursprünglich krasser Außenseiter.

Donald Trump steht kurz vor der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, bei den noch ausstehenden Wahlen am 7. Juni wird er auf jeden Fall über die nötige Grenze von 1237 Delegierten kommen. Die Nachrichtenagentur AP hat ihn aber schon jetzt zum Sieger gekürt: Reporter haben mehrere sogenannte ungebundene Delegierte selbst befragt und sind nach eigenen Berechnungen darauf gekommen, dass Trump nun 1238 Delegierte auf sich vereinen kann – also einen mehr als die benötigten 1237.

Einer der befragten Delegierten ist Pam Pollard, Republikaner-Vorsitzende in Oklahoma. „Ein Teil unserer Wählerschaft gefällt es nicht, wohin unser Land gerade steuert – ich glaube, Trump hat diese Menschen berührt“, sagte Pollard gegenüber AP. „Ich habe kein Problem damit, Trump zu unterstützen.“

Offizielle Angaben zu den Zählungen gibt es jedoch nicht. Offiziell wird der Präsidentschaftskandidat erst auf einem Parteitag in Cleveland im Juli gekürt.

Trumps Weg zur Kandidatur

März-Juni 2015

18. März 2015

Der damals 68-Jährige kündigt die Bildung eines Wahlkampfkomitees an. Trump hat bereits seit Jahrzehnten Interesse am Präsidentenamt angedeutet, diesmal scheint er es ernst zu meinen. „Ich bin der einzige, der Amerika wieder wirklich großartig machen kann“, erklärt er - sein späterer Wahlkampfslogan „Make America Great Again“ klingt da schon an.

16. Juni 2015

Als zwölfter Bewerber steigt Trump ins Präsidentschaftsrennen der Republikaner ein. „Meine Damen und Herren, ich bewerbe mich offiziell als Präsident der Vereinigten Staaten, und wir werden unser Land wieder groß machen“, sagt er im Trump Tower in New York City. In seiner Ansprache schießt er scharf gegen China, den Iran, Obama und mexikanische Einwanderer: „Sie bringen Drogen“, erklärt er wörtlich zu den Menschen aus dem Nachbarland. „Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger.“

29. Juni 2015

Die Mexiko-Aussagen kosten Trump kurz nach seinem 69. Geburtstag die Geschäftsbeziehungen mit dem US-Sender NBC. Der will nicht mehr die jährlichen Schönheitswettbewerbe „Miss USA“ und „Miss Universe“ übertragen, die gemeinschaftlich produziert wurden. Trump findet: „NBC ist schwach und versucht wie jeder andere auch, politisch korrekt zu sein. Das ist der Grund, warum unser Land in Schwierigkeiten ist.“

Juli-August 2015

15. Juli 2015

Sein Wahlkampfteam legt Trumps Vermögensverhältnisse offen. Der Immobilienmogul soll mehr als zehn Milliarden Dollar besitzen. Er ist damit der reichste Bewerber, der jemals für das höchste Staatsamt in den USA kandidiert hat.

18. Juli 2015

Trump äußert sich höhnisch über den prominenten US-Senator John McCain. Dieser sei nur ein Kriegsheld, weil er im Vietnamkrieg gefangen genommen worden sei, sagt er, nachdem McCain Trumps Kommentare über die Mexikaner kritisiert hat. „Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden“, fügt Trump hinzu.

07. August 2015

Der 69-Jährige hat es in Umfragen unter die Top Ten der Republikaner geschafft. Er darf damit an der ersten TV-Debatte der republikanischen Bewerber teilnehmen. Trump dominiert. Er legt sich mit Fox-Moderatorin Megyn Kelly an und äußert sich ihr gegenüber frauenfeindlich. „Aus ihren Augen kam Blut, Blut lief überall aus ihr heraus.“ Ein Tweet auf Trumps Konto, der Kelly als „dummes Blondchen“ tituliert, wird bald wieder gelöscht. Es folgt ein monatelanger Streit.

September-Dezember 2015

03. September 2015

Trump unterschreibt die Zusage, nicht als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Rechtlich bindend ist das Gelöbnis nicht.

07. Dezember 2015

Nach den Terroranschlägen in Paris und im kalifornischen San Bernardino fordert Trump ein völliges Einreiseverbot für Muslime in die USA. Er begründet seinen Vorschlag mit dem Ausmaß von Hass, „den große Teile der muslimischen Bevölkerung“ auf Amerikaner hätten. Später rudert er etwas zurück und erklärt, die Maßnahme solle nur vorübergehend gelten.

Januar-Februar 2015

19. Januar 2016

Die umstrittene Tea-Party-Vertreterin Sarah Palin schlägt sich auf die Seite Trumps. „Ich fühle mich sehr geehrt, Sarahs Unterstützung zu erhalten“, teilt Trump mit.

01. Februar 2016

Die Vorwahlen beginnen. Erster Sieger: nicht Trump. Stattdessen setzt sich Ted Cruz in Iowa durch.

