Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

27.09.2016

11:05 Uhr

TV-Duell – ein Stimmungsbericht

Ein Albtraum für Unentschlossene

VonDana Heide

TV-Duell mit bayrischen Fahnen: Am Schauplatz von „Oktoberfest – The Musical“ in Los Angeles zeigt die Uni der kalifornischen Metropole die Debatte zwischen Clinton und Trump. Ein Abend voller Streit und Enttäuschung.

Nicht nur in Los Angeles haben viele US-Bürger die Debatte gemeinsam im TV verfolgt. AFP; Files; Francois Guillot

Duell auf dem Bildschirm

Nicht nur in Los Angeles haben viele US-Bürger die Debatte gemeinsam im TV verfolgt.

Los AngelesEin Theater in Los Angeles: An normalen Abenden wird hier derzeit das Stück „Oktoberfest – The Musical“ aufgeführt. Nicht so an diesem Montagabend, 18 Uhr Ortszeit. Da sitzen auf den Bierbänken, umgeben von blau-weiß-karierten Hofbräuhaus-Fahnen, rund 100 Zuschauer, darunter viele Studenten. Auf Einladung der University of California (UCLA) verfolgen sie die erste Fernsehdebatte der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton.

Am Ende wird jedoch alles beim Alten bleiben: Diejenigen, die Clinton wählen wollten, wollen sie immer noch wählen, diejenigen, die für ihren republikanischen Herausforderer Trump stimmen wollten, halten weiterhin an ihm fest. Und die Unentschiedenen? Wissen immer noch nicht, für wen sie stimmen sollen.

Stärken, Schwächen, Höhepunkte: Die TV-Debatte in Stichpunkten

Das Auftreten

Trump trat so auf, wie es sich das Clinton-Lager vermutlich erhoffte - als Donald Trump. Impulsiv, überraschend nervös, ungeduldig. Nicht präsidentiell. Clinton gelang es, ihn zu provozieren.

Clintons Lächeln

Manchmal konnte sie kaum an sich halten, schien sich auf die Antwort richtiggehend zu freuen, strahlte über das ganze Gesicht. Das kann auch gefährlich sein, überheblich wirken.

Vertauschte Farbenlehre

Clinton im lauten Rot, Trump mit blauer Krawatte - die Wetten vor dem Duell gingen fest davon aus, dass Clinton im demokratischen Blau aufträte und Trump das Rot der Republikaner trüge. Die erste Überraschung, wenn auch nur sehr äußerlich.

Wo ist Obama geboren?

Trump wollte oder konnte keine klare Antwort geben, das jahrelang gestreute und von ihm verbreitete Gerücht der „Birther“ über einen angeblichen Geburtsort Obamas außerhalb der USA nicht aus der Welt räumen. Seine Antwort ergab keinen Sinn.

Der Irak

Dass Trump nochmals behauptete, er sei nie für einen Krieg der USA im Irak gewesen, macht es nicht richtiger. Er hat ihn nachweislich zunächst unterstützt.

Unterbrechungen

Der Blog „538“ hat mitgezählt - 27 zu 5. Demnach unterbrach Trump seine Konkurrentin 27 Mal kurz oder vollständig, sie ihn nur fünfmal. Sie war bemerkenswert zurückhaltend, ließ Trump als Trump wirken. „Vox.com“ zählte, dass Clinton insgesamt von Trump und dem Moderator 70 Mal unterbrochen wurde, Trump nur 47 Mal.

Der Moderator

Ein wechselvoller Abend. Starke Momente, wenn er Trump in Sachen Irakkrieg oder Obamas Geburtsurkunde auf den Zahl fühlte, „fact checking“ betrieb. Ließ die Debatte aber auch sehr laufen, war manchmal unsichtbar, bekam dafür Lob und Kritik.

Trumps Steuererklärung

Anders als alle Kandidaten seit Jahrzehnten will er sie nach wie vor für sich behalten. Warum, konnte er nicht überzeugend begründen.

Das Repertoire

Wirkte auf beiden Seiten irgendwie bekannt. Viele Zitate waren nicht neu, die Themen oft besprochen, Positionen bekannt. Neue Anstöße, Überraschendes, Originelles präsentierten Clinton und Trump nicht.

Im Netz

Top-Moment auf Facebook war Trumps Selbstlob für sein besonders gutes, ausgeglichenes Naturell.

