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Special

09.11.2016

15:48 Uhr

Marktreaktion auf US-Wahl

Börsen freunden sich mit Trump an

Nachdem der Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl die Aktienmärkte zunächst durcheinander wirbelte, erholen sich die Kurse überraschend schnell wieder. In den USA und in Deutschland schwenken die Börsen sogar ins Plus.

Tag an den Börsen

EZB-Rat: „Kein guter Tag für die Weltwirtschaft“

Tag an den Börsen: EZB-Rat: „Kein guter Tag für die Weltwirtschaft“

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Frankfurt/WashingtonEs war ein kurzes Beben: Auf den überraschenden Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bei den US-Wahlen hatten Investoren in Asien und Europa geschockt reagiert. Anleger warfen zunächst Aktien und andere risikoreiche Anlagen aus ihren Depots. Einige Börsen brachen zu Handelsbeginn so stark ein wie zuletzt nach dem Brexit-Referendum im vergangenen Juni. Doch im Verlauf grenzten Europas Börsen am Mittwoch ihre Anfangsverluste rasch ein: Der Dax notierte am Nachmittag sogar 0,45 Prozent höher.

In den USA blieb das große Beben im frühen Handel sogar gänzlich aus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schwenkte schon nach wenigen Handelsminuten ins Plus, der breiter gefasste S&P 500 verzeichnete nur ein geringes Minus von zunächst 0,2Prozent. Was steckt hinter der bemerkenswerten Kehrtwende der Investoren?

„Seine Siegesrede hat dem Markt wieder etwas auf die Beine geholfen“, sagte Portfoliostratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Trump habe versöhnlich geklungen und keine protektionistischen Töne angeschlagen, die von Investoren befürchtet worden seien.

Doch hinter der Contenance der Anleger könnte sich noch etwas anderes verbergen: „Kurzfristig ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Aktienkurse nach dem Schock erholen und sich im Verlauf der kommenden Tage Opportunitäten ergeben“, hatte DZ Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier bereits vor dem Börsenstart gemutmaßt. Ein ausschlaggebender Grund dafür nach Einschätzung des Experten: „Negative Ereignisse scheinen die Wahrscheinlichkeit dafür zu erhöhen, dass die Notenbanken länger an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, sie ausweiten oder zumindest nicht straffen“, so Bielmann. Damit bleibe der Kurstreiber der letzten Jahre, kostenlose Liquidität, erhalten und die Kurse könnten weiter steigen. Die US-Zentralbank Fed werde vermutlich keine Zinsanhebung im Dezember vornehmen.

Wie Ökonomen und Finanzexperten den Sieg Donald Trumps beurteilen

Peter Praet, Chefvolkswirt EZB

„Es ist zu früh, um Schlüsse aus der US-Wahl zu ziehen. Wir müssen ruhig sein, ruhiger als die Märkte. Die EZB wird ihre konjunkturfördernde Geldpolitik so lange beibehalten, bis die Inflation im Euro-Raum wieder zur Zielmarke der Notenbank zurückkehrt. Die EZB strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft knapp zwei Prozent Inflation an.“

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident

„Natürlich wird es kurzfristig zu Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen. Das sieht man ja bereits jetzt, und das dürfte sich in den kommenden Tagen fortsetzen. Aber ähnlich wie nach dem Brexit-Votum der Briten werden sich die Wellen wieder glätten. Schnell wird man feststellen, dass sich eigentlich nicht so viel ändern wird. Viele der verrückten Pläne Donald Trumps – etwa in der Steuer- und Handelspolitik – wird er nicht umsetzen können. Wir haben eine funktionierende Demokratie in den USA. Auch der mächtigste Mann der Welt kann nicht tun, was er will.“

Michael Hüther, Direktor IW Köln

Wenn Trump zu machen versucht, was er im Wahlkampf so ziemlich wirr und zusammenhanglos erzählt hat, dann heißt das Abschottung, Isolation, Diskriminierung und explodierende Staatsverschuldung. Die deutsche Wirtschaft wird nicht mehr so einfach auf die USA als Exportzielland Nummer eins setzen können. Kurzfristig werden nicht nur die Aktienmärkte von Ungewissheit in neuer Dimension geplagt werden, sondern auch das ohnehin schon schwache Investitionsgeschehen - und zwar global. Die Abwertung für den Dollar wird ein Übriges tun.

