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Special

03.11.2016

11:15 Uhr

TV-Journalistin Katy Tur im Wahlkampf

Wenn Trumps Medienkritik persönlich wird

VonMartin Dowideit

Im Wahlkampf lässt Donald Trump in kaum einer Rede scharfe Kritik an den Medien aus. Journalisten seien unehrlich – und immer mal wieder schießt er sich auch auf einzelne Berichterstatter ein. Doch eine findet Rückhalt.

Eine von etlichen Journalistinnen, die von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump schon persönlich scharf kritisiert wurden.

Katy Tur

Eine von etlichen Journalistinnen, die von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump schon persönlich scharf kritisiert wurden.

WashingtonGerade hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in einer Rede noch Barack Obama vorgeworfen, zu viel Wahlkampf für dessen Parteifreundin Hillary Clinton zu machen, da springt er zu einem neuen Thema: Medienschelte. „Katy, du berichtest nicht darüber. Dabei passiert hier etwas, Katy. Es passiert hier etwas, Katy“, ruft der 70-Jährige am Mittwoch bei einem Wahlkampfauftritt in Florida.

Wen Trump hier persönlich angreift, ist die TV-Journalistin Katy Tur. Sie arbeitet eigentlich als Auslandskorrespondentin in London für den Sender NBC News. Doch während des Wahlkampfs folgt sie dem Trump-Lager durch die USA – und ist Angriffe des Republikaners schon gewohnt. Während einer Pressekonferenz war Trump ihr schon einmal über den Mund gefahren: „Seien Sie ruhig, ich weiß, dass Sie [Hillary Clinton] retten wollen“, sagte er.

Die wichtigsten Fakten zur Präsidentenwahl

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt ist zunächst jeder der rund 322 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind etwa 219 Millionen. Ausgenommen sind unter anderem illegale Einwanderer und Häftlinge. Ohne vorherige Registrierung aber darf man nicht abstimmen, und die Registrierung ist oft sehr kompliziert. Bis jetzt haben sich etwa 146 Millionen Amerikaner in die Wahlregister eintragen lassen. Nachdem die Beteiligung 2012 auf 58 Prozent gesunken war, sah es für 2016 lange nach einer Rekordbeteiligung aus. Das ist nun schwer zu sagen: Womöglich wollen viele Menschen nach einem extrem intensiven Wahljahr am 8. November nicht mehr wählen - oder eben erst recht. Es gibt für beide Thesen schlüssige Argumentationen.

Wer steht zur Wahl?

Die Demokratin Hillary Clinton (69) könnte als erste Frau in der US-Geschichte Präsidentin werden. Sie liegt derzeit in allen Umfragen klar vorne, sowohl landesweit als auch in den besonders umkämpften Staaten. Vizepräsident der ehemaligen First Lady und Ex-Außenministerin soll Tim Kaine werden, ein Senator aus Virginia.

Für die Republikaner tritt der New Yorker Milliardär Donald Trump an (70). Er hat bisher noch kein politisches Amt bekleidet. Sein Vizepräsident soll Mike Pence werden. Der 57-Jährige ist Gouverneur im Bundesstaat Indiana.

Welches sind die zentralen Positionen der Kandidaten?

Hillary Clinton würde einen Großteil der Politik von Amtsinhaber Barack Obama weiterführen. Sie stünde für eine weitere internationale Vernetzung der USA. Sie will gegen den Klimawandel vorgehen, die Waffenschwemme in Amerika eingrenzen und das Recht auf Abtreibung nicht beschneiden.

Donald Trump will die Außen- und Verteidigungspolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten, Motto: „Amerika zuerst“. Er will Einwanderung durch eine Mauer an der mexikanischen Grenze bekämpfen, die Gesundheitsvorsorge „Obamacare“ abschaffen, internationale Handelsabkommen kündigen und das Waffenrecht in den USA nicht antasten.

Welche Staaten sind besonders umkämpft?

