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Special

27.09.2016

05:07 Uhr

TV-Duell in den USA

Trump wirkt aggressiv und atemlos

Von der E-Mail-Affäre bis zum Atomabkommen: Die US-Präsidentschaftskandidaten lieferten sich beim ersten von drei TV-Duellen einen heftigen Schlagabtausch. Trump wirkte oft ziellos, Clinton gab sich souverän.

Clinton vs. Trump

Harter Schlagabtausch beim Fernsehduell

Clinton vs. Trump: Harter Schlagabtausch beim Fernsehduell

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HempsteadHillary Clinton und Donald Trump haben sich im Rennen um das Weiße Haus ein höchst engagiertes und hart geführtes TV-Duell geliefert. Trump wirkte teils aggressiv und oft atemlos, Clinton gab sich meist gelassen und versuchte, mit Argumenten zu überzeugen. Beide gerieten unter anderem bei Themen wie internationaler Handel und bei der Integration der afroamerikanischen Minderheit aneinander.

Trump lobte sich in einem Teil der Debatte selbst. „Ich habe die deutlich bessere Urteilsfähigkeit als sie“, sagte er. „Sie sieht nicht wie eine Präsidentin aus, sie hat nicht die Ausdauer dazu.“ Die „Washington Post“ bezeichnete Trump in Teilen der Debatte als „ziellos“.

„Die ungleiche Behandlung von Schwarzen und Weißen ist nach Ansicht von Clinton nach wie vor eines der größten Probleme der USA. „Wir müssen das Vertrauen zwischen den Kommunen und der Polizei wiederherstellen“, sagte sie in der TV-Debatte.

Entgleiste Gesichtszüge und unhöfliche Fingerzeige

1960

Die mehr als 50-jährige Geschichte der TV-Debatten in den USA liefert zahlreiche Beispiele, wie Kandidaten mit zielsicheren Pointen punkteten – oder sich mit misslungener Mimik selbst ein Bein stellten. Von einer Grippe geschwächt und mit Bartschatten im Gesicht wirkt Vizepräsident Richard Nixon 1960 in seiner ersten Fernsehdebatte düster und ausgezehrt – ein scharfer Kontrast zu dem gutaussehenden und dynamischen Senator John F. Kennedy. Nixon kann den schlechten Eindruck später nicht mehr korrigieren und verliert die Wahl.

1976

Präsident Gerald Ford verblüfft die Nation mit seiner Bemerkung, dass es „keine sowjetische Dominanz über Osteuropa“ gebe – eine fragwürdige Aussage zur Zeit des Kalten Krieges. Für seine Wahlniederlage gegen Jimmy Carter machen Experten allerdings eher die Nachwehen der Watergate-Affäre verantwortlich.

1980

Herausforderer Ronald Reagan gewinnt in einem bis dahin knappen Rennen gegen Carter die Oberhand, indem er zum Schluss des Duells die pointierte rhetorische Frage an die Wähler stellt: „Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren?“ Damit trifft er angesichts von Konjunkturkrise und Inflation genau ins Schwarze. Carter verliert.

1984

Präsident Reagan nimmt den Anspielungen auf sein hohes Alter die Spitze, indem er in der Debatte mit Walter Mondale ironisch bemerkt: „Ich werde Altersfragen in dieser Kampagne nicht thematisieren. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Opponenten nicht politisch ausschlachten.“

1988

Michael Dukakis wird in seiner Debatte mit George Bush senior vom Moderator mit der Frage konfrontiert, ob er den Tod des Täters wünschen würde, sollte seine Frau vergewaltigt und ermordet werden. Dukakis gibt daraufhin ein trockenes Statement gegen die Todesstrafe ab, das wie abgelesen wirkt – und bestätigt damit sein Image als „Mann aus Eis“. Er verliert die Wahl.

1992

Präsident Bush senior lässt während der Fernsehdebatte die Wähler seine Ungeduld spüren, indem er auf seine Armbanduhr schaut. Dies verstärkt den Eindruck, Bush sei ein arroganter Reicher, der sich wenig um die Probleme der kleinen Leute schert. Der Rivale Bill Clinton gewinnt die Wahl vor allem mit dem Versprechen, die US-Wirtschaft wieder fit zu machen.

2000

Mit Kopfschütteln und wiederholtem Seufzen wirkt Vizepräsident Al Gore im ersten TV-Duell mit George W. Bush herablassend. Bei den folgenden Debatten versucht Gore, mehr zu lächeln – doch den Ruf eines arroganten Intellektuellen wird er nicht mehr los.

