Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

06.01.2016

01:34 Uhr

Obama im Alleingang

US-Präsident verschärft das Waffenrecht

Hintergrund-Checks von Käufern, Überprüfung der Verkäufer-Lizenzen und mehr finanzielle Mittel für Behörden: US-Präsident Obama will die „massenhafte Gewalt“ in den USA eindämmen – die Waffenlobby tobt.

Rede zu neuem Waffengesetz

USA: Obama weint um erschossene Kinder

Rede zu neuem Waffengesetz: USA: Obama weint um erschossene Kinder

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WashingtonSchätzungen zufolge befinden sich in den USA mehr als 300 Millionen Schusswaffen in Privathaushalten. In seiner Rede über die Verschärfung des Waffenrechts, die der US-Präsident im Alleingang durchsetzen will, betonte Barack Obama, dass er das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nicht grundsätzlich in Frage stelle. Allerdings gehe es darum, vernünftige Lösungen für die Waffengewalt zu finden. Die Waffenlobby dürfe die Vereinigten Staaten „nicht als Geisel nehmen“.

Doch davon wollte diese nichts hören. Die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) kritisierte Obamas Pläne für ein strengeres Waffenrecht scharf.

Aktie im Fokus : Obama verhilft Smith&Wesson zu Kursfeuerwerk

Aktie im Fokus

Obama verhilft Smith&Wesson zu Kursfeuerwerk

US-Präsident Barack Obama will die Waffengesetze verschärfen. Ausgerechnet die Aktien des Waffenherstellers Smith&Wesson steigen jetzt auf Rekordhöhe. Der Grund: Das amerikanische Volk deckt sich mit Waffen ein.

"Wir werden nicht zulassen, dass rechtschaffene Waffenbesitzer schikaniert und eingeschüchtert werden, weil sie einer gesetzlichen, von der Verfassung geschützten Aktivität nachgehen", erklärte NRA-Vertreter Chris Cox am Dienstag. Obamas Vorgehen grenze an Machtmissbrauch und solle Waffenbesitzer zu "Sündenböcken" machen.

Zum Auftritt des Präsidenten am Dienstag im Weißen Haus merkte Cox an: "Die amerikanische Bevölkerung braucht nicht noch mehr emotionale, herablassende Belehrungen bar von Fakten." Der Präsident liefere "politische Rhetorik" statt "echter Lösungen für die drängenden Probleme unserer Nation".

Bei einem emotionalen Auftritt hat US-Präsident Barack Obama seine Pläne für ein strengeres Waffenrecht enthüllt. Obama wischte sich am Dienstag Tränen aus den Augen, als er im Weißen Haus über die 20 Grundschulkinder sprach, die im Dezember 2012 beim Amoklauf von Newtown erschossen worden waren. „Jedes Mal, wenn ich an diese Kinder denke, werde ich wütend“, sagte der Präsident, der die Gesetze im Alleingang verschärfen will.

Waffen in den USA – Zahlen, Daten, Fakten

Meiste Waffen pro Einwohner

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt – von 100 Einwohnern haben statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal „Injury Prevention“ vorgestellte Studie.

Millionen Schusswaffen in Privathand

Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus.

Durcheinander der Gesetze

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden; es gibt ein Durcheinander nationaler, einzelstaatlicher und kommunaler Vorschriften. Seit dem 1. Januar 2016 ist in Texas sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Volksrecht Waffenbesitz

Das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“ war 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft worden. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Auch der Oberste Gerichtshof sprach 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer NRA gewertet.

Mächtige Lobby

US-Präsident Barack Obama machte 2013 nach dem Massaker an einer Schule in Newtown (Connecticut) schärfere Waffengesetze zu einem innenpolitischen Hauptanliegen. Entsprechende Initiativen aus dem Weißen Haus scheiterten aber bisher am Widerstand der Waffenlobby.

„Jedes Jahr wird das Leben von mehr als 30.000 Amerikanern durch Waffen verkürzt“, sagte Obama vor Angehörigen von Schusswaffenopfern. Im Publikum saß auch die Ex-Abgeordnete Gabrielle Giffords, die Anfang 2011 nur knapp ein Attentat überlebt hatte.

Die Vereinigten Staaten seien das einzige entwickelte Land, das in einer derartigen Häufigkeit mit „dieser Art von massenhaften Gewalt“ konfrontiert sei, fuhr der Präsident fort. Die „ständigen Ausreden für das Nichtstun“ seien nicht mehr hinnehmbar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×