Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

02.10.2016

17:03 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat

Trump könnte 18 Jahre lang keine Bundessteuern gezahlt haben

Mit Verlustvorträgen in Millionenhöhe hat Donald Trump offenbar 18 Jahre lang Bundessteuern gespart. Die Raffinesse des Milliardärs und Präsidentschaftsbewerbers entlockt manchem sogar das Wort „Genie“.

US-Präsidentschaftskandidat

Trump: „Dass ich die Steuergesetze kenne, hat mir einen Vorteil verschafft“

US-Präsidentschaftskandidat: Trump: „Dass ich die Steuergesetze kenne, hat mir einen Vorteil verschafft“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WashingtonDer milliardenschwere Republikaner Donald Trump hat nach einem Bericht der „New York Times“ mit der Abschreibung hoher geschäftlicher Verluste möglicherweise jahrelang massiv Steuern gespart. Trump habe 1995 Verluste in Höhe von 916 Millionen Dollar (815 Millionen Euro) geltend gemacht, berichtete die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf ihr zugespielte Steuerunterlagen.

Die Fehlbeträge seien das Ergebnis ruinösen Managements von drei Kasinos und anderer unternehmerischer Fehlentscheidungen gewesen. Nach der Analyse von Steuerexperten könnte der Schritt es dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Trump ermöglicht haben, 18 Jahre lang keine Bundessteuern zu bezahlen.

Eine solche Abschreibung wäre nicht illegal: Die US-Steuergesetze lassen so etwas zu. Die Zeitung zitiert auch Experten mit den Worten, dass nichts in den Dokumenten widerrechtliches Verhalten des Immobilienmoguls nahelege. Auch gibt es neben den Bundessteuern andere Steuern und Abgaben, die unabhängig von derartigen Abschreibungen anfallen.

Dennoch könnte die Veröffentlichung Trump, der selber sein Vermögen auf zehn Milliarden Dollar beziffert hat, im Wahlkampf schaden. So dürfte es bei einer Reihe von Wählern schlecht ankommen, dass ein reicher Mann wie Trump seine Steuerlast drastisch drücken kann, während dem Durchschnittsbürger derartige Schlupflöcher nicht zur Verfügung stehen. Ohnehin werfen ihm seine Gegner vor, dass die von ihm im Wahlkampf vorgelegten Steuerpläne wohlhabende Amerikaner stark begünstigen.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Hinzu kommt, dass sich Trump - im Gegensatz zu seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton - bisher hartnäckig geweigert hat, seine jüngsten Steuererklärungen zu veröffentlichen. Das hat bei vielen den Verdacht genährt, dass Trump etwas zu verheimlichen versucht. Die Veröffentlichung der Dokumente - nur ein winziger Auszug der Steuerunterlagen von 1995 - könnte diesen Eindruck verstärken.

Trumps Lager bestritt die Echtheit der Unterlagen nicht. Es betonte in einer Erklärung, dass Trump vor seinem Unternehmen, seiner Familie und seinen Angestellten die treuhänderische Verantwortung habe, nicht mehr Steuern zu zahlen als gesetzlich vorgeschrieben. Zudem habe er Hunderte Millionen Dollar anderer Steuern gezahlt, unter anderem Grundstücks-, Eigentums- und Verkaufssteuern.

Weiter hieß es, dass Trump die Steuervorschriften besser kenne als jeder andere Präsidentschaftskandidat in der Geschichte. Er sei daher auch der einzige, der wisse, wie man die Steuerregeln verbessern könne.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani hat sich nach einem Bericht beeindruckt geäußert. „Die Realität ist, er ist ein Genie“, sagte Giuliani, ein enger Berater Trumps, am Sonntag in der Sendung „Meet the Press“ von NBC. Wenn Trump seine Geschäftsverluste nicht bei seinen Steuerabgaben zu seinem Vorteil genutzt hätte, wäre er von Geschäftspartnern und Aktionären verklagt worden, erklärte Giuliani.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×