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Special

03.11.2016

23:21 Uhr

Melania Trump

„Unsere Kultur ist zu gemein und grob geworden“

Melania Trump erklärt in einer seltenen Rede, was sie als First Lady angehen würde: Online-Mobbing. Mit Familienthemen will sie die Wähler-Gruppe wiedergewinnen, die Trump nach dem Skandal-Tape verloren hat: Frauen.

Melania Trump: Während ihrer Kindheit in ihrem Heimatland Slowenien sei „Amerika das Wort für Freiheit und Möglichkeiten“. AFP; Files; Francois Guillot

Melania Trump

Melania Trump: Während ihrer Kindheit in ihrem Heimatland Slowenien sei „Amerika das Wort für Freiheit und Möglichkeiten“.

WashingtonDonald Trumps Ehefrau Melania hat dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit einer Wahlkampfrede seltene Schützenhilfe geleistet. Bei einem Auftritt im US-Staat Pennsylvania hob sie am Donnerstag ihre eigene Geschichte als Einwanderin hervor, legte den Fokus aber besonders auf Familienthemen. Auch gegen Mobbing im Internet wolle sie vorgehen, sollte ihr Mann ins Weiße Haus gewählt werden.

Während ihrer Kindheit in ihrem Heimatland Slowenien sei „Amerika das Wort für Freiheit und Möglichkeiten“ gewesen, sagte Trump in einem Sportzentrum in Berwyn nahe Philadelphia. „Amerika hat bedeutet: Wenn du es dir erträumen kannst, kannst du es auch werden“, sagte sie. Nach einem zehnjährigen Prozess die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten, sei „das größte Privileg der Welt“ gewesen.

Karen Pence: „Ich weiß, dass Amerika sich in sie verlieben wird.“

Vor ihrer Rede wurde die 46-Jährige von der Ehefrau des republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence, Karen, vorgestellt. Diese lobte die Gattin des Präsidentschaftskandidaten als wundervoll und stark. An das Publikum gewandt sagte sie: „Ich weiß, dass Amerika sich in sie verlieben wird, so wie sie das amerikanische Volk liebt.“

Die Veranstaltung in Berwyn war Melania Trumps erster Soloauftritt des laufenden Wahlkampfes und ihre erste Ansprache seit dem Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli. Die Parteitagsrede wurde anfangs gelobt - bis sich herausstellte, dass einige Passagen so fast wortgleich aus einer früheren Rede von First Lady Michelle Obama stammten.

In ihrer Ansprache am Donnerstag sprach Trump unter anderem von der Vision ihres Mannes für die amerikanischen Frauen, Kinder und Familien. Als First Lady würde sie eine Anwältin für Frauen und Kinder sein, sagte sie.

US-Wahl: Kann man sich auf die Umfragen verlassen?

Wie verlässlich sind die Meinungsforscher in den USA?

Bei den etablierten Instituten lässt sich nachschlagen, wie gut sie bei zurückliegenden Wahlen gelegen haben. Generell waren die Umfragen etwa 2012, beim zweiten Wahlsieg Barack Obamas, zu skeptisch dem Amtsinhaber gegenüber. Im Schnitt sahen die Umfragen noch am Tag vor der Wahl Obama nur um 0,7 Prozentpunkte vorn. Er gewann schließlich mit 3,9 Punkten vor Mitt Romney. Am dichtesten dran waren die Umfragen von ABC/Washington Post und von Pew Research, die den Amtsinhaber um jeweils drei Punkte vorne sahen.

Wird mit Demoskopie Politik gemacht?

Ja. Im Internet kursieren Dutzende Umfragen, die keinerlei wissenschaftliche Kriterien erfüllen und den einzigen Zweck haben, den einen oder anderen Kandidaten gut aussehen zu lassen. Nach den Fernseh-Duellen wurden zahlreiche Blitzumfragen veröffentlicht, in denen die Befragten zu 90 Prozent Donald Trump als Gewinner sahen. In seriösen Erhebungen lag Clinton vorn.

Welche sind die besten Institute?

Dem Ranking zufolge schneiden unter den größeren Instituten die Monmouth University und das gemeinsame Institut von ABC und „Washington Post“ am besten ab - mit einer ganz leichten Tendenz zu den Demokraten. Auch CBS/„New York Times“ haben ein ordentliches Rating, mit leichter Tendenz zu den Demokraten. Gallup, Rasmussen oder das Emerson College neigen dagegen dazu, die Republikaner leicht überzubewerten, sind aber seriös. Das gilt auch für die „Los Angeles Times“, die in den vergangenen Wochen Donald Trump deutlich positiver sah als andere Institute.

