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Special

29.02.2016

18:59 Uhr

US-Vorwahlen

Clinton sammelt schon Munition gegen Trump

Bei den Republikanern sind die Vorwahlen in elf Staaten vielleicht schon das entscheidende Gefecht um die Präsidentschaftskandidatur. Dass Favorit Trump vom rassistischen Ku Klux Klan unterstützt wird, sorgt für Aufregung.

Sollte Donald Trump auch bei den nächsten Vorwahlen triumphieren, wäre er auf dem Weg zum Präsidentschaftskandidaten wohl nicht mehr aufzuhalten. dpa

Donald Trump

Sollte Donald Trump auch bei den nächsten Vorwahlen triumphieren, wäre er auf dem Weg zum Präsidentschaftskandidaten wohl nicht mehr aufzuhalten.

WashingtonDer Februar – das war Vorgeplänkel. „March matters“, so heißt es in den USA – der März ist wichtig. Die ersten Vorwahlen sind vor allem psychologisch und als Startrampe bedeutend, aber richtig gezählt wird im März. An diesem Dienstag steuert das Rennen zur Nominierung der US-Präsidentschaftskandidaten mit Vorwahlen in elf Staaten auf den vorläufigen Höhepunkt zu.

Am „Super Tuesday“ stemmen sich bei den Republikanern die abgeschlagenen Bewerber Ted Cruz und Marc Rubio gegen einen drohenden Durchmarsch des nach vier Vorwahlen führenden Milliardärs Donald Trump. Bei den Demokraten schickt sich Hillary Clinton an, ihre Favoritenrolle zu unterstreichen. Und sie beginnt bereits damit, Wahlkampfmunition gegen Trump zu sammeln.

Fragen und Antworten zum „Super Tuesday“

Einleitung

Im US-Vorwahlkampf findet am Dienstag der „Super Tuesday“ statt, ein Meilenstein auf dem Weg zur Nominierung der Präsidentschaftskandidaten von Demokraten und Republikanern. Insgesamt zwölf der 50 Bundesstaaten halten an diesem Tag Vorwahlen ab, so viele wie an keinem anderen Datum. Auf dem Spiel stehen bei beiden Parteien rund gut ein Fünftel der Delegiertenstimmen.

Worüber wird abgestimmt?

Bei den Vorwahlen bestimmen beide Parteien die Delegierten aus den Bundesstaaten für die Nominierungsparteitage im Sommer. Je besser ein Präsidentschaftsbewerber in einem Bundesstaat abschneidet, desto mehr Wahlmänner darf er aus diesem Staat zum Parteitag schicken. Die Republikaner küren ihren Kandidaten vom 18. bis 21. Juli in Cleveland, die Demokraten vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia. Am „Super Tuesday“ vergeben die Republikaner 595 ihrer knapp 2500 Parteitags-Delegierten, bei den Demokraten geht es um gut tausend der rund 4700 Delegierten.

Welche Staaten treffen eine Entscheidung?

Nach den ersten vier Vorwahlen in einzelnen Bundesstaaten wird das Nominierungsrennen nun zu einer landesweiten Angelegenheit. In zehn Staaten treten sowohl Demokraten als auch Republikaner an die Wahlurnen, die meisten liegen im Süden der Vereinigten Staaten: Alabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia. In Alaska halten derweil nur die Republikaner, in Colorado nur die Demokraten eine Vorwahl ab. Der Großteil der Abstimmungen sind sogenannte Primaries, bei denen Bürger den ganzen Tag lang in einem öffentlichen Wahllokal ihre Stimme abgeben können. Einige Bundesstaaten halten sich dagegen an das Caucus-Prinzip, bei dem sich Parteianhänger auf Ortsebene persönlich zur Diskussion treffen und danach abstimmen. Die wichtigsten Vorwahlen finden in Texas, Georgia, Massachusetts und Virginia statt, die wegen ihrer hohen Bevölkerungszahl viele der begehrten Delegierten vergeben. Gewählt wird am „Super Tuesday“ auch im US-Überseegebiet American Samoa.

Geht die Trump-Show bei den Republikanern weiter?

Nach drei Vorwahl-Siegen in Folge ist der Geschäftsmann Donald Trump der Favorit für die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Auch in der Mehrzahl der „Super Tuesday“-Staaten sehen Meinungsforscher den populistischen Milliardär vorne. Spannend wird die Frage, ob der erzkonservative Senator Ted Cruz seinen Heimatstaat Texas für sich entscheiden kann. Der Senator Marco Rubio, der zum Bannerträger des republikanischen Establishments und gemäßigter Konservativer avancierte, steht unter Druck, seinen ersten Bundesstaat zu gewinnen.

Baut Hillary Clinton ihre Favoritenrolle aus?

Im Duell um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hat die als Favoritin geltende Ex-Außenministerin Hillary Clinton nach ihrem jüngsten Vorwahl-Sieg in Nevada wieder Oberwasser. Beim „Super Tuesday“ könnte sie davon profitieren, dass viele Abstimmungen in den Südstaaten stattfinden. Dort ist der Anteil von afroamerikanischen Wählern, die großteils auf Clintons Seite stehen, besonders hoch. Ihr Rivale Bernie Sanders dürfte seinen Heimatstaat Vermont gewinnen. Der linke Senator macht sich auch Hoffnungen auf einen Sieg in Massachusetts.

Wie geht es nach dem „Super Tuesday“ weiter?

Der „Super Tuesday“ kann eine Vorentscheidung bringen, die Vorwahlen ziehen sich allerdings noch bis Juni. Ein wichtiges Datum ist der 15. März, wenn sich die Präsidentschaftsbewerber beider Parteien in fünf Staaten dem Votum der Wähler stellen, darunter Florida und Ohio. Bei den Republikanern werden die Delegierten ab Mitte März nicht mehr proportional zum Wahlergebnis vergeben, sondern gehen komplett an den Sieger in dem Bundesstaat. Neben Trump, Rubio und Cruz sind auch noch Ohios Gouverneur John Kasich und der frühere Neurochirurg Ben Carson im republikanischen Rennen. Diese Konstellation spielt Trump in Hände, der ab Mitte März auch mit einer relativen Stimmenmehrheit die Gesamtzahl der Delegierten abräumen würde. Dem Immobilienmagnaten wäre die Nominierung dann nur noch schwer zu nehmen.

Die etablierten Senatoren Cruz und Rubio räumten bereits ein, dass der politische Quereinsteiger Trump nicht mehr von ihnen aufzuhalten wäre, sollte er am „Super Tuesday“ mit klaren Siegen durchmarschieren. Zugleich verschärften sie den Tonfall gegen den Geschäftsmann und früheren Reality-TV-Star. Der bietet ihnen eine große Angriffsfläche, da er sich nicht sofort von einer Wahlempfehlung des früheren Führers des rassistischen Ku-Klux-Klans, David Duke, distanzierte.

Duke hatte seinen Anhängern vergangene Wochen in einer Radioansprache gesagt, ein Votum gegen Trump wäre gleichbedeutend mit „Verrat an eurem Erbe“. Der Ku Klux Klan verficht die Ideologie von einer Überlegenheit der weißen Menschen. Trump gab sich am Sonntag im Fernsehsender CNN zunächst unwissend:  „Ich weiß nichts über David Duke. Ich weiß noch nicht mal, wovon Sie reden mit weißer Überlegenheit.“

Ihm wurde umgehend das Gegenteil bewiesen: 2000 erklärte er in der „New York Times“, er könne nicht für die Präsidentschaftskandidatur der Reformpartei antreten, weil sich an deren Rand Leute wie „David Duke, Pat Buchanan und Lenora Fulani“ tummelten. „Das ist nicht die Gesellschaft, in der ich mich befinden möchte“, schrieb er.

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