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Special

22.06.2016

19:35 Uhr

Trump im Tief

Geldsorgen eines Milliardärs

Wer Donald Trump nicht mag, der wittert Hoffnung: Seine Kampagne hat gravierende Finanzprobleme. Kann den Milliardär die leere Kriegskasse im US-Präsidentschaftswahlkampf stoppen?

„Unbegrenzte Mittel“ stünden zur Verfügung, lässt Donald Trump wissen. Falls er sein eigenes Geld einsetzte. AP

Donald Trump

„Unbegrenzte Mittel“ stünden zur Verfügung, lässt Donald Trump wissen. Falls er sein eigenes Geld einsetzte.

WashingtonEin Milliardär mit Problemen im Cashflow, das hat etwas. Donald Trump, der schier Unaufhaltsame, ist in Turbulenzen. Die Umfragen schlecht, die Partei weiter maulig, den Kampagnenmanager gefeuert, und nun auch noch Berichte über schwere Finanzprobleme seines Wahlkampfs. Nie stand jemand, der US-Präsident werden will, in einem Sommer vor der Wahl finanziell schlechter da als Trump.

Warum ist das so, und was bedeutet es, 20 Wochen vor dem Wahltermin?

Die Zahlen sind öffentlich. Trump hat nur noch 1,3 Millionen US-Dollar in der Kriegskasse, Hillary Clinton satte 42,5. Hillary hat einen riesigen Spendenapparat aufgebaut, ihre Fundraiser sind Legion. Trump vertraute 2016 vor allem darauf, dass er für den Wahlkampf wenig bis gar nichts ausgeben muss: Die Medien übertrügen ihn eh 1:1, wozu da noch Anzeigen, und den Rest der Botschaften schießt er eigenhändig per Twitter unters Volk.

Clinton versus Trump: Ein Vergleich der Kandidaten

Die Kandidaten

Trump gegen Clinton. Das wird wohl das Duell bei den US-Präsidentschaftswahl am 8. November. So unterschiedlich der republikanische Milliardär mit der Tolle und die demokratische Politveteranin mit der Betonfrisur sind – es gibt auch Parallelen bei den beiden designierten Spitzenkandidaten. Hier ein Vergleich.
(Quelle: AP)

Der Weg zur Nominierung

Die Demokratin Hillary Clinton schien als Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei zu Beginn quasi gesetzt. Die ehemalige First Lady, ehemalige Senatorin und ehemalige Außenministerin hatte ihre Bewerbung generalstabsmäßig vorbereitet – und im Frühjahr 2015 war niemand mit annähernd ähnlicher Erfahrung erkennbar. Der linke Außenseiter Bernie Sanders brachte Clinton dann doch in erstaunliche Bedrängnis, konnte sie aber nicht stoppen.
Bei den Republikanern war es umgekehrt: Der rechte Außenseiter und Politikneuling Donald Trump hatte 16 Gegenkandidaten, von denen die meisten viel mehr politische Erfahrung haben als er. Anfangs schien der Immobilienunternehmer mit seinen Verbalattacken gegen Migranten, Frauen und Muslime unwählbar. Am Ende hatte er dennoch alle Rivalen aus dem Rennen geschlagen.

Das Profil

Clinton setzt also auf ihre Erfahrung als lang gediente Staatsfrau, die sowohl das Weiße Haus und die Regierungsgeschäfte als auch den Kongress aus eigener Anschauung kennt. Trump positioniert sich als klüngelfremder Aufräumer gezielt gegen den Washingtoner Politikbetrieb und führt seine Karriere als Geschäftsmann als Qualifikation ins Feld.

Die Politik

Clinton steht für Mitte und Mäßigung – im Sinne der Wählbarkeit für verschiedene Bevölkerungsgruppen, vor allem auch Frauen und Minderheiten. Und sie steht nach dem Parteikollegen Barack Obama für Kontinuität im Weißen Haus, mit etwas anderen Akzenten in der Außen- und Handelspolitik. Auch Trump zielt auf die Mitte, in seinem Fall aber fast ausschließlich auf die weiße Mittelschicht. Statt Kontinuität will er nach Obama die Kehrtwende: weniger Zuwanderung, weniger Klimaschutz, mehr militärische Stärke.

Das Habenkonto

Trump hat im Vorwahlkampf Millionen von Amerikanern begeistert, die ihm zutrauen, das Land voranzubringen. Er trifft mit seinen Themen Wirtschaftsflaute, Fremdenangst und Furcht vor dem Niedergang der USA einen Nerv und hat im Vorwahlkampf die Schlagzeilen dominiert, auch mit seinen gezielten Provokationen.
Clinton hat in der eigenen Partei ebenfalls Millionen Stimmen gesammelt, deutlich mehr als ihr innerparteilicher Rivale Sanders. Sie gilt als politisch berechenbar und in der Welt geachtet. Und sie pocht auf ihre historische Rolle als erste Frau, die jemals Spitzenkandidatin bei Demokraten oder Republikanern wurde.

