Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

15.03.2016

20:06 Uhr

US-Vorwahlen

Letzte Chance für die Vernünftigen

VonMoritz Koch

Super