Der Handschlag

Würden sich die beiden, die sich seit Monaten so hart angehen, überhaupt die Hände reichen? Ja. Sogar zweimal, vorher und nachher. Trump tätschelte Clinton zum Schluss sogar den Rücken.

Der Schlusssatz

„Ich werde das Ergebnis dieser Wahl auf jeden Fall mittragen“, sagte Clinton. Und Trump findet, nach einer gewundenen Antwort, diese überraschenden Worte: „Wenn sie gewinnt, werde ich sie uneingeschränkt unterstützen.“

Die meisten Zuschauer in Los Angeles sind während der Debatte sehr engagiert, fiebern mit. Sie bestehen etwa zur Hälfte aus Trump- und Clinton-Unterstützern, aber es gibt auch einige Unentschlossene. Clinton erntet viel Applaus und Lacher, etwa als sie Trump mehrfach attackiert: „Donald, I know you live in your own reality“ – „Donald ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität“. Oder als sie ihm vorwirft, dass er den Klimawandel als „Schwindel der Chinesen“ darstelle. Dafür haben die Wähler in einem US-Bundesstaat, der im fünften Jahr einer verheerenden Dürreperiode steckt, kein Verständnis.

Wo in Los Angeles derzeit „Oktoberfest – The Musical“ gab es am Montagabend große Politik. Dana Heide

Duell mit bayrischen Fahnen

Wo in Los Angeles derzeit „Oktoberfest – The Musical“ gab es am Montagabend große Politik.

Auch Trump kann in Los Angeles ein paar Mal punkten, etwa als er sagt, dass es endlich an der Zeit sei, „dass dieses Land von jemanden geführt wird, der etwas von Geld versteht“. Oder als er verspricht, Zehntausende Jobs nach Amerika zurückzuholen. Anders als Clinton erntet er aber auch Buh-Rufe. Es kommt im Publikum nicht gut an, als er sagt: Die Gangs und Verbrecher, die durch die Straßen streifen, seien „in vielen Fällen illegale Immigranten“.

Jimmy Kelly, ein Drehbuchschreiber aus Los Angeles, zeigt sich am Ende zufrieden mit Clintons Performance auf der Bühne. Er will am 8. November für sie stimmen. „Ich denke, dass Hillary die bestqualifizierteste Kandidatin für das Präsidentenamt in der Geschichte Amerikas ist“, sagt der 30-Jährige. Jacob Ellenhorn, ein 21-jähriger Jura-Student an der University of Southern California, fühlt sich hingegen darin bestätigt, für Trump zu stimmen. „Er spricht für den normalen Amerikaner“, findet er.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Tom Schmidt

27.09.2016, 11:18 Uhr

Hallo Frau Heide,

ich finde Ihren Artikel zu seicht, ein Journalist sollte immer mit gutem Grundlagenwissen einen Artikel schreiben. Nur mal so als Beispiel: es heisst weiß-blau! Nicht blau-weiß!

Wenn man die eigene Umgebung schon nicht kennt, wie kann man dann über die USA schreiben? Und da ist das entscheidende, dass bei den TV-Duellen zwar alle mit dabei sind und mitreden, aber entscheidend ist, was die registrierten Wähler denken (plus geographische Verteilung)! Der Rest hat vielleicht eine Meinung, aber das hat keine Auswirkung!

Account gelöscht!

27.09.2016, 12:08 Uhr

Herr Schmidt,

vielleicht war die Blau-Weiße Fahne von der Wies'n gemeint.

Herr Helmut Metz

27.09.2016, 12:19 Uhr

Lustig: da wird darum gestritten, wer die besten Argumente hatte, der nächste politische Oberhansel bzw. die nächste politische Oberhänselin der USA zu werden.
Und alle streiten schön mit. ;-)
Als überzeugter VOLUNTARIST (bzw. Anarchokapitalist) bin ich allerdings längst über diesen Kindergarten hinaus, mich durch ZWANG BEHERRSCHEN lassen zu wollen.
Das ist es nämlich, was letztendlich ALLE Machthaber respektive Regierungen eines Staates tun: ihre Untertanen unter Androhung von staatlichem Zwang beherrschen.
Meine Schnell-Analyse zum "TV-Duell": Clinton will als künftige Obermackerin deutlich MEHR Staat, Trump will als künftiger Obermacker etwas WENIGER Staat. HERRSCHEN wollen sie jedoch beide.
Deshalb kann man als Individuum letztlich auch immer nur von Staat zu Staat flüchten, aber nicht vom Staat in die Freiheit...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×