2004

Diesmal hat George W. Bush sein Mienenspiel nicht im Griff und wirkt im Vergleich zu seinem Gegner John Kerry gestresst und reizbar. Bush gerät ins Stocken, blickt finster und verwechselt Osama bin Laden und Saddam Hussein. Bei der zweiten Debatte eine Woche später bemüht er sich um mehr Lockerheit. „Jetzt gucke ich aber wirklich gleich finster“, scherzt er in Erwiderung auf Kerrys Antworten.

2008

John McCain macht einen wenig sympathischen Eindruck, als er mit dem Finger auf Barack Obama zeigt und ihn als „That One“ („dieser da“) tituliert, statt ihn beim Namen zu nennen. Obamas Demokraten drehen den Spieß um und verwandeln die abschätzige Aussage nach der Debatte in einen Wahlkampfslogan. Im Internet verkaufen sie T-Shirts und Aufkleber mit dem Schriftzug „That one“.

2012

Im ersten TV-Duell mit seinem Herausforderer Mitt Romney gibt Obama keine gute Figur ab und erhält viel Schelte, weil er zu defensiv war. In den nächsten beiden Debatten macht er seinen Fehler aber wieder wett und verwandelt treffsicher eine Steilvorlage Romneys: Der erfolgreiche Geschäftsmann hatte sich abfällig über „47“ Prozent der Wähler geäußert, die sich als „Opfer“ betrachteten – Obama fällt es daraufhin nicht schwer, seinen Rivalen als kalten Finanzhai dastehen zu lassen. (Quelle: afp)

Jeder müsse sich an das Gesetz halten. „Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten“, betonte sie. Donald Trump sagte, Amerika brauche mehr „law and order“, Recht und Ordnung. Clinton wolle diese Wörter nicht einmal benutzen.

Die frühere Außenministerin setzte sich für eine härtere Gangart im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein. „Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren“, sagte sie. „Wir müssen auch Bagdadi jagen“, sagte sie über den Anführer der Terrormiliz, Abu Bakr al-Bagdadi. Trump warf der Administration von US-Präsident Barack Obama schwere Fehler vor und wiederholte seine Darstellung, die USA hätten die Ölquellen des Iraks besetzen müssen, um sie vor dem IS zu schützen.

Trump widersprach der Darstellung Clintons, er werde als Sicherheitsrisiko angesehen und für nicht tauglich gehalten, die Rolle des Oberkommandierenden der US-Armee zu übernehmen. „Mehr als 200 Admirale und Generäle unterstützen mich“, sagte Trump. „Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen.“ Er behauptete erneut, er sei stets gegen den Einmarsch der USA in den Irak gewesen. Diese Behauptung ist mehrmals widerlegt worden.

Der New Yorker Milliardär forderte Clinton hinsichtlich ihrer E-Mail-Affäre heraus. Er werde seine Steuerunterlagen veröffentlichen, sobald Clinton diejenigen 33.000 E-Mails publik mache, die sie als Außenministerin über einen privaten Server gesendet hat und die noch nicht von der US-Bundespolizei FBI aufgefunden werden konnten.

TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten: „Trump muss sich bremsen, dann hat er gewonnen“

TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten

„Trump muss sich bremsen, dann hat er gewonnen“

Politikwissenschaftler Christian Lammert analysiert im Interview die Chancen von Clinton und Trump im TV-Duell. Der Republikaner habe es leichter: Inhaltlich werde von ihm nichts erwartet, er müsse sich nur zurücknehmen.

Traditionell veröffentlichen Präsidentschaftskandidaten in den USA ihre Steuererklärungen, um dem Wahlvolk einen Einblick in ihre Verdienst- und Vermögenssituation zu geben. Clinton hat dies ebenfalls getan. Trump weigert sich bisher beharrlich. „Irgendetwas versteckt er“, sagte Clinton.

Hinsichtlich ihrer E-Mails, die sie als Außenministerin unerlaubterweise von einem privaten Server versandt und empfangen hatte, erklärte Clinton: „Ich habe einen Fehler gemacht.“

Beim Zankapfel „Internationaler Handel“ warf Trump Clinton mehrmals vor, ihre Ansicht zur Transpazifischen Handelspartnerschaft unter zwölf Pazifikanrainern mehrmals geändert zu haben. „Du hast gehört, was ich dazu gesagt habe und dann warst Du dagegen“, sagte Trump. Clinton widersprach dem. Trump trat zudem für eine Erleichterung des Regelwerks für die Gründung neuer Unternehmen ein. Die Schaffung von Arbeitsplätzen müsse erleichtert werden.

Von

dpa

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