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Special

06.11.2016

07:51 Uhr

Peso-Wechselkurs als Wahlindikator

Mexiko fürchtet den „Efecto Trump“

VonKlaus Ehringfeld

Der mexikanische Peso gilt als der beste Indikator, welchen Wahlausgang die Märkte für die US-Präsidentschaftswahl erwarten – wegen der Drohungen des Kandidaten Donald Trump gegen das Land.

Präsidentschaftskandidat Donald Trump droht regelmäßig den Bau einer Mauer an der Grenze nach Mexiko an. dpa

Trump-Karikatur in Mexiko

Präsidentschaftskandidat Donald Trump droht regelmäßig den Bau einer Mauer an der Grenze nach Mexiko an.

ManaguaWer in Mexiko wissen will, wie gut die Chancen für Donald Trump stehen, nächster Präsident der USA zu werden, braucht nur einen Blick auf die Entwicklung der heimischen Währung zu werfen. Der Peso war in den vergangenen Monaten das beste Barometer für die US-Wahl. Je besser die Chancen des Immobilien-Tycoons stehen, desto schlechter steht es um die mexikanische Währung.

Und so hat der Peso in diesem Jahr eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich. Seit Januar hat er zehn Prozent gegenüber dem Greenback eingebüßt. In den vergangenen 24 Monaten beläuft sich die Abwertung sogar auf 40 Prozent. Das liegt an den eingeknickten Ölpreisen und an hausgemachten Problemen wie verkorksten Strukturreformen. Aber den größten Wertverlust verdankt der Peso dem „Efecto Trump“. Und daher geht in Mexiko die Angst vor dem Dienstag um, und Zentralbank und Regierung bereiten sich auf das Schlimmste vor: den „Perfect Storm“ eines Wahlsieges des New Yorker Populisten.

Besonders fürchtet Mexiko Korrekturen am Nordamerikanischen Freihandelsvertrag (Nafta). Er ist die mexikanische Lebensversicherung, denn 80 Prozent der Exporte des lateinamerikanischen Landes gehen so gut wie zollfrei in die USA. Mehr als die Hälfte aller Direktinvestitionen kommen aus den Vereinigten Staaten. Alle Autobauer haben riesige Fertigungen südlich des Rio Grande. Und der Manufaktursektor Mexikos hängt an der Nachfrage aus dem nördlichen Nachbarland wie am Tropf. Aber Trump hat seit Beginn des Wahlkampfes nicht nur die Mexikaner beleidigt, sondern auch Nafta als den schlimmsten aller Freihandelsverträge bezeichnet und seine Abschaffung oder mindestens eine Neuverhandlung versprochen, falls er die Wahl gewinnt. Mexiko habe den USA durch Nafta „Arbeitsplätze geraubt“, lautet ein Stereotyp Trumps.

Die wichtigsten Fakten zur Präsidentenwahl

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt ist zunächst jeder der rund 322 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind etwa 219 Millionen. Ausgenommen sind unter anderem illegale Einwanderer und Häftlinge. Ohne vorherige Registrierung aber darf man nicht abstimmen, und die Registrierung ist oft sehr kompliziert. Bis jetzt haben sich etwa 146 Millionen Amerikaner in die Wahlregister eintragen lassen. Nachdem die Beteiligung 2012 auf 58 Prozent gesunken war, sah es für 2016 lange nach einer Rekordbeteiligung aus. Das ist nun schwer zu sagen: Womöglich wollen viele Menschen nach einem extrem intensiven Wahljahr am 8. November nicht mehr wählen - oder eben erst recht. Es gibt für beide Thesen schlüssige Argumentationen.

Wer steht zur Wahl?

Die Demokratin Hillary Clinton (69) könnte als erste Frau in der US-Geschichte Präsidentin werden. Sie liegt derzeit in allen Umfragen klar vorne, sowohl landesweit als auch in den besonders umkämpften Staaten. Vizepräsident der ehemaligen First Lady und Ex-Außenministerin soll Tim Kaine werden, ein Senator aus Virginia.

Für die Republikaner tritt der New Yorker Milliardär Donald Trump an (70). Er hat bisher noch kein politisches Amt bekleidet. Sein Vizepräsident soll Mike Pence werden. Der 57-Jährige ist Gouverneur im Bundesstaat Indiana.

Welches sind die zentralen Positionen der Kandidaten?

Hillary Clinton würde einen Großteil der Politik von Amtsinhaber Barack Obama weiterführen. Sie stünde für eine weitere internationale Vernetzung der USA. Sie will gegen den Klimawandel vorgehen, die Waffenschwemme in Amerika eingrenzen und das Recht auf Abtreibung nicht beschneiden.

