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Special

09.11.2016

10:57 Uhr

Peso im Keller

Schockstarre in Mexiko nach Trump-Sieg

VonKlaus Ehringfeld

Trump wird Präsident – und Mexiko droht eine tiefe wirtschaftliche Krise. Der Peso erreicht ein historisches Tief nach dem anderen. Und Wirtschaftsexperten sehen schwarz für die Zukunft.

Donald Trump als Kuchen zur Feier das Tages. Glücklich sieht er nicht aus. Ebenso wenig ist das Mexiko über den Ausgang der Wahl. Reuters

Donald Trump

Donald Trump als Kuchen zur Feier das Tages. Glücklich sieht er nicht aus. Ebenso wenig ist das Mexiko über den Ausgang der Wahl.

Mexiko-StadtEs war erst 21.15 Uhr in Mexiko am Dienstagabend, da hatte die Währung des Landes bereits einen ersten historischen Tiefstand erreicht. Gerade hatte der spätere Sieger Donald Trump die Führung in den wichtigsten Bundesstaaten Ohio und Florida übernommen, da war die Angst in Mexiko zurück. Der Republikaner als Präsident löst im südlichen Nachbarland Panik aus, vor allem wirtschaftliche. Was wird aus dem Freihandelsabkommen NAFTA, das Mexikos Lebensader ist?

Wird der Peso so viel Wert verlieren wie zuletzt 2008/2009 während der großen Finanz- und Wirtschaftskrise? Was passiert an der Grenze, wird die Mauer kommen, werden jetzt Millionen Mexikaner aus den USA deportiert werden? Analysten wollen eine tiefgehende Krise nicht ausschließen, wenn der Präsident Trump das umsetzt, was der Kandidat Trump angedroht hatte. Allem voran die Neuverhandlung oder Annullierung der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA mit Mexiko und Kanada. Dann stünde die Wirtschaft des Landes vor dem Kollaps. Mexikos Importe gehen zu 80 Prozent in die USA. Auch internationale Wirtschaftsvertreter bangen um die Attraktivität des Produktionsstandortes Mexiko.

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Sollte Trump auch nur einen Teil seiner Ankündigungen umsetzen, wird auf dieser Welt nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Bis zum endgültigen Sieg Donald Trumps im Rennen um das Weiße Haus verlor der mexikanische Peso am späten Dienstagabend weiter an Wert. Kurz vor Mitternacht in Mexiko kostete ein US-Dollar schon 20,74 Peso, es war ein Wertverlust von rund 13 Prozent gegenüber dem Schlussstand am Dienstagmittag.

Dabei hatte der Peso am Montag und Dienstag noch deutlich aufgewertet gehabt, nachdem Hillary Clinton in den Umfragen weiter zulegen konnte. Der Peso war in den vergangenen Monaten der beste Indikator dafür, wie gut die Chancen Trumps auf einen Wahlsieg standen. Analysten sagen für die kommenden Tage neue Tiefstände voraus.

Fragen und Antworten: Was macht Präsident Trump?

Was wird Trump außenpolitisch tun?

Er wird sich an seinem Motto „Amerika zuerst“ orientieren. Die geopolitische Positionierung der Supermacht will er grundsätzlich ändern. Schon im April 2015 sagte er markig: „Ich möchte alles von der Welt zurück, was wir ihr gegeben haben.“ Den Sinn der Nato und den Schutz des Bündnisses will Trump neu definieren. Länder wie Deutschland, Südkorea oder Japan will er für den „Schutz“ der USA zur Kasse bitten. „Das hat sowas von Mafioso-Schutzgeld-Prinzip“, sagt Marc Redlich, Direktor des „Boston Warburg Chapter of the American Council of Germany“ in Harvard zur dpa. Temperament und Reizbarkeit des Republikaners sprächen für eine profunde Änderung des Tons zwischen den USA und dem Rest der Welt.

Wird er beim Thema illegale Einwanderung durchziehen?

Ja – ein viel härterer Umgang mit Einwanderung generell war ein roter Faden des Trump-Wahlkampfs. Das Projekt einer Mauer zu Mexiko hat er sicher hundertfach angekündigt. Auf den kompletten 3000 Kilometern Grenze soll sie stehen, zwischen gut zehn und 15 Metern hoch sein, massiv aus Stahl und „wunderschönem“ Beton. Unabhängige Analysen schätzen die Kosten auf 25 Milliarden US-Dollar und die Bauzeit auf vier Jahre. Beides macht es laut US-Medien eher wahrscheinlich, dass am Ende eine symbolische Erweiterung des bestehenden Zauns Trumps Mittel der Wahl wäre.

Und Trumps Pläne zur Deportation illegal eingereister Migranten?