Die Minuspunkte

Clinton schleppt diverse Altlasten aus ihrer langen Karriere mit sich herum. Darunter sind politische Entscheidungen wie der Umgang der damaligen Außenministerin mit dem Angriff auf den US-Botschafter in Libyen 2012, aber auch persönliche wie die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers für Dienstliches und die üppig dotierten Auftritte als Rednerin vor Bankern und Unternehmern. In der E-Mail-Affäre ermittelt auch die Bundespolizei FBI, so dass strafrechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen sind.
Trump wird ebenfalls von Problemen aus der Vergangenheit eingeholt. Thema waren bereits seine Firmenpleiten und die zweifelhafte Wahl seiner früheren Geschäftspartner, vor allem aber der Rechtsstreit um seine sogenannte Trump University. Ehemalige Studenten des inzwischen aufgelösten Instituts haben Trump wegen Abzocke verklagt. Der wiederum attackierte den Richter in dem Verfahren wegen seiner mexikanischen Wurzeln und zog damit erneut heftige Kritik auf sich.

Das schwache Fundament

Beiden Kandidaten fehlt der starke Rückhalt in der eigenen Partei. Trump traf bei vielen führenden Republikanern zunächst auf offenen Widerstand, bis sie sich nach seinen Vorwahlerfolgen ins Unausweichliche seiner Kandidatur fügten. Zuletzt gingen sie wegen der Verbalattacken gegen den Richter, dem Trump Voreingenommenheit unterstellte, erneut auf Distanz. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, unterstellte dem eigenen Spitzenkandidaten Rassismus und distanzierte sich „völlig von diesen Aussagen“.
Clinton ist bei den Mächtigen ihrer Partei besser vernetzt: Die designierte Spitzenkandidatin hat die Unterstützung der meisten sogenannten Superdelegierten, also hoher Parteifunktionäre, die beim Nominierungsparteitag mitstimmen dürfen. Doch an der Basis fühlen sich viele Demokraten eher von Sanders als von Clinton inspiriert. Und etliche in der Partei sind nervös wegen Clintons politischer Altlasten.

Die Umfragen

Mehrere Umfragen weisen derzeit einen Vorsprung Clintons vor Trump aus. Trump selbst führt aber auch Erhebungen an, die ihn vorne sehen. Letztlich sind die Zahlen derzeit wenig aussagekräftig, denn erst im Hauptwahlkampf werden die Kandidaten von den Medien in extenso ausgeleuchtet. Erst dann müssen sie auch konkrete politische Positionen beziehen.

Seine Reaktion auf die neuen Zahlen ist gewohnt volltönend. „Unbegrenzte Mittel“ stünden zur Verfügung, lässt er wissen, falls er sein eigenes Geld einsetzte. Im Übrigen machten die Summen auch klar, dass seine Kampagne eben schlanker und effizienter sei, so solle ja auch seine Regierung sein, und überhaupt gebe es seit Anfang Juni einen „gewaltigen Erguss“ an Unterstützung.

In US-Wahlkämpfen werden mittlere zweistellige Milliardenbeträge umgesetzt. Für maschinenartige Organisationen, für Anzeigen und alle Formen von Kampagnen. Nun ist 2016 aber alles anders, und viel bringt nicht immer viel, auch die Rolle des Geldes ist vielleicht eine andere, siehe Jeb Bush: 130 Millionen hat der Sohn und Bruder früherer Präsidenten für seine dynastisch geplante Kandidatur verbraten, dann stieg er so erschöpft wie sang- und klanglos aus.

Trump vertraut auf seine kommunikative Urgewalt. Auf seine riesigen Veranstaltungen. Parteistrukturen und Wählerdaten sind ihm ein Gräuel. Einen Apparat hat er kaum, sein Team ist nicht mal 70 Menschen stark, Hillarys den Faktor zehn größer. Kann das gut gehen für die Republikaner? Hillary hat sich längst eingegraben in den so genannten Battleground-States, den wenigen nicht schon festgelegten Bundesstaaten, die wirklich über die Wahl entscheiden werden.

Dort, in Ohio oder Pennsylvania, Ohio oder Florida, sind längst zigfach Anzeigen geschaltet, Wahlkämpfer unterwegs, und dafür braucht es viel Geld. Allerdings ist vom Team Trump dort noch kaum etwas zu sehen. Anzeigen für den Sommer oder den Herbst? Keine gebucht. Wie wichtig werden diese eher traditionellen Formen im Kampf über Meinungshoheit und Wählerwillen am Ende sein?

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