06. Februar 2016

Trump bekräftigt seine Forderung nach Wiedereinführung des Waterboardings als Verhörmethode. Die Praktik sei nicht annähernd so extrem wie die mittelalterliche Taktiken der Terroristen im Nahen Osten, sagt Trump bei einer weiteren TV-Debatte. Und nicht nur das: Falls er ins Weiße Haus einzöge, würde er sogar noch „viel, viel schlimmere“ Methoden erlauben. Wenige Tage später ergänzt er: „Folter funktioniert.“

Februar 2015

09. Februar 2016

Trump feiert in New Hampshire seinen ersten Vorwahlsieg. Beobachter werten Trumps Erfolg als Beleg, dass der Quereinsteiger nicht länger als Polit-Neuling, sondern als Favorit für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat seiner Partei gilt.

20. Februar 2016

Trump gewinnt auch in South Carolina. Sein aggressiver Wahlkampf fordert ein prominentes Opfer unter den anfangs 17 republikanischen Bewerbern: Jeb Bush steigt aus dem Präsidentschaftsrennen aus. Er war bis dahin das liebste Ziel von Trumps Verbalattacken. Das republikanische Bewerberfeld hat sich mittlerweile etwa halbiert.

26. Februar 2016

Der ebenfalls ausgestiegene Bewerber Chris Christie unterstützt Trump. Er ist der erste Vertreter des Partei-Establishments, der sich hinter den Milliardär stellt.

Anfang März 2016

01. März 2016

„Super Tuesday“, Super-Tag für Trump, der sieben Vorwahlstaaten gewinnt. Cruz siegt in drei Staaten, Marco Rubio in einem. Trump kommt mittlerweile auf 285 Delegiertenstimmen. 1237 sind für die Nominierung notwendig.

02. März 2016

Ex-Neurochirurg Ben Carson zieht sich aus dem republikanischen Präsidentschaftsrennen zurück. Damit bleiben noch drei Trump-Gegner: Cruz, Rubio und John Kasich.

03. März 2016

Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney meldet sich mit einer Verbalattacke gegen Trump zu Wort. Eine Parteinominierung des Milliardärs müsse unbedingt verhindert werden, sagt der Kandidat von 2012. Er wird zu einem der größten Kritiker des Vorwahl-Spitzenreiters.

Mitte März 2016

10. März 2016

Der Angriff auf einen Afroamerikaner während einer Wahlkampfveranstaltung Trumps wird bekannt. Fortan kommt es auf Kundgebungen immer wieder zu Rangeleien mit Gegnern und Protesten.

15. März 2016

Trump gewinnt klar in Florida - dem Heimatstaat von Mitbewerber Rubio. Der gibt daraufhin auf. Die als moderat angesehene Alternative zu Trump ist damit aus dem Rennen.

April 2016

05. April 2016

Seltene Klatsche für Trump: In Wisconsin setzt sich Cruz deutlich durch - und spricht direkt von einem Wendepunkt. In der Partei zirkuliert die Idee einer Kampfabstimmung beim Nominierungsparteitag im Juli. Trump dürfte dafür vorher nicht die nötigen 1237 Delegiertenstimmen erreichen.

19. April 2016

Trump gewinnt seinen Heimatstaat New York. Eine Woche später legt er mit einem Fünffacherfolg in weiteren Staaten nach.

27. April 2016

Trump skizziert in seiner ersten außenpolitischen Grundsatzrede seine Vision von der Welt unter ihm als US-Präsidenten. „Amerika zuerst“ ist sein Motto. „Meine Außenpolitik wird immer die Interessen des amerikanischen Volks und der amerikanischen Sicherheit über alles andere stellen“, sagt er.

Mai 2016

03. Mai 2016

Nach einem weiteren Vorwahlsieg Trumps, diesmal in Indiana, steigt Cruz aus dem Rennen aus. Der Weg zur Nominierung ist für Trump damit praktisch frei. Einen Tag später gibt mit Kasich auch der letzte verbliebene republikanische Rivale auf. Trump gilt von nun an als „voraussichtlicher Kandidat“ der Partei.

26. Mai 2016

Trump hat nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP die nötigen 1237 Stimmen für die Nominierung hinter sich.

Wenn es soweit ist, hat sich nach rund einem Jahr Vorwahlkampf ein ursprünglich krasser Außenseiter in einem Feld von mehr als 15 republikanischen Bewerbern durchgesetzt. Trump ist wegen feindseliger Äußerungen gegenüber Einwanderern, Muslimen und Frauen umstritten. Doch hatte er zuletzt Vorwahlen in Serie gewonnen. Schon vor Wochen hatten sich die letzten beiden innerparteilichen Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich mangels Erfolgsaussichten aus dem Rennen zurückgezogen.

Trumps wahrscheinliche Gegenkandidatin der Demokraten bei der Wahl im November ist Hillary Clinton. Die ehemalige Außenministerin hat aber die nötigen Delegierten ihrer Partei noch nicht ganz zusammen, sondern muss in weiteren Vorwahlen gegen den linken Senator Bernie Sanders antreten. Derzeit hat sie jedoch mit neuen Erkenntnissen in einer E-Mail-Affäre zu kämpfen.

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