Dafür wären massive Razzien nötig, in Restaurants und auf Farmen, in Fabriken und auf Baustellen. Außerdem eine immense personelle Aufstockung bei Polizei und Behörden und nicht zuletzt Beförderungsmöglichkeiten für etwa elf Millionen Menschen. Das American Action Forum, ein konservativer Washingtoner Think Tank, schätzt die Gesamtsumme auf 600 Milliarden US-Dollar. Schon deswegen wirkt eine Umsetzung nicht sehr wahrscheinlich.

Kann Trump denn eine Art Alleinherrscher werden?

Nicht ganz. Für einige Änderungen wird Präsident Trump den Kongress brauchen: In die Gesundheitsversorgung „Obamacare“ kann er ebenso wenig alleine eingreifen wie in die Steuergesetzgebung. Trump hat als Präsident die Macht, den Atom-Deal mit dem Iran neu zu verhandeln. Ebenso kann er einen Einreisebann für Muslime verhängen. Auch wenn dieser sofort unter Verweis auf Kernbestände der US-Verfassung juristisch angegriffen werden würde, mit beträchtlicher Aussicht auf Erfolg - erst einmal wären Fakten geschaffen.

Was ist mit dem umkämpften Supreme Court, dem Obersten Gericht?

Seine Besetzung wird zu den gravierendsten Änderungen unter einem Präsidenten Trump gehören. Ein Sitz ist nach dem Tod eines Richters vakant, andere Wechsel stehen aus Altersgründen an. Das Gericht hat eine Gestaltungsmacht, die es in Deutschland so nicht gibt. Abtreibung, Waffen, Gleichberechtigung, Einwanderung: Was der Supreme Court verhandelt, hat sehr oft mit der DNA der USA zu tun.

Trump hat alles versucht, rechte Zweifler davon zu überzeugen, dass er als Präsident ausschließlich Richter mit einer ultrakonservativen Agenda ernennen würde. Demokraten wie Republikaner wissen um die prägende Rolle des Gerichts sehr genau. Das Thema war im US-Wahlkampf ungleich gewichtiger als es in Europa durchdrang.

Wenn man in die USA selbst schaut, was ist dort zu erwarten?

Man weiß es nicht genau. Trump präsentierte kürzlich einen „Vertrag zwischen mir (also ihm) und dem amerikanischen Wähler“, der im Kern ein populistischer Sechs-Punkte-Plan ist. Er reicht von einer Begrenzung der Amtszeit von Kongress-Abgeordneten bis zu neuen Regelungen für politische Lobbyisten.

Wird Trump für Überraschungen gut sein?

Einerseits ja, er ist unberechenbar. Andererseits hat er immer sehr klar gemacht, was er will. „Um sich die Pläne einer Präsidentschaft Trumps auszumalen, musste man nie die eigene Vorstellungskraft bemühen“, schrieb der „New Yorker“. „Stolz hat er seine Prioritäten ausgebreitet, seine historischen Bezüge, man hat seine Instinkte unter Druck kennengelernt und kennt seine Einschätzung derjenigen, die seine Ideen in Politik umsetzen würden.“

Der „New Yorker“ kommt zum Schluss: „Angesichts einer Präsidentschaft Trumps muss die Vorstellungskraft nicht versagen, eher im Gegenteil. Nötig wäre der magische Glauben daran, dass seine Präsidentschaft irgendetwas anderes wäre als das, was seine Kampagne erschaffen hat.“

Was erwarten Begleiter, die Trump kennen?

Die „Washington Post“ hat alle Biografen Trumps nach ihren Aussichten auf eine Präsidentschaft des politischen Quereinsteigers gefragt. Antwort, unisono: Ein Präsident Trump wird tun, was der Kandidat Trump versprach. Es gebe nur diesen einen Trump. Eine verbesserte oder erweiterte Ausgabe, einen Trump 2.0, werde es nicht geben. Nie.

Wie es mit dem Peso weitergeht, werde auch an den ersten Reden und Maßnahmen Trumps hängen, sagt die Finanzexpertin Gabriela Siller, Chefanalystin beim mexikanischen Finanzinstitut Banco Base. „Die Zentralbank wird den Leitzins um mindestens 50 Basispunkte anheben müssen, um eine Kapitalflucht zu verhindern, die sich bis auf 35 Milliarden Dollar belaufen könnte“. Siller riet der Zentralbank, die Zinsen noch vor Öffnung der Märkte am Mittwoch anzuheben, um die Kapitalflucht zu bremsen. „Die Regierung wird in den kommenden Wochen und nächstes Jahr viel Geld aufwenden müssen, um den Schlag der Präsidentschaft Trumps abzumildern, betont Siller.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.11.2016, 11:36 Uhr

Und wer wird Donald for the EU?

Frau Lana Ebsel

09.11.2016, 12:09 Uhr

Medizin muss bitter schmecken, damit sie was an der Gesundheit ändern kann. Vielleicht merken jetzt alle, sich selbst als intellektuelle einstufende Zeitgeister, dass der Rausch der Gutmenschendroge zum Verlust des gesunden Menschenverstandes führt und Hochmut (auch der Medien) vor dem Fall kommt.

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