Michael Heise, Chefvolkswirt Allianz

„Mit Donald Trump zieht ein Präsident in das Weiße Hause ein, der außergewöhnlich hohe Unwägbarkeiten und Risiken für die Politik der nächsten Legislaturperiode mit sich bringt. Auch wenn die Realitäten des Amts sowie der Kongress als Korrektiv wirken können und Trump davon abhalten, seine Wahlversprechen etwa im Hinblick auf Zölle oder Zuwanderung eins zu eins umzusetzen, ist der langfristige Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft eher negativ beeinflusst.“

Kathleen Brooks, Brokerhaus City Index

„Das ist unbekanntes Territorium für die USA, das politische Establishment könnte über den Haufen gerannt werden, was weitreichende Konsequenzen für die Finanzmärkte für eine geraume Zeit nach sich ziehen würde. Ein weiteres Risiko ist, wie die Bevölkerung auf einen Sieg von Trump reagiert. Kommt es zu gewalttätigen Protesten könnte das noch mehr Volatilität für die Märkte bedeuten.“

Stefan Kreuzkamp, Chefstratege Deutsche Asset Management

„Der Sieg von Donald Trump hat die Märkte sicherlich auf dem falschen Fuß erwischt, wie auch die ersten Marktreaktionen zeigen. Wir erwarten, dass uns die Marktvolatilität aufgrund der gestiegenen politischen Unsicherheit zunächst erhalten bleiben dürfte. Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen. Die Berichterstattung dürfte negativ dominiert bleiben. Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen.
Allerdings glauben wir, dass die Anleger auch nicht die Nerven verlieren sollten. Vergessen wir nicht, dass es die große Konstante in Trumps Wahlkampf war, das Publikum immer wieder zu überraschen. Gut möglich, dass er nach der Wahl aus Marktsicht auch mal positiv überraschen könnte. Unsere Hoffnungen beruhen auf dem Pragmatismus, der Adaptionsfähigkeit und der insgesamt geringen politischen Festlegung Trumps. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er die Politveteranen im Kongress ein weitgehend klassisch republikanisch geprägtes Wahlprogramm durchziehen lässt.“

Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden Deutsche Bank

„Darauf waren die Märkte nicht eingestellt. Noch ist unklar, wie weit Trump tatsächlich geht. Doch in seinen Äußerungen im Wahlkampf zog er zum Beispiel den freien Welthandel in Zweifel. Er könnte so eine Belastung (nicht nur) für Schwellenländer werden. Auch daheim droht eine Rezession. In der ersten Phase der Ungewissheit dürften viele Märkte daher von Verlusten geprägt sein. Der Höhenflug des US-Dollar könnte jetzt vorerst ein Ende finden. Denn es ist unklar, ob sich die Fed angesichts der Unruhe an den Märkten zu einer raschen Zinserhöhung durchringt – obwohl die volkswirtschaftlichen Rahmendaten zuletzt dafür sprachen. Oder tritt sogar Notenbankchefin Janet Yellen ab?“

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ Bank

„Die Folgen der Wahl sind – wie der Kandidat Trump – völlig unberechenbar. Einige seiner Pläne sind radikal, viele nur rudimentär bekannt. Die Unklarheit über die künftige Wirtschaftspolitik ist groß, die Finanzierung der Steuerpläne ungewiss und die Aussagen zur Handelspolitik lassen sogar einen Handelskrieg befürchten. Die Beziehungen zu Europa und zur Nato dürften sich eintrüben. Wenn Donald Trump seine Wahlversprechen tatsächlich umsetzt und er ein spürbares Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft initiiert, sollte die US-Konjunktur zunächst profitieren und damit auch die wichtigsten Handelspartner. Mittelfristig dürfte der Politikentwurf von Donald Trump jedoch zu einer spürbar geringeren Wachstumsdynamik binnenwirtschaftlich wie global führen. Somit wird die zunächst negative Entwicklung an den Kapitalmärkten wohl kurzfristig überzeichnet sein, mittelfristig aber als berechtigt erscheinen.“

Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank

„Der US-Wahlausgang ist schwere Kost für die Börsen. Die Aktienmärkte weltweit werden unter einer hohen Volatilität leiden, der US-Dollar dürfte sich zum Euro abschwächen, und auch die Zinswende könnte nochmals verschoben sein. Ganz bitter könnte es sogar für die Emerging Markets Märkte kommen. Gold als Krisenwährung wird gewinnen.“