Während die Demokraten an den Küsten und die Republikaner im Süden und im mittleren Westen der USA Hochburgen haben, sind die Mehrheiten vor allem in den «Battleground» oder «Swing States» relativ unsicher. Dazu gehören Florida, North Carolina, Ohio, Indiana, Missouri, North Dakota und Montana. Allerdings liegt Clinton derzeit fast überall vorne. Das gilt auch für die traditionell eher umkämpften Staaten Virginia, Pennsylvania, Colorado, New Mexico und Nevada.

Wann schließen die Wahllokale?

Die Wahl findet am Dienstag 8. November statt. Wegen mehrerer Zeitzonen in den USA schließen die Wahllokale nach deutscher Zeit zeitversetzt in der Nacht zum Mittwoch, 9. November. In Indiana und einem Teil Kentuckys können die Wähler bis 00.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) wählen. Zwischen 1.00 und 4.00 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in vielen Staaten der Ostküste, des Südens und des Mittelwestens. In Kalifornien und Oregon sowie auf Hawaii ist die Wahl um 05.00 Uhr MEZ beendet. Ganz zum Schluss kommt Alaska um 06.00 Uhr MEZ.

Wann gibt es Ergebnisse?

Mit ersten Prognosen der TV-Sender auf der Basis von Wählerbefragungen wird bereits direkt nach der Schließung der Wahllokale in den einzelnen Staaten gerechnet. Bis um 06.00 Uhr MEZ könnte es ein Ergebnis geben. 2012 meldeten US-Medien die Entscheidung für Barack Obama gegen 05.15 Uhr (MEZ).

Wie funktioniert das Wahlsystem?

Das Volk entscheidet nur indirekt über den Präsidenten. Nach der Wahl am Dienstag müssen zunächst 538 Wahlmänner aus den Bundesstaaten und dem „District of Columbia“ mit der Bundeshauptstadt Washington ihr Votum abgeben. Die Mitglieder dieses „Electoral College“ richten sich dabei nach der Entscheidung der Wähler in ihrem Bundesstaat. Mindestens 270 Wahlmänner-Stimmen sind nötig, um Präsident zu werden.

Wann beginnt die Amtszeit des neuen Präsidenten?

41 Tage nach der Wahl, das ist in diesem Jahr der 19. Dezember, wählen die Mitglieder des „Electoral College“ Präsident und Vize. Am 6. Januar 2017 zählt der Kongress aus und verkündet offiziell das Ergebnis der Wahl. Der neue Präsident legt seinen Amtseid am 20. Januar um 12.00 Uhr Ortszeit ab (18.00 Uhr MEZ).

Worüber wird noch abgestimmt?

Zeitgleich mit der Präsidentenwahl stimmen die Amerikaner über alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie über ein Drittel der 100 Sitze im Senat ab. In den Bundesstaaten werden zwölf Gouverneursposten neu vergeben. Außerdem sind 160 Volksabstimmungen in 35 Staaten bestätigt. Ihre Themen reichen von der Todesstrafe über eine Kondompflicht bis hin zur Legalisierung von Marihuana. Im Bundesstaat Colorado wird auch über die Abschaffung der Sklaverei abgestimmt, die dort noch im Gesetzbuch steht.

Trumps wiederkehrender Vorwurf: Medien würden nicht berichten, wie groß die Massen sind, die zu seinen Wahlkampfveranstaltungen kommen. Kein Auftritt vergeht, in dem der Kandidat nicht selbst eine Zahl in den Raum wirft, wie viele Zuhörer in persönlich sprechen hören wollen. Von 4.000 war am Vortag in Wisconsin die Rede – und auch dort ereiferte er sich in weit fassender Medienschelte. Journalisten seien „die unehrlichsten Menschen der Welt“, so eine seiner Aussagen.