Warum liegen die einzelnen Umfragen teils so deutlich auseinander?

Die Institute arbeiten nach unterschiedlichen Methoden. Sie suchen sich die Stichprobe ihrer Befragten nach verschiedenen Kriterien und gewichten diese unterschiedlich – etwa was Wohnort, Alter, Geschlecht, Bildungsstand oder Einkommen angeht. Dies führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Was kann die Umfragen verfälschen?

Die Meinungsforscher können die Umfragen selbst beeinflussen, indem sie unterschiedlich gewichten. Viel mehr fürchten sie sich aber davor, von den Befragten belogen zu werden. In Großbritannien hat 2015 etwa der sogenannte „Shy Tory Factor“ – der Effekt, dass Wähler der Konservativen Partei den Meinungsforschern gegenüber ihre Wahlabsicht nicht zugeben – zu einer nicht für möglich gehaltenen Blamage der Meinungsforscher geführt. Ähnliches war auch beim Brexit-Votum zu beobachten. Trump sei geeignet, ähnliche Effekte auszulösen, glauben Experten – allerdings in jegliche Richtung.

Gibt es noch andere Vorhersagemethoden als Wählerumfragen?

Ja. Die Ratingagentur Moody's etwa stützt ihr Modell auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten – Wirtschaftswachstum, Benzinpreise oder die Beliebtheit des Amtsinhabers. Mit diesem Modell habe man seit Ronald Reagan richtig gelegen, heißt es von Moody`s. Es sagt einen glasklaren Sieg für Clinton voraus. Der deutschstämmige Professor Helmut Norpoth aus New York dagegen sieht mit seinem Modell Trump deutlich vorn. Er stützt sich einerseits auf die jeweilige Performance in den Vorwahlen, andererseits auf die Tatsache, dass eine Partei nur schwer mehr als acht Jahre die Macht im Weißen Haus innehaben kann.

Damit wollte sie offenbar die Behauptungen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton entkräften, Trump sei ein Frauenhasser. Die Stimmen von Frauen aus der Vorstadt sind entscheidend für den Republikaner, um sich Hoffnungen auf einen Sieg in Pennsylvania machen zu können.

Auch andere Themen schnitt die Trump-Gattin an. Sollte ihr Mann zum Präsidenten gewählt und sie damit First Lady werden, würde sie ein großes Augenmerk auf den Kampf gegen Online-Mobbing richten. „Unsere Kultur ist zu gemein und zu grob geworden, besonders für Kinder und Teenager“, sagte sie. Es sei absolut inakzeptabel, wenn Kinder anonym im Internet verspottet, gemobbt und angegriffen würden.

Clintons Vorsprung schmilzt: Trump holt wieder auf – das Rennen wird knapp

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Trump holt wieder auf – das Rennen wird knapp

Die US-Wahl ist wieder offen. Entgegen aller Erwartungen holt Donald Trump wieder auf. In Umfragen der „New York Times“ hat Hillary Clinton nur noch einen knappen Vorsprung – und der ist im Bereich der Fehlertoleranz.

„Wir müssen einen besseren Weg finden, um miteinander zu reden, verschiedener Meinung zu sein und sich gegenseitig zu respektieren“, sagte das frühere Model, das seit 2005 mit Trump verheiratet ist. Der Jugend müssten amerikanische Werte wie Respekt, Ehrlichkeit und Verständnis beigebracht werden, sagte sie.

Das Thema Online-Mobbing ist in diesem Wahlpampf interessant, weil ihr Donald Trump ein fleißiger Nutzer von Twitter ist. Dort hat er regelmäßig Leute beleidigt.

Ihren Ehemann beschrieb sie als einen „Kämpfer“, der niemals aufgebe. Lächelnd fügte sie hinzu: „Er weiß sicherlich, wie man die Dinge aufmischt, oder?“

Melania Trump trat im Wahlkampf bisher kaum in den Vordergrund. Sie erklärte das damit, dass ihre wichtigste Aufgabe die Erziehung des zehnjährigen Barron sei, ihrem gemeinsamen Sohn mit Trump.

Von

ap

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