Thomas Glitzel, Chefvolkswirt VP Bank

„Bleibt Trump bei seiner harten außenwirtschaftlichen Linie, verspricht dies nichts Gutes. Wahrscheinlich muss sich Donald Trump aber den Fakten stellen und zurückrudern. Der Freihandel kann so einfach nicht auf den Kopf gestellt werden, ansonsten wäre die US-Wirtschaft selbst stark gefährdet. Kehrt Trump von seiner extremen außenwirtschaftlichen Positionierung ab, blieben Steuersenkungen und eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben als Kernelemente seiner Wirtschaftspolitik. Dies wäre dann positiv für die US-Wirtschaft und somit auch für die Weltökonomie als ganzes. Die US-Notenbank wird in den kommenden Wochen die Reaktion an den Finanzmärkten abwarten, auch das Verhalten wichtiger konjunktureller Frühindikatoren wird für US-Notenbankchefin Yellen entscheidend sein. Bleiben die Aktienmärkte unter Druck und leidet darunter die Unternehmens- und Verbraucherstimmung, dürfte die US-Notenbank von einer weiteren Zinserhöhung im Dezember absehen.“

Auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei der Deutsche Bank sieht das ähnlich: „Es ist unklar, ob sich die Fed angesichts der Unruhe an den Märkten zu einer raschen Zinserhöhung durchringt – obwohl die volkswirtschaftlichen Rahmendaten zuletzt dafür sprachen“, sagt der Anlageprofi.

Die US-Notenbanker hatten bisher signalisiert, im kommenden Monat die Leitzinsen anzuheben, nachdem sie seit ihrem letzten Erhöhungsschritt im vergangenen Dezember den nächsten Zinsschritt immer wieder hinausgezögert hatten. Ende vergangenen Jahres hatte die Fed erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Zinszügel etwas gestrafft. Doch nach dem Wahlsieg Trumps sind die Chancen auch nach Einschätzung der Marktteilnehmer gesunken, dass die US-Währungshüter an ihren bisherigen Plänen festhalten können: An den US-Terminmärkten brach die von Investoren erwartete Wahrscheinlichkeit für eine US-Leitzinsanhebung im Dezember auf 47 Prozent ein. Nur wenige Stunden zuvor wurde dieser Wert noch mit 82 Prozent taxiert.

Anleihen: Die Flucht in die Sicherheit hält nicht an

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Der „Trump-Schock“ hat Investoren nur kurz in die als ausfallsicher geltenden Anleihen aus dem Euro-Raum und den USA getrieben. Doch die Renditen ziehen schon wieder an. Sorgen um den künftigen US-Haushalt und die Zinspolitik belasten.

Die Experten der Allianz-Fondstocher Allianz GI führen ein weiteres Argument ins Feld: Solange Trumps Politik noch nicht klar ist, stellten seine Rhetorik in Bezug auf Handel, Einwanderung und internationale Zusammenarbeit zwar eine Bedrohung für das Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit dar. „Ironischerweise aber könnten genau deshalb europäische Aktien im Vergleich zu US-Titeln „u einem Bollwerk der Stabilität werden.“

Kommentare (34)

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Lothar dM

09.11.2016, 08:12 Uhr

Make America great gain ... what a blast. Working class strikes back.

Bürger 1 - korrupte Politik 0 .... Bitte ... Danke!


Made in America!
https://www.youtube.com/watch?v=MaAF_3WMJGM

Herr Marc T Otto

09.11.2016, 08:18 Uhr

Einen wunderschönen guten Morgen! Nun wissen wir nicht, ob die Vernunft gesiegt hat? Aber wie hatte doch Herr Dr. Daniele Ganser immer wieder betont: Frau Killary Clinton ist brandgefährlich für den Weltfrieden und Herr Donald Trump ist nur ein bisschen "verrückt". Also ganz ehrlich lieber einen verrückten Freund, als eine kriegstreibende Bekannte!!!
BTW, so schlimm wie es hier mal wieder alle deutschen Mainstream-Medien beschreiben wird es nicht werden, es wird viel eher wieder Frieden und Vernunft und Einsicht in diese linksverdrehte Welt kommen. Sobald eine Annähnerung zwischen Trump und Putin gelingt, wird sich zegen wer hier wirklich Frieden für die Menschen auf diesem Planeten will. Aber eins steh ja fest, bisher gingen unzwieifelhaft allle Kriegstreibereien seit dem Ende des WKII von dem imperalistischen System der USA aus. Jetzt ist die große und einmalige Chance von Herrn Donald Trump, dies zu beenden. Und ich persönlich habe starke Hoffnung, dass er es schafft (auf jeden Fall besser als Frau Killary Clinton).

Lothar dM

09.11.2016, 08:40 Uhr

Glückwünsche nach Kallstadt/ Pfalz, der Enkel der deutschen Auswanderer Friedrich Trump und Elisabeth Christ, wird der nächste Präsident der USA, gegen alle Prognosen, gegen einen mächtigen Apparat der Medien und des politischen Establishments. Kallstadt sollte ihn umgehend einladen und zum Ehrenbürger machen.

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