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Special

16.11.2016

20:30 Uhr

Michael Moore

Ein Poltergeist gegen Trump

VonAxel Postinett

Linkes Großmaul oder letzte Hoffnung? Oscar-Gewinner Michael Moore will die Demokratische Partei um sich scharen – und Donald Trump bekämpfen. Moores Hoffnung: Der Präsident in spe werde keine vier Jahre durchhalten.

Filmemacher Michael Moore will eine Anti-Trump-Bewegung anführen. dpa

Michael Moore in Trumpland

Filmemacher Michael Moore will eine Anti-Trump-Bewegung anführen.

San FranciscoAuch eine Woche nach der Wahl ist die Demokratische Partei in den USA wie gelähmt. Sie können noch immer nicht glauben, warum der Republikaner Donald Trump gegen Hillary Clinton gewinnen konnte. Wie konnte das passieren? Manche Demokraten geben weißen Männern die Schuld, Vorstadt-Frauen, dem FBI-Chef oder allen zusammen. Andere in der Partei fühlen sich von den Latinos verraten und den Farbigen nicht verstanden. Der gegen Clinton unterlegene linke Ex-Kandidat Bernie Sanders wiederholt seine bekannten Parolen von freier Collegeausbildung und höherem Mindestlohn. Derweil wählen für Trump Lobbyisten, seine Kinder und Wall-Street-Banker die neue Führungsmannschaft aus.

Das Chaos ist die Stunde des Michael Moore. Der umstrittene Filmemacher und Aktivist hatte schon im Juli, rund 100 Tage vor dem Wahltermin, Trumps Sieg vorausgesagt. Jetzt will der 62-Jährige eine Anti-Trump-Bewegung anführen, erklärte er im Interview mit der „Los Angeles Times“. Moore ruft die Menschen auf, die Demokratische Partei zu kapern, die alten Strukturen zu zerschlagen und neu anzufangen. „Sie haben uns alle betrogen“, sagt er.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Moore zeigt sich überzeugt davon, dass Präsident Trump keine vier Jahre durchhalten werden. Früher oder später werde der Milliardär seinen eigenen Vorteil in den Vordergrund stellen und deshalb – absichtlich oder unabsichtlich – Gesetze brechen, glaubt Moore. Die Republikaner würden Trump zudem selbst bald loswerden wollen, weil er unkontrollierbar sei. Letztlich, so Moore, wollte Trump gar nicht Präsident werden. Alles was jetzt passiert, das sei eher so etwas wie ein riesiger Betriebsunfall.

Wie es dazu kam? Trump wollte laut Moore eigentlich nur mit einer gigantischen Show seinen Marktwert nach oben treiben und bessere Konditionen für seine Reality-TV-Shows bei NBC herausarbeiten. Als aber NBC vergangenes Jahr nach Trumps rassistisch gefärbter Wahlkampf-Antrittsrede dessen Vertrag aufkündigte, blieb ihm nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Und dann, so Moore, passierte das Unglaubliche: Trump „entzündete das Land“, vor allem jene Amerikaner, die nicht Milliardäre sind. Ohne Apparat, ohne Plan, ohne Wahlkampforganisation rammte er einen republikanischen Konkurrenten nach dem anderen in den Boden. Mit Jeb Bush fertigte er einen Politiker aus einer der mächtigsten Familien der USA wie einen Schuljungen ab.

Haltlose Verschwörungstheorien eines linken Spinners? Moore, Erkennungszeichen Baseball-Mütze und dunkle Brille zum langen Haar, hat sich immer die heißen und kontroversen Themen vorgenommen. Mit „Bowling for Colombine“ knöpfte er sich 2003 den Waffenwahn in den USA vor und bekam dafür einen Oscar, „Fahrenheit 9/11“ thematisierte die Politik nach dem Attentat auf die New Yorker Zwillingstürme und die Verstrickungen der Bush-Regierung in große Geschäfte und den Angriff auf den Irak.

1989 hatte er seinen berühmtesten Film gedreht, „Roger & Me“. Es ist eine Dokumentation über den wirtschaftlichen Untergang der Stadt Flint, als General Motors seine Fabriken dicht machte und nach Abschluss des Freihandelsabkommens Nafta in Mexiko neue baute. Die Wut auf das Freihandelsabkommen bei Wählern und bei Trump war nach Meinung vieler Beobachter einer der Schlüssel für dessen Erfolg.

Moore drehte während des Wahlkampfs einen Dokumentarfilm über die Welt des Donald Trump, „Michael Moore in Trumpland“. Vielleicht ist das der Grund, warum Moore es so viel früher als die meisten Parteistrategen und Washington-Reporter spürte, dass in Amerika gewaltig grummelt. Trump reiste durch Trumpland und sprach mit den Menschen; dabei muss ihm klar geworden sein, was sich anbahnt. Am 18. Oktober kam der Film heraus, aber er wurde genauso wenig beachtet wie Moores Warnungen im Juli.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.11.2016, 08:15 Uhr

Michael Moore will also nicht die Republikaner kapern sondern die Demokraten. Er will die alten demokratischen Strukturen zerschlagen und einen Neuaufbau beginnen.
Die Demokraten stehen ohne Clinton und Obama ohne politische Führung da. Die Strippenzieher im Hintergrund (Wallstreet um Soros) haben bis dato noch keine passende politische Marionette unter den Demokraten ausgemacht. Und genau in dieses Machtvakkuum der Demokraten stößt jetzt Michael Moore. Bin mal gespannt wie das Duell bei Demokraten zwischen der Wallstreet und Michael Moore ausgehen wird und vor allen wie lange sich das hinzieht und wievel am Ende von den Demokraten dann überhaupt noch übrig bleibt.
Ich sehe beim besten Willen hier keine Gefahr auf Seiten Trumps sondern auf der Seite der Demokraten.
Trump hat schon während des Wahlkampf seine Strategie/Plan verfolgt den er jetzt nach der Wahl Zug um Zug umsetzt. Bis zur Vereidigung Trumps zum 45. Präsidenten wird er alle wichtigen Institutionen der USA und seine Partei hinter sich versammelt haben. Die Medien und die Gesellschaft werden nach und nach erkennen, was für einen "Großartigen Plan" Trump für sein Land hat.
Es wird schwierig für die Demokraten da wieder Fuss zu fassen. Vor allen wenn sie sich jetzt innerpartliche auch noch Spalten.

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