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Special

27.09.2016

06:47 Uhr

Trump strauchelt im ersten TV-Duell

Punktsieg für Hillary Clinton

VonMoritz Koch

Im ersten TV-Duell des amerikanischen Hauptwahlkampfs gerät Donald Trump unter Druck. Der Republikaner vertraut seinen Instinkten – und überdreht. Damit läuft der Hitzkopf seiner Rivalin Hillary Clinton in die Falle.

Clinton vs. Trump

Harter Schlagabtausch beim Fernsehduell

Clinton vs. Trump: Harter Schlagabtausch beim Fernsehduell

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New YorkKaum haben Hillary Clinton und Donald Trump ihre Podien verlassen, sich kurz die Hand gereicht, beginnt schon der Kampf um die Deutungshoheit. Die Spin-Doktoren – PR-Berater, die für den richtigen Dreh in den Medien sorgen sollen – strömen in die Fernsehstudios, eilen hinüber ins Pressezentrum, um für ihre Kandidaten zu trommeln. Trump schaut sogar persönlich bei den Journalisten vorbei, seinen Beratertross im Schlepptau.

Gleich nach der 90-minütigen Fernsehdebatte auf dem Campus der Hofstra Universität in der Nähe von New York beginnt der nächste Schlagabtausch, der Wahlkampf ist noch lange nicht vorbei.

Weder Clinton noch Trump gelingt es an diesem Abend, einen vorentscheidenden K.O.-Schlag zu landen. Doch insgesamt wirkt die demokratische Präsidentschaftskandidatin souveräner, sie erringt einen Punktsieg, den sie dringend gebraucht hat. Vor dem Duell herrschte Gleichstand in den Umfragen. Clintons Vorsprung ist geschmolzen, in den entscheidenden Bundesstaaten liegen die Kandidaten praktisch auf gleicher Höhe. Der Impuls, der von diesem Abend ausgeht, könnte ihr in der Schlussphase des Wahlkampfs neuen Auftrieb geben.

Stärken, Schwächen, Höhepunkte: Die TV-Debatte in Stichpunkten

Das Auftreten

Trump trat so auf, wie es sich das Clinton-Lager vermutlich erhoffte - als Donald Trump. Impulsiv, überraschend nervös, ungeduldig. Nicht präsidentiell. Clinton gelang es, ihn zu provozieren.

Clintons Lächeln

Manchmal konnte sie kaum an sich halten, schien sich auf die Antwort richtiggehend zu freuen, strahlte über das ganze Gesicht. Das kann auch gefährlich sein, überheblich wirken.

Vertauschte Farbenlehre

Clinton im lauten Rot, Trump mit blauer Krawatte - die Wetten vor dem Duell gingen fest davon aus, dass Clinton im demokratischen Blau aufträte und Trump das Rot der Republikaner trüge. Die erste Überraschung, wenn auch nur sehr äußerlich.

Wo ist Obama geboren?

Trump wollte oder konnte keine klare Antwort geben, das jahrelang gestreute und von ihm verbreitete Gerücht der „Birther“ über einen angeblichen Geburtsort Obamas außerhalb der USA nicht aus der Welt räumen. Seine Antwort ergab keinen Sinn.

Der Irak

Dass Trump nochmals behauptete, er sei nie für einen Krieg der USA im Irak gewesen, macht es nicht richtiger. Er hat ihn nachweislich zunächst unterstützt.

Unterbrechungen

Der Blog „538“ hat mitgezählt - 27 zu 5. Demnach unterbrach Trump seine Konkurrentin 27 Mal kurz oder vollständig, sie ihn nur fünfmal. Sie war bemerkenswert zurückhaltend, ließ Trump als Trump wirken. „Vox.com“ zählte, dass Clinton insgesamt von Trump und dem Moderator 70 Mal unterbrochen wurde, Trump nur 47 Mal.

Der Moderator

Ein wechselvoller Abend. Starke Momente, wenn er Trump in Sachen Irakkrieg oder Obamas Geburtsurkunde auf den Zahl fühlte, „fact checking“ betrieb. Ließ die Debatte aber auch sehr laufen, war manchmal unsichtbar, bekam dafür Lob und Kritik.

Trumps Steuererklärung

Anders als alle Kandidaten seit Jahrzehnten will er sie nach wie vor für sich behalten. Warum, konnte er nicht überzeugend begründen.

Das Repertoire

Wirkte auf beiden Seiten irgendwie bekannt. Viele Zitate waren nicht neu, die Themen oft besprochen, Positionen bekannt. Neue Anstöße, Überraschendes, Originelles präsentierten Clinton und Trump nicht.

Im Netz

Top-Moment auf Facebook war Trumps Selbstlob für sein besonders gutes, ausgeglichenes Naturell.

Der Handschlag

Würden sich die beiden, die sich seit Monaten so hart angehen, überhaupt die Hände reichen? Ja. Sogar zweimal, vorher und nachher. Trump tätschelte Clinton zum Schluss sogar den Rücken.

Der Schlusssatz

„Ich werde das Ergebnis dieser Wahl auf jeden Fall mittragen“, sagte Clinton. Und Trump findet, nach einer gewundenen Antwort, diese überraschenden Worte: „Wenn sie gewinnt, werde ich sie uneingeschränkt unterstützen.“

Für den Entertainer Trump ist es ein neues Format, die erste Eins-Gegen-Eins-Situation im Kampf um den Einzug ins Weiße Haus. Zwar hat er im Vorwahlkampf viele Debatten bestritten, aber mit so vielen Kontrahenten zugleich, dass er zwischendurch immer wieder abtauchen konnte. Nun musste er sich erstmals einem Duell stellen. Der Bildschirm ist zweigeteilt. Die Kamera lässt die Kontrahenten für eineinhalb Stunden nicht aus dem Blick.

Trump baut sich hinter seinem Podium auf, zieht eine finstere Miene auf, den Kopf angewinkelt beäugt er Clinton. Er spitzt die Lippen, schneidet Grimassen, greift immer wieder nach seinem Wasserglas. Trump kommentiert fast jede Äußerung seiner Rivalin, fällt ihr immer wieder ins Wort. Dabei wirkt er fahrig, ungewöhnlich angespannt.

CNN-Blitzumfrage: Nicht mal jeder Dritte sieht Trump als Sieger

CNN-Blitzumfrage

Nicht mal jeder Dritte sieht Trump als Sieger

Politprofi Hillary Clinton hat beim ersten TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten ihren Kontrahenten Donald Trump auf Distanz halten können. Eine erste Blitzumfrage des Senders CNN sah Clinton mit 62 Prozent vorn.

Clinton tut das Gegenteil. Sie steht still, lässt Trump ausreden. Sie will überlegt und überlegen wirken. Ihn ins Messer laufen lassen. Doch zumindest anfangs lädt sie Trump damit zu Angriffen ein. Der nutzt die Chance, die Clintons Strategie des Abwartens eröffnet. Er dreht die Debatte auf den Freihandel, sein Lieblingsthema – und Clintons Schwachstelle.

Trump macht den Freihandel für Jobverluste und Standortschließungen verantwortlich. Der Berufspolitikerin Clinton wirft er vor, sie habe diese Politik 30 Jahre lang befördert, die Probleme der schwindenden Mittelschicht nicht gelöst. Aber bald darauf überdreht der Republikaner. Statt sich auf Clinton zu fokussieren, verliert er mit Seitenhieben auf Präsident Barack Obama, Notenbank-Chefin Janet Yellen und die „New York Times“ den Faden.

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