Noch härter als Tur hatte es die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly im Vorwahlkampf erwischt, als Trump ihre Gesprächsführung während einer Fernsehdebatte kritisierte. „Ihr ist das Blut aus den Augen gekommen und das Blut wo immer sonst noch herausgekommen.“ Dies wurde als Anspielung auf die Menstruation der Journalistin verstanden. Trump sagte später, er habe Kellys Nase gemeint.

Die Hartnäckigkeit Kellys und auch Turs hat jedoch viele Anhänger. Am Mittwoch machte sich viel Unterstützung für Tur in den sozialen Medien breit (#ImWithTur). Journalismus-Professor Jeff Jarvis sprach sich für eine Gehaltserhöhung der Journalistin aus, und auch viele andere priesen ihre Arbeit. Für Fox-News-Moderationsstar Kelly ist wohl sogar ein Jahressalär von mehr als 20 Millionen Dollar geboten worden, damit sie nach ihrem im Juli auslaufenden Vertrag bei Fox News bleibt.

Fox-News-Chef Rupert Murdoch hatte gesagt, er hoffe „sehr bald“ eine Einigung mit Kelly zu erzielen. Die schmutzige Kritik Trumps hatte ihr zu mehr Ruhm verholfen.

Kommentare (3)

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Herr Percy Stuart

03.11.2016, 14:18 Uhr

„Journalisten seien unehrlich – und immer mal wieder schießt er sich auch auf einzelne Berichterstatter ein.“

Wo der Mann Recht hat, hat er Recht!
Schade, dass die Medien und Journalisten/-innen so unkritisch gegenüber ihrer eigenen zum Teil sehr tendenziösen Berichterstattung sind.
Dort die Guten, und hier die Bösen - so einfach ist dass!
Was die letzten 1 1/2 Jahre in Deutschland in Bezug auf die Medienberichterstattung abging, ist schon bemerkenswert und erstaunt einen immer wieder. Egal ob Bankenkrise inkl. Rettungspakete, die Silvesternächte 2015 mit dem negativen Höhepunkt in Köln, dem Münchener Amoklauf, die Nullzinspolitik der Notenbanken, Staatsschuldenkrisen, großangelegte „refugees welcome“ Kampagnen, geschönte Erwerbslosenzahlen, angebliche Konjunkturaufschwünge, Integrationsphantasien inkl. zweistelliger Milliarden-Euro-Pakete, bei gleichzeitig über 4,3 Mio. Menschen in der Grundsicherung und 2,5 Mio. Arbeitslosen im eigenen Land. Dazu noch eine hohe versteckte Arbeitslosigkeit (Krankheit, Umschulungen, 1-Euro-Jobs, Ü58-Jährige, die alle aus den Statistiken rausgerechnet sind). Nein Freunde der Sonne, man glaubt euch einfach nicht mehr und man respektiert eure Arbeit als Journalisten auch nicht mehr. Sie ist nichts mehr wert, genauso wie andere kreative Dienstleistungen wie z. Bsp. Fotos, Web- und Grafikdesign, Musik, usw. nichts mehr wert sind. Alles frei und kostenlos verfügbar, weshalb diesen mühsamen Broterwerben keine faire Wertschöpfung mehr gegenübersteht. Es trifft mit dem sozialen und finanziellen Abstieg eben nicht nur die Menschen im Dienstleistungsprekariat, sondern eben auch diejenigen, welche sich bisher immer in Sicherheit wiegten. Einfach mal drüber nachdenken, ob wir so wie bisher wirklich weitermachen können und wenn ja, welche Konsequenzen sich daraus zukünftig ergeben werden?! Vielen Dank.

Herr Percy Stuart

03.11.2016, 14:19 Uhr

die Silvesternächte 2015 (in Stuttgart, Hamburg, Köln) ...

Account gelöscht!

03.11.2016, 15:49 Uhr

".....und wenn ja, welche Konsequenzen sich daraus zukünftig ergeben werden?! Vielen Dank."

Harald, das ist MEINE ENDUNG (VIELEN DANK)

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