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Special

07.03.2016

18:35 Uhr

US-Politik historisch

Derbe Rhetorik gab es auch schon vor Trump

„Bastardbengel“ und „Huren zum Abzapfen“ – diese Worte stammen nicht von Donald Trump, sondern von den Gründervätern der USA. Das zeigt: Auch schon vor dem diesjährigen US-Wahlkampf wurde manchmal heftig ausgeteilt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump: Macht und Potenz. AP

Loses Mundwerk

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump: Macht und Potenz.

WashingtonSexuell gefärbte Zweideutigkeiten, Schmähungen, Schadenfreude: Die jüngsten Entgleisungen im US-Wahlkampf sind ein Tiefpunkt der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Könnte man meinen. Doch der Blick auf die US-Geschichte der politischen Auseinandersetzung belehrt eines Besseren. Schon die Gründerväter waren für derbe Sprüche bekannt. Und das nicht zu knapp.

Im 18. Jahrhundert nannte John Adams, der zweite Präsident der USA, seinen Gründervaterkollegen Alexander Hamilton einen „Bastardbengel.“ Dieser habe „einen Überfluss an Sekreten, für die er nie genug Huren zum Abzapfen finden“ könne, schrieb Adams laut dem Historiker Ron Chernow. Einen Unterschied zwischen damals und heute gibt es aber doch: „Das waren Worte, die im Privaten geschrieben oder gesprochen wurden, nicht in der Öffentlichkeit“, sagt der Wissenschaftler. Die ordinären Äußerungen wurden immerhin in Briefen überliefert, die die Jahrhunderte überdauerten.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Wenig zimperlich gingen seine Gegner auch mit dem Demokraten Grover Cleveland um, der von 1885 bis 1889 und noch mal zwischen 1893 und 1897 im Weißen regierte. Als um die 1880er Jahre Gerüchte über dessen uneheliches Kind die Runde machten, wurden die Republikaner kreativ: „Mama, Mama, wo ist Papa?“, lautete ein Spottlied-Titel aus ihrer Feder. Als Cleveland dann Präsident wurde, kam die Antwort hinzu: „Ins Weiße Haus gegangen, ha ha ha!“

Die amerikanische Politik früherer Zeiten sei voll solch gemeiner Einlassungen gewesen, weiß Arnold Shober von der Lawrence University in Appleton im Staat Wisconsin. „Das haben wir in den vergangenen 70 Jahren irgendwie verloren, und ich denke, es kommt gerade wieder zurück.“

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