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Special

04.03.2016

04:09 Uhr

Republikaner in Aufruhr

Treibjagd auf Trump

VonFrank Wiebe, Moritz Koch

Ein dramatischer Schrecken ergreift Amerikas Konservative: die Sorge, Donald Trump könnte tatsächlich Präsident werden. Spät, vielleicht zu spät, versuchen sie, ihn mit heftigen Attacken zu stoppen.

Wall Street Exclusiv

„Trump wäre für Börsen eine mittelschwere Katastrophe"

Wall Street Exclusiv: „Trump wäre für Börsen eine mittelschwere Katastrophe"

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New YorkSo redet man normalerweise nicht unter Parteifreunden: „Schwindler“ und „Betrüger“ nannte Mitt Romney, erfolgloser Präsidentschaftskandidat von 2012, Donald Trump, den bisher erfolgreichsten Kandidaten der Republikaner 2016.

„Wenn wir ihn nominieren, trübt das die Aussichten auf eine sichere und gedeihliche Zukunft dramatisch ein“, setzte er hinzu und betonte, der New Yorker habe seinen Reichtum geerbt und nicht erarbeitet, er sei keineswegs ein „geschäftliches Genie“. Er rief offen dazu auf, Trump zu stoppen. Der reagierte gleich und erinnerte Romney an seine eigene Niederlage vor vier Jahren. Er setze hinzu: „Ich habe so viel mehr Geld als Mitt verdient.“

Romney ist bisher einer der prominentesten und schärfsten Konservativen, die sich plötzlich zu Wort melden. John McCain, ebenfalls ein ehemaliger Kandidat, sprang ihm zur Seite und nannte Trump „uninformiert und in der Tat gefährlich“. Aber ob das Trump wirklich bremst? Unter einem Bericht des „Wall Street Journals“ über Romneys Attacke fanden sich am Donnerstag in den Abendstunden bereits mehr als 3000 Kommentare. Wie ein flüchtiges Querlesen zeigt: Fast alle dieser Leser sind für Trump. Genüsslich erinnern sie Romney daran, dass er selber gescheitert ist.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

„Wegen Romney hatten wir vier Jahre länger Obama“ klagt ein Leser. Ein anderer befand, gute Ratschläge zur Wahl von Romney seien so überzeugend wie Diät-Rezepte vom übergewichtigen, gerade ausgeschiedenen Kandidaten Chris Christie. Eher die Ausnahme ist ein Kommentar wie: „Ich war immer ein Konservativer, aber wenn ich heute zwischen Trump und Clinton wählen müsste, würde ich wohl für Clinton stimmen. Das ist die traurige Wahrheit.“

US-Republikaner: Ex-Kandidat Romney will Trump unbedingt verhindern

US-Republikaner

Ex-Kandidat Romney will Trump unbedingt verhindern

Sollte Donald Trump für die Republikaner ins Rennen um die US-Präsidentschaft gehen, fürchtet Mitt Romney um die Zukunft des Landes. Vor Studenten nennt er den Milliardär einen „Schwindler“. Trump reagiert umgehend.

Romney ist der Frontmann einer konzertierten Anti-Trump-Aktion des republikanischen Establishments. Sie alle treibt die Sorge um, Trump könnte tatsächlich Präsident der USA werden. Sie verabscheuen seine Hetze gegen Minderheiten und fürchten auch, dass seine populistische Politik den Interessen – nicht zuletzt auch den Unternehmen – der USA schadet.

Denn Trumps Vorschläge, Amerika gegen Zuwanderung und Importe aus Fernost zu schützen, haben nichts mit der freien Marktwirtschaft zu tun, für die die konservativen Geschäftsleute des Landes einstehen. Wayne Berman von der Blackstone Group, ein bekennender Konservativer und Unterstützer von Marco Rubio, fand neulich auf einer Veranstaltung nur abfällige Worte für Trump, dagegen billigte er Hillary Clinton von den gegnerischen Demokraten immerhin zu, „extrem effizient“ zu sein.

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