Donald Trump will die Außen- und Verteidigungspolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten, Motto: „Amerika zuerst“. Er will Einwanderung durch eine Mauer an der mexikanischen Grenze bekämpfen, die Gesundheitsvorsorge „Obamacare“ abschaffen, internationale Handelsabkommen kündigen und das Waffenrecht in den USA nicht antasten.

Welche Staaten sind besonders umkämpft?

Während die Demokraten an den Küsten und die Republikaner im Süden und im mittleren Westen der USA Hochburgen haben, sind die Mehrheiten vor allem in den «Battleground» oder «Swing States» relativ unsicher. Dazu gehören Florida, North Carolina, Ohio, Indiana, Missouri, North Dakota und Montana. Allerdings liegt Clinton derzeit fast überall vorne. Das gilt auch für die traditionell eher umkämpften Staaten Virginia, Pennsylvania, Colorado, New Mexico und Nevada.

Wann schließen die Wahllokale?

Die Wahl findet am Dienstag 8. November statt. Wegen mehrerer Zeitzonen in den USA schließen die Wahllokale nach deutscher Zeit zeitversetzt in der Nacht zum Mittwoch, 9. November. In Indiana und einem Teil Kentuckys können die Wähler bis 00.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) wählen. Zwischen 1.00 und 4.00 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in vielen Staaten der Ostküste, des Südens und des Mittelwestens. In Kalifornien und Oregon sowie auf Hawaii ist die Wahl um 05.00 Uhr MEZ beendet. Ganz zum Schluss kommt Alaska um 06.00 Uhr MEZ.

Wann gibt es Ergebnisse?

Mit ersten Prognosen der TV-Sender auf der Basis von Wählerbefragungen wird bereits direkt nach der Schließung der Wahllokale in den einzelnen Staaten gerechnet. Bis um 06.00 Uhr MEZ könnte es ein Ergebnis geben. 2012 meldeten US-Medien die Entscheidung für Barack Obama gegen 05.15 Uhr (MEZ).

Wie funktioniert das Wahlsystem?

Das Volk entscheidet nur indirekt über den Präsidenten. Nach der Wahl am Dienstag müssen zunächst 538 Wahlmänner aus den Bundesstaaten und dem „District of Columbia“ mit der Bundeshauptstadt Washington ihr Votum abgeben. Die Mitglieder dieses „Electoral College“ richten sich dabei nach der Entscheidung der Wähler in ihrem Bundesstaat. Mindestens 270 Wahlmänner-Stimmen sind nötig, um Präsident zu werden.

Wann beginnt die Amtszeit des neuen Präsidenten?

41 Tage nach der Wahl, das ist in diesem Jahr der 19. Dezember, wählen die Mitglieder des „Electoral College“ Präsident und Vize. Am 6. Januar 2017 zählt der Kongress aus und verkündet offiziell das Ergebnis der Wahl. Der neue Präsident legt seinen Amtseid am 20. Januar um 12.00 Uhr Ortszeit ab (18.00 Uhr MEZ).

Worüber wird noch abgestimmt?

Zeitgleich mit der Präsidentenwahl stimmen die Amerikaner über alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie über ein Drittel der 100 Sitze im Senat ab. In den Bundesstaaten werden zwölf Gouverneursposten neu vergeben. Außerdem sind 160 Volksabstimmungen in 35 Staaten bestätigt. Ihre Themen reichen von der Todesstrafe über eine Kondompflicht bis hin zur Legalisierung von Marihuana. Im Bundesstaat Colorado wird auch über die Abschaffung der Sklaverei abgestimmt, die dort noch im Gesetzbuch steht.

Diese Drohungen reichen, um die ökonomischen Parameter der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas erzittern zu lassen. Als Hillary Clinton Mitte September wegen einer Lungenentzündung vorübergehend den Wahlkampf aussetzen musste, durchbrach der Dollar kurzfristig die historische Marke von 20 Peso. Unmittelbar danach hob die Zentralbank Banxico den Leitzins auf 4,75 Prozent. Es war die vierte Erhöhung im laufenden Jahr.

Am Donnerstag wertete der Peso wieder um 0,5 Prozent auf 19,3 Peso auf, nachdem eine Umfrage Hillary Clinton für die Wahl am 8. November einen Vorsprung von zwei Prozentpunkten vorhersagte. Auch am Freitag konnte die mexikanische Währung weiter zulegen.

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