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Special

06.04.2016

06:49 Uhr

US-Vorwahlen

In Wisconsin erlebt Trump sein Waterloo

VonMoritz Koch

Bei den Vorwahlen in Wisconsin lassen die Favoriten Federn, die Außenseiter Cruz und Sanders gewinnen. Besonders für Trump ist die Niederlage bitter – er kann nun nur noch schwer auf die nötigen 1237 Delegierten kommen.

US-Vorwahlen in Wisconsin

Cruz: „Bin der einzige, der Trump noch stoppen kann“

US-Vorwahlen in Wisconsin: Cruz: „Bin der einzige, der Trump noch stoppen kann“

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WashingtonVor Wochen hatte sich die republikanische Elite eines geschworen: „Never Trump“. Nun gibt es endlich was zu feiern. Donald Trump hat bei der Vorwahl in Wisconsin einen schweren Rückschlag erlitten. Der klare Sieger des Abends ist Ted Cruz.

In Trumps Wahlkampfteam wächst die Nervosität. Das Online-Magazin Politico berichtet von internen Auseinandersetzungen und einer Entlassungswelle. Trumps Strategie war bisher voll auf ihn selbst zugeschnitten, er hat einen Personenkult begründet. In der Frühphase des Vorwahlverfahrens hatte ihn das beflügelt. Nun aber beginnt es sich zu rächen.

Trumps Strahlkraft verblasst mit jedem neuen Interview, in dem er seine Ahnungslosigkeit offenbart. Ob Abtreibung oder Außenpolitik – Trump hat keine seiner Positionen durchdacht und es fällt ihm zunehmend schwer, seine intellektuellen Defizite mit seinen Entertainer-Qualitäten zu überspielen. Erstmals in diesem Wahlkampf wirkt er ernsthaft angeschlagen.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Die Parteiführung der Republikaner fürchten nicht nur, dass eine Trump-Kandidatur eine sichere Niederlage gegen Hillary Clinton bedeuten würde, sondern dass der Populist die Partei auf Jahre hinaus als unzurechnungsfähig brandmarken würde. Mit Trump auf dem Stimmzettel wäre die Mehrheit im Senat in Gefahr und, was selbst die kühnsten Optimisten der Demokraten bis vor kurzem nicht zu hoffen gewagt hatten, wohl auch die Kontrolle des Abgeordnetenhauses.

Darum schart sich das konservative Establishment, die Riege der Vordenker, Finanziers und Funktionäre, nun um Cruz, den Hardliner aus Texas. Dabei hat der reaktionäre Senator sich viele Feinde in seiner Partei gemacht, unter seinen Senatskollegen ist er regelrecht verhasst. „Wenn du Ted Cruz im Plenum des Senats töten würdest und das Gerichtsverfahren im Senat stattfände – niemand könnte dich verurteilen“, ätzte Senator Lindsey Graham kürzlich. Doch selbst Graham ist Cruz inzwischen lieber als Trump. Cruz ist zumindest linientreu, Trump völlig unberechenbar.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.04.2016, 10:15 Uhr

Ob es für Trump wirklich das Waterloo war oder vielleicht doch nur sein Dünkirchen, wird man sehen.

Es stehen noch wichtige Vorwahlen an, darunter das im Gegensatz zu Wisconsin bevölkerungs- und wahlmännerreiche New York.

Es spricht jedenfalls alles dafür, daß Trump als der Kandidat, der in den Vorwahlen am meisten Stimmen gewonnen hat, zum Wahlparteitag kommen wird. Und ob dann dennoch die Delegierten entgegen diesem Vorentscheid einen der Verlierer auf den Schild geben werden, weil das Parteiestablishment dem im Gegensatz zu Cruz nicht linientreuen Trump haßt, kann wohl niemand voraussagen.

G. Nampf

06.04.2016, 10:25 Uhr

@HB:

Eine kleine Anregung für die nächsten Präsidentschaftskandidaturen in Amerika:

Es wäre für die Leser sehr hilfreich, zu solchen Artikeln eine kleine Balkengraphik zu erstellen, welcher Kandidat zum Erscheinen des Artikel wieviele Stimmen auf sich vereinen konnte.

Herr Alex Lehmann

06.04.2016, 10:39 Uhr

Naja, Hauptsache Trump oder Sanders! Was über Hillary Clinton bisher geleakt wurde, da wäre ein Normalbürger schon im Gefängnis oder in der Psychatrie und was man über diesen Ted Cruz liest ist im psychologischen Bereich auf ziemlich übel.

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