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Special

26.07.2016

11:02 Uhr

Nominierungsparteitag in Cleveland

„Hillary Clinton hat uns Donald Trump beschert“

Buh-Ruhe zum Auftakt des Demokraten-Parteitags: Die Wut auf die Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton ist unter den Anhängern von Bernie Sanders groß. Ein Stimmungsbericht aus Cleveland.

Viele Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders sind auf Hillary Clinton schlecht zu sprechen. dpa

Aufgeheizte Stimmung in Philadelphia

Viele Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders sind auf Hillary Clinton schlecht zu sprechen.

PhiladelphiaDer Parteikonvent der Demokraten sollte ein Kontrastprogramm werden, der Gegenentwurf zur Negativveranstaltung der Republikaner. Harmonisch, von Tag eins an. Doch daraus ist nichts geworden. Die Wut auf Hillary Clinton ist bei vielen Anhängern des unterlegenen Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders groß. Jedes Mal, wenn der Name Hillary erwähnt wird, erschallen reflexhaft Buh-Rufe. Vor dem Veranstaltungsgelände protestierten Hunderte Demonstranten. Manche von ihnen trugen Schilder mit der Aufschrift „Niemals Hillary“.

Buh-Rufe und Zwischenrufe erstickten auch die ersten Reden, die Sanders-Delegierten schrien ihren Frust heraus. Selbst der Bürgerrechtsheld Elijah Cummings bekam den Ärger im Plenum zu spüren. „No TTP“, riefen die Sanders-Fans aus Hunderten von Kehlen. Was Cummings sagte, war kaum zu verstehen.

Parteitag der US-Demokraten: Sanders stellt sich hinter Clinton

Parteitag der US-Demokraten

Sanders stellt sich hinter Clinton

Der Nominierungsparteitag der US-Demokraten steht im Schatten eines E-Mail-Skandals. Der geschädigte Bernie Sanders stützt demonstrativ seine Rivalin Hillary Clinton. Und auch Michelle Obama beschwört Geschlossenheit.

Die Ablehnung des Transpazifischen Freihandelspakts ist ein Hauptanliegen der Sanders-Fraktion. Hillary Clinton ist längst auf diesen Kurs eingeschwenkt, auch sie lehnt das Abkommen, das sie als Außenministerin noch als „Goldstandard“ angepriesen hatte, inzwischen ab. Aber die Sanders-Delegierten trauen ihr nicht, einige verabscheuen sie regelrecht.

„Das hier ist der Augenblick zu zeigen, was für eine schwache Kandidatin Clinton ist“, sagt James Albrecht, der im himmelblauen Sanders-Shirt unter den kalifornischen Delegierten saß. Wäre es nicht besser Einigkeit zu beweisen, sich hinter Clinton zu stellen, die am Donnerstag offiziell die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin annehmen soll? Geht es für die Demokraten nicht darum, den Rechtspopulisten Donald Trump zu besiegen? „Nein“, meint Albrecht.

E-Mail-Veröffentlichungen durch die Enthüllungsplattform Wikileaks haben die Wunden des Vorwahlkampfs wieder aufgerissen. Korrespondenzen zwischen wichtigen Funktionären scheinen den Verdacht der Sanders-Anhängers zu bestätigen, dass die Parteiführung der Demokraten sich nicht neutral verhielt, sondern eine klare Präferenz für Clinton hatte.

Hillary Clinton

„Muss mich daran gewöhnen, als erste Frau zu kandidieren“

Hillary Clinton: „Muss mich daran gewöhnen, als erste Frau zu kandidieren“

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„Das System ist manipuliert“, schimpft Albrecht. Seine Wut auf die Spitzenkandidatin ist so groß, dass der 25-Jährige sich zu einem Nazivergleich versteigt: „Der Neoliberalismus, die Politik von Hillary Clinton, hat uns Donald Trump beschert. Für eine neoliberale Clinton zu stimmen, wäre Appeasement, der gleiche Fehler, den Chamberlain begangen hat.“ Der britische Premier Neville Chamberlain hatte in den 1930er-Jahren versucht, Hitlers Machtstreben zu besänftigen, statt ihm Grenzen zu setzen. Kritiker waren später der Meinung, der Zweite Weltkrieg hätte mit einem härteren Durchgreifen verhindert werden können. Die Demokraten müssen erkennen: Mit solchen Delegierten ist es schwer, eine Versöhnungsfeier abzuhalten.
Während die Kalifornier lärmen, bahnt sich eine Frau in einem grünen Kleid ihren Weg durch die Menge. Sie ist Sanders-Vertreterin aus Illinois. „Schaut auf eure Handys“, ruft sie. „Bernie hat uns eine Nachricht geschickt. Er will, dass wir aufhören zu buhen.“ Den Kaliforniern ist das egal: „Ich bin nicht für Bernie hier, sondern für die Wähler in meinem Wahlkreis.“ Die „politische Revolution“, die Sanders im Vorwahlkampf ausgerufen hatte, hat sich verselbstständigt. Der Revolutionsführer kann sie nicht mehr kontrollierten.

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