Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

23.09.2016

19:20 Uhr

Kasino-Pleite

Wie Trump die Gunst einer Stadt verspielte

Mit einer Spielbank wollte Donald Trump vor gut 20 Jahren die Wirtschaft von Gary beleben und Migranten Jobs verschaffen – profitiert hat nur er selbst. Doch im Wahlkampf gibt er den „Retter“ strukturschwacher Regionen.

Das Kasino-Schiff liegt noch immer an der Küste des Michigansees verankert. AP

Trumps Kasino-Schiff in Gary

Das Kasino-Schiff liegt noch immer an der Küste des Michigansees verankert.

GaryEr kam im Privatjet und hatte große Pläne im Gepäck: An der von Fabrikruinen geprägten Küste des Michigansees sollte ein schwimmendes Kasino für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sorgen. 1993 wirkten die Pläne des aus New York eingeflogenen Immobilienmoguls Donald Trump überzeugend. Die Verantwortlichen in der Stadt Gary willigten ein – und wurden enttäuscht.

Dass sich eben dieser Mann heute im Wahlkampf als „Retter“ von strukturschwachen Industrieregionen präsentiert, stimmt sie daher skeptisch. „Wir werden dies zu einer echten Perle machen, zu einem echten Erfolg“, hatte der heutige US-Präsidentschaftskandidat einst zu dem Projekt in Gary gesagt. Für Trump wurde die Investition tatsächlich zu einem Erfolg. Für die Stadt jedoch nicht.

US-Präsidentschaftswahl: Donald Trump – der unberechenbare Kandidat

US-Präsidentschaftswahl

Premium Donald Trump – der unberechenbare Kandidat

Der republikanische Präsidentschaftskandidat ist auf Schlagdistanz an Hillary Clinton herangerückt. Höchste Zeit, einige Vorurteile über Donald Trump zu revidieren. Und sich zu fragen: Wie wäre er als Präsident?

Denn seine eigentlichen Versprechen gegenüber den Behörden löste der Geschäftsmann nie ein. Und nach gut zehn Jahren machte er sich mit seinen Millionen aus dem Staub und schickte das Kasino-Schiff in die Insolvenz. In der knapp 50 Kilometer südöstlich von Chicago gelegenen Industriestadt lebt bis heute mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Armut. Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, die Kriminalität noch immer ein großes Problem. Von Trump fühlen sich hier viele betrogen.

Zumal der Milliardär nach der Pleite auch vor Gericht kein Einsehen zeigte. Das entscheidende Argument, mit dem sich dessen Anwälte gegenüber den Geschädigten durchsetzen konnten: Die Versprechen Trumps seien nicht rechtlich bindend gewesen. „Wir hatten es hier mit einem aalglatten Geschäftsmann zu tun“, sagt der ehemalige demokratische Stadtverordnete Roy Pratt. „Er hat so viel genommen, wie er konnte. Dann ist er ausgestiegen und abgehauen.“

Wie Trump künftig mit Einwanderern umgehen möchte

Punkt 1

Bau einer Grenzmauer zu Mexiko - auf Kosten des Nachbarlandes.

Punkt 2

Beendigung moderater Haftzeiten für kriminelle gewordene Einwanderer - keine Politik des „catch and release“ (einfangen und freilassen) mehr.

Punkt 3

Null-Toleranz-Politik für illegal eingewanderte Kriminelle, wovon es zwei Millionen in den USA gebe.

Punkt 4

Keine staatlichen Gelder für die mehr als 300 US-Städte wie San Francisco, die illegale Einwanderer aufnehmen.

Punkt 5

Anweisungen der Obama-Regierung sollen kassiert, die Migrationsgesetze in voller Härte durchgesetzt werden.

Punkt 6

Keine Visa mehr für Einwanderer aus Staaten, die kein strenges Screening-System für die Überprüfung vorsehen.

Punkt 7

Herkunftsländer werden gezwungen, deportierte Einwanderer zurückzunehmen.

Punkt 8

Komplettierung eines Systems zur biometrischen Visa-Erkennung - Menschen mit abgelaufenen Visa sollen sofort ausgewiesen werden.

Punkt 9

Schwieriger Zugang für Einwanderer zu Jobs und Sozialleistungen in den USA.

Punkt 10

Reform der Regelungen zur legalen Einwanderung, im Interesse der USA und der einheimischen Arbeiterschaft.

Um die Behörden zu überzeugen, hatte Trump angekündigt, örtliche Unternehmer in das Projekt mit einzubeziehen und hunderte Angehörige von ethnischen Minderheiten einzustellen. „Das ist schlicht und einfach nie passiert“, sagt der Demokrat Richard Hatcher, der einst der erste afroamerikanische Bürgermeister von Gary war.

Ab 1994 bemühte sich der Geschäftsmann bei der Indiana Gaming Commission um eine Lizenz für das gut hundert Meter lange Kasino-Schiff „Trump Princess“. In einer Präsentation betonte er unter anderem seine „ausgezeichneten Kompetenzen im Bereich Marketing und Werbung“. Er bot auch an, eine neue wohltätige Stiftung mit Anteilen im Wert von 11,5 Millionen Dollar (nach heutigem Kurs etwa zehn Millionen Euro) auszustatten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×