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Special

11.03.2016

07:54 Uhr

US-Vorwahlen

Carson will sich für Trump aussprechen

Vor kurzem waren Ben Carson und Donald Trump im Nominierungsrennen der Republikaner noch Rivalen – jetzt will sich Carson hinter den Milliardär stellen. In einer TV-Debatte gaben sich die verbleibenden Kandidaten zahm.

Vor kurzem noch Konkurrenten: Laut US-Medien will Ben Carson bald seine Unterstützung für Donald Trump bekannt geben. Reuters

Trump und Carson

Vor kurzem noch Konkurrenten: Laut US-Medien will Ben Carson bald seine Unterstützung für Donald Trump bekannt geben.

WashingtonDer aus dem Präsidentschaftsrennen ausgestiegene Republikaner Ben Carson will sich hinter seinen früheren Rivalen Donald Trump stellen. Dies teilten zwei eingeweihte Personen am Donnerstag mit. Demnach will der Ex-Neurochirurg seine Unterstützung für Trump am (heutigen) Freitag bei einer Pressekonferenz in dessen Strandclub Mar-A-Lago in Florida bekanntgeben. Einer der Gewährsleute sagte, Carson habe in der Frage, für welchen Kandidaten er sich aussprechen solle, zunächst zwischen Trump und Senator Ted Cruz geschwankt. Weil das Cruz-Lager vor der ersten Vorwahl in Iowa Gerüchte über einen angeblichen Ausstieg Carsons aus dem Nominierungsrennen gestreut hatte, habe sich Carson schließlich für Trump entschieden.

Schon in einem Interview des Senders Fox News Radio hatte Carson am Donnerstag seine Präferenz durchblicken lassen. Auf die Frage, ob er sich der Kampagne Trumps anzuschließen gedenke, entgegnete er: „Sagen wir es so: Ich tendiere sicherlich dazu.“ Es gebe „zwei Donald Trumps“ - den im Fernsehen und jenen, den er hinter den Kulissen kennengelernt habe, fügte Carson hinzu. Carson war als einer von 17 Bewerbern im republikanischen Feld gestartet. Nach ersten Erfolgen stürzte der politische Quereinsteiger in Umfragen steil ab, er hatte unter anderem große Lücken bei seiner außenpolitischen Kompetenz offenbart. In den Vorwahlstaaten hatte Carson nirgendwo eine Chance und war stets weit abgeschlagen geblieben. Als Außenseiter des politischen Systems erntete der ehemalige Arzt aber einige Sympathien.

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Bei ihrer letzten TV-Debatte vor womöglich wegweisenden Vorwahlen haben die verbliebenen republikanischen Bewerber ums Weiße Haus ungewohnt dezente Töne angeschlagen. Die Diskussion in Florida drehte sich um den Islam, Einwanderung und Handelspolitik. Zwar boten die Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio dem umstrittenen Spitzenreiter Donald Trump durchaus Paroli, doch blieben verbale Tiefschläge anders als bei früheren Debatten diesmal weitgehend aus. „Ich kann nicht glauben wie zivil das bisher hier abläuft, wunderte sich Trump zwischendurch.

Schon am kommenden Dienstag könnten im Kampf um die Nominierung um die Präsidentschaftskandidatur entscheidende Weichen gestellt werden. Denn dann stehen in Vorwahlen in Florida, Illinois, Missouri, North Carolina, Ohio und dem US-Außengebiet Nördliche Marianen an. Eine besondere Bedeutung kommt Florida zu: Im Südstaat sind allein 99 Delegierte zu holen, die obendrein nach dem Prinzip „Winner takes it all“ gänzlich dem Sieger zufallen. Vor diesem Hintergrund galt es für die Bewerber bei der Debatte in der University of Miami, vor einem Millionenpublikum vor den wohl schicksalsträchtigen Abstimmungen zu punkten.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Der in den eigenen Reihen umstrittene Spitzenreiter Trump schien bemüht, sich staatsmännisch und versöhnlich zu geben. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagte er zum Auftakt. Im Laufe der Diskussion steigerten seine Rivalen jedoch allmählich die Dosis ihrer Attacken auf den Milliardär. Cruz etwa hielt Trump vor, auf simple Lösungen in der Handelspolitik und im Umgang mit islamistischen Terroristen zu setzen. „Die Antwort kann nicht einfach darin liegen zu brüllen: 'China: schlecht, Muslim: schlecht'“, sagte der Senator von Texas.

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