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Special

31.01.2016

09:49 Uhr

US-Präsidentschaftswahl

Wie Trump um die Nicht-Wähler buhlt

Politikverdrossene Amerikaner an die Urnen locken – auf diese Strategie setzt Donald Trump. Abgekupfert hat er sie ausgerechnet bei dem Mann, den er im Weißen Haus beerben will. Geht seine Rechnung auf?

Der Präsidentschaftsbewerber will Erstwähler an die Urnen locken. AFP

Donald Trump

Der Präsidentschaftsbewerber will Erstwähler an die Urnen locken.

WashingtonVince DiSylvester aus Missouri ist 73 Jahre alt und ist noch nie zu einer Präsidentenwahl gegangen. Donald Trump sei vielleicht der erste, der ihn an die Urne locke, sagt der Rentner. „Er ist ein Geschäftsmann. Er kennt die Wirtschaft. Er weiß, wie man die Dinge anpackt.“

Und nicht nur das: „Er nennt die Dinge beim Namen. Wem das nicht passt, der hat eben Pech.“ Auch Ted Wade aus Nevada könnte zum ersten Mal seit 1992 wieder wählen gehen und ebenfalls für Trump stimmen. „Mir reicht das Chaos bei den Republikanern und Demokraten“, sagt der 51-Jährige. Jetzt will er sehen, ob ein „Nicht-Politiker“ es richten kann.

Der Milliardär Trump hat seine Strategie im Vorwahlkampf auf Amerikaner wie DiSylvester und Wade ausgerichtet: auf „verlorene Wähler“. Es sind die bisherigen Nicht-Wähler, die vom scheinbar endlosen Zank zwischen Demokraten und Republikanern angewidert sind.

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


Es sind politikverdrossene Wähler, denen ihre schlechte wirtschaftliche Lage das Gefühl gibt, sie seien den großen Parteien egal. „Mein ganzer Wahlkampf ist darauf ausgerichtet, die Zahl der Menschen zu vergrößern, die an dieser Wahl teilnehmen wollen und es dann auch tun“, schrieb Trump selbst in einem Kommentar in der Zeitung „USA Today“.

Den Umfragen zufolge geht diese Strategie bislang auf. Erhebungen von Reuters/Ipsos zeigen, dass in diesem Jahr einer von zehn US-Wählern erstmals seine Stimmen abgeben dürfte. Die Zahlen von Juni bis Dezember deuten darauf hin, dass mehr als 27 Prozent dieser Amerikaner sich für Trump entscheiden werden. Sein derzeit wichtigster republikanischer Rivale Ted Cruz kommt dagegen auf nur etwas mehr als 3,4 Prozent dieser Wähler, Parteifreund Marco Rubio auf etwa vier Prozent.

Trump ist nicht der erste amerikanische Politiker, der stark auf Nicht-Wähler setzt. Vor acht Jahren tat das kein Geringerer als der demokratische Amtsinhaber Barack Obama, der viele Amerikaner zum ersten Mal an die Urnen holte. Experten verweisen allerdings auf grundsätzliche Unterschiede bei der Umsetzung dieser Strategie: Obama habe zusätzlich ein Heer von Mitarbeitern aufgestellt, die von Tür zu Tür gegangen seien und die Menschen mobilisiert hätten.

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