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Special

21.07.2016

20:31 Uhr

Parteitag der Republikaner

Hassparolen gegen Hillary

„Lügnerin“, „Sperrt sie ein!“ – Die Republikaner beschimpfen Hillary Clinton auf ihrem Parteitag wüst. Dass sie Clintons Schwächen stärker thematisieren als die Stärken von Donald Trump, ist strategisches Kalkül.

Ein Republikaner trägt eine Mütze mit der Aufschrift „Lügnerin Hillary Clinton“. Auf dem Parteitag ist Hillary-Bashing angesagt. AFP; Files; Francois Guillot

Auf dem Parteitag der Republikaner

Ein Republikaner trägt eine Mütze mit der Aufschrift „Lügnerin Hillary Clinton“. Auf dem Parteitag ist Hillary-Bashing angesagt.

Cleveland„Lügnerin!“ „Müll!“ „Sperrt sie ein!“ Solche Schlagworte sind auf dem Parteitag der Republikaner zu hören, wenn die Rede auf Hillary Clinton kommt. Die absehbare Präsidentschaftskandidatin der Demokratin sitzt dieser Tage in Cleveland in einer Art Scheinprozess auf der Anklagebank, das Urteil lautet auf schuldig. Und nicht wenige Republikaner wünschen Clinton öffentlich die Todesstrafe.

Die ohnehin nicht als sonderlich zimperlich bekannte Wahlkampfrhetorik scheint völlig entfesselt. Selbst einigen erklärten Gegnern Clintons geht die Boshaftigkeit zu weit.

Der republikanische Parteitag soll eigentlich eine Jubelfeier für Donald Trump sein, den nun offiziell nominierten Kandidaten. Doch mitunter wirkt es, als stehe bei den versammelten Delegierten und Funktionären das Clinton-Bashing im Vordergrund. Statt die Vorzüge ihres Kandidaten anzupreisen, schießen sich die Republikaner mit Verve auf die frühere Außenministerin ein.

Die Chronologie des Donald Trumps

Karriere

Es ist eine der steilsten Blitzkarrieren in der jüngeren Geschichte der US-Politik. Innerhalb eines Jahres hat der umstrittene Immobilienmilliardär Donald Trump die Republikanische Partei erobert und ist nun ihr Präsidentschaftskandidat. Als krasser Außenseiter ohne jegliche politische Erfahrung gestartet, konnte der Rechtspopulist mit ebenso simplen wie radikalen Parolen die Frustrationen von Millionen von Wählern bündeln und 16 republikanische Konkurrenten ausstechen.

16. Juni 2015

Bei einem pompös inszenierten Auftritt in seinem New Yorker Trump Tower verkündet Trump seine Bewerbung um das Präsidentenamt. Zugleich setzt er mit einer wütenden Attacke gegen mexikanische Einwanderer den Ton für seine Kampagne: „Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen.“

7. August 2015

Nach seiner ersten TV-Debatte als Präsidentschaftsbewerber geifert Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“ Auch in der eigenen Partei löst die frauenfeindliche Bemerkung heftige Kritik aus.

24. September 2015

Trump verkündet, dass er nicht an den Klimawandel glaubt: „Wetter ändert sich nun mal. Es gibt Stürme und Regen, und es gibt schöne Tage.“

7. Dezember 2015

Nach dem Attentat im kalifornischen San Bernardino fordert der Milliardär ein generelles Einreiseverbot für Muslime. Eine Welle der Entrüstung im In- und Ausland folgt, seine Umfragewerte steigen.

1. Februar 2016

Trump unterliegt in der ersten Vorwahl der Republikaner gegen Ted Cruz im Bundesstaat Iowa. Er wirft dem Senator Wahlbetrug vor.

1. März 2016

Am ersten „Super Tuesday“ der Vorwahlen holt Trump sieben Bundesstaaten. Nun ist er endgültig der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur.

3. März 2016

Der Baulöwe bezieht in einer Fernsehdebatte Stellung zu seinem Geschlechtsteil. Weder seine Hände noch „etwas Anderes“ seien klein. Sein Rivale Marco Rubio hatte zuvor einen schlechten Witz über Trumps Penisgröße gemacht.

24. Juni 2016

Das Brexit-Votum der Briten findet Trump „fantastisch“.

15. Juli 2016

Trump präsentiert seinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt. Der Gouverneur von Indiana, Mike Pence, ist ein Liebling des erzkonservativen Flügels.

19. Juli 2016

Trump wird vom Parteitag als Präsidentschaftskandidat nominiert.

Al Baldasaro, ein Delegierter und Berater Trumps in Veteranen-Angelegenheiten, nannte Clinton ein „Stück Abfall“ und schlug eine Bestrafung für deren angebliche Untätigkeit bei dem Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi im Jahr 2012 vor. Damals kamen vier Amerikaner um. „Hillary Clinton sollte in die Schusslinie gestellt und wegen Hochverrats erschossen werden“, erklärte der Abgeordnete im Parlament des US-Staats New Hampshire in einem Radio-Interview.

Trumps Wahlkampfsprecherin Hope Hicks distanzierte sich rasch. Das Kampagnenteam stimme Baldasaros Äußerungen nicht zu, erklärte sie. Der Secret Service ermittelt inzwischen gegen den Abgeordneten.

Der Hass auf Clinton ist aber auch auf die Straßen von Cleveland geschwappt: „Das Leben ist ein Miststück - Wählt keine“, prangt etwa auf abfälligen Ansteckern, die man vor dem Parteitagsgelände kaufen kann. „Trump gegen Tramp“ (Flittchen), steht auf anderen Stickern. Andere gehen noch weiter unter die Gürtellinie. Für Verkäufer Tony Ensminger sind die Sprüche auf seinen Produkten aber nicht so wild. Das sei „milde“ im Vergleich zu den Äußerungen der Demokraten über Expräsident George W. Bush, findet er.

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