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Special

12.08.2016

11:17 Uhr

Trump über mögliche Niederlage

„Dann habe ich einen schönen langen Urlaub“

Ein langer Urlaub und eine „sehr gute Lebensweise“: Bei einer Wahlniederlage würde der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump weich fallen – behauptet er zumindest selbst. Das wird immer wahrscheinlicher.

Hat Trump sich innerlich inzwischen von der Möglichkeit eines Wahlsiegs verabschiedet? AP

Adieu, Präsidentschaft!

Hat Trump sich innerlich inzwischen von der Möglichkeit eines Wahlsiegs verabschiedet?

Englewood Cliffs, DüsseldorfHört man dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump bei Wahlkampfveranstaltungen zu, scheint es oft, als wäre niemand so sehr von einem Wahlsieg im November überzeugt wie er selbst. Doch angesichts der jüngsten Skandale, etwa um seine Aussagen über einen verstorbenen US-Kriegshelden muslimischen Glaubens oder seine vagen Andeutungen zum Thema Waffenbesitz, sinken die Trumps Chancen auf das Präsidentenamt. Auch das Selbstbewusstsein des Kandidaten scheint zu bröckeln.

In einem TV-Interview hat sich der Milliardär am Donnerstag jetzt nahezu gleichgültig über eine mögliche Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl geäußert. „Letztlich wird es entweder klappen, oder ich habe einen sehr, sehr schönen, langen Urlaub“, sagte der Kandidat der Republikaner gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC. Er mache nichts Anderes, als die Wahrheit zu erzählen. Falls es für ihn am Ende aus Gründen der politischen Korrektheit nicht reiche, sei das in Ordnung, erklärte Trump weiter. „Dann kehre ich zu einer sehr guten Lebensweise zurück.“

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Trumps Umfragewerte sind in den vergangenen Wochen deutlich gesunken, derzeit sehen Umfragen ihn fast zehn Prozent hinter Clinton. Kein Wunder: Zuletzt sorgte er beinahe täglich mit provokanten Äußerungen für Wirbel. Am Mittwoch bezeichnete er den US-Präsidenten Barack Obama und die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, als Gründer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Innerhalb seiner Partei formiert sich deshalb immer mehr Widerstand gegen ihn: Zuletzt gründeten enttäuschte Republikaner die Initiative „Republicans4Clinton“ und versuchten, mit dem Gegenkandidaten und Ex-CIA-Experten Evan McMullin Trumps Kandidatur zu torpedieren. Eine reelle Chance hat er zwar nicht, doch der Mormone könnte Trump bei der Wahl gefährlich werden, wenn er die Wahl im Mormonenstaat Utah gewinnt – in dem Fall hätte Trump vermutlich nicht mehr genug Staaten auf seiner Seite, um die Wahl zu gewinnen. Angesichts dessen scheint Trumps neugewachsene Demut womöglich ganz angebracht.

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