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Special

02.02.2016

10:39 Uhr

US-Vorwahl in Iowa

Cruz schlägt Trump – Clinton muss lange zittern

Bei der Präsidentschafts-Vorwahl im US-Staat Iowa siegt Hillary Clinton über Bernie Sanders bei den Demokraten denkbar knapp. Dagegen verliert der Republikaner Donald Trump deutlich – fühlt sich aber trotzdem „geehrt“.

US-Vorwahlen

Ist die Luft schon raus? Trump verliert in Iowa

US-Vorwahlen: Ist die Luft schon raus? Trump verliert in Iowa

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Des MoinesDie frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat die Vorwahl im Bundesstaat Iowa bei den Demokraten nach Angaben der dortigen Parteizentrale hauchdünn für sich entschieden. Nach 99 Prozent der gemeldeten Stimmen aus den 1681 Caucus-Wahllokalen in Iowa lag Clinton bei 49,9 Prozent. Ihr Kontrahent Bernie Sanders, Senator in Vermont, kam dicht dahinter auf 49,6 Prozent. Martin O'Malley, der umgehend seinen Ausstieg aus dem Kandidatenrennen verkündete, kam abgeschlagen auf 0,6 Prozent.

Lange gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Clinton und Sanders. Der Senator aus Vermont teilte schließlich vor Anhängern mit, er liege mit Hillary Clinton „praktisch gleichauf“. Vor neun Monaten sei er ohne Geld, Ruhm oder politische Organisation nach Iowa gekommen. Nun habe er es aber mit „der mächtigsten politischen Organisation in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen“ – nämlich der Clinton-Familie, sagte der selbst erklärte demokratische Sozialist. Die Menschen in Iowa hätten die gewichtige Botschaft gesandt, dass es für „Establishment-Politik“ in den USA zu spät sei.

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


Deutlich fiel dagegen der Sieg des Republikaners Ted Cruz über seinen Parteirivalen Donald Trump aus. Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas, verwies mit etwa 28 Prozent Trump (24 Prozent) auf Platz zwei. Für den Immobilienmogul aus New York ist das eine schmerzliche Niederlage. Trump sagte aber, er fühle sich von Platz zwei geehrt. Er setze nun auf einen Sieg bei der nächsten Vorwahl in New Hampshire in einer Woche. Auf einem sehr starken dritten Platz landete bei den Republikanern Marco Rubio, der Senator aus Florida, mit etwa 23 Prozent knapp hinter Trump. In einer ersten Reaktion sagte er, er wolle die Partei im weiteren Wahlkampf wieder vereinen.

Bei den Demokraten stieg Ex-Gouverneur Martin O'Malley aus dem Rennen um das Weiße Haus aus, damit bleiben nur Clinton und Sanders übrig. O'Malley war von Beginn an ohne Chance, der Demokrat landete nach stabilen Trends bei den Vorwahlen in Iowa bei nicht einmal einem Prozent der abgegeben Stimmen. Der republikanische Bewerber Mike Huckabee beendete das Rennen ebenfalls.

Iowa eröffnete den Vorwahlreigen in den USA, bei dem die Bewerber der Demokraten und Republikaner bei den Parteianhängern um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat buhlen. Aus Ergebnissen der Abstimmungen ergibt sich die Zahl der Delegierten, die bei den Parteitagen im Sommer ihre Stimme für die Aspiranten abgeben.

Zwar macht Iowa nur rund ein Prozent der sogenannten Wahlmänner aus. Doch dürfte Cruz mit seinem jüngsten Erfolg seine Position im dicht gedrängten Bewerberfeld der Republikaner auf Wochen hinaus weiter gestärkt haben. Zum Sieg in Iowa trugen den Senator von Texas die große Unterstützung evangelikaler und konservativer Wähler. Sein Sieg war ein schwerer Schlag für Trump, der das Bewerberfeld über Monate hinweg trotz höchst umstrittener Äußerungen über Frauen und Minderheiten anführt.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

02.02.2016, 08:18 Uhr

Iowa stellt 1% der Wahlmänner....was kann man bei 1% schon Gewinnen....???!
Die wichtigen Staaten kommen noch. Warum sollte also Trump dies scherzen?!
Trump wird nicht augeben. Der wird bis zum Schluss kämpfen.

Herr Marcel Europaeer

02.02.2016, 08:37 Uhr

Sollten die Erzkonservativen bei den Republikanern es schaffen, Trump oder Cruz für eine Wahl zum Präsidenten zu nominieren, brauchen die Republikaner überhaupt nicht zu Wahl anzutreten. So blöde sind nicht einmal die Amerikaner, dass sie mehrheitlich jemanden wählen, der für uns selbstverständliche soziale Errungenschaften, wie eine allgemeine Krankenversicherung wieder abschaffen will.

"Bernie" würde den Amerikanern gut tun, ........ falls er den Vorwahlkampf gegen die vor Angst beißenden Waffenfetischisten überleben sollte.

Herr richard roehl

02.02.2016, 08:48 Uhr

Da spricht wohl eher Wunschdenken aus Ihrem Kommentar, das einzige wozu die Amis nicht blöd genug sind, ist so suizidaffin zu wählen wie die Deutschen. Und ob man ein ineffizientes, fehlanreizgebendes, missbrauchsaffinines und zunehmend unfinanzierbares Gesundheitssystem, wie das Unsrige, als Errungenschaft bezeichnen soll, bleibt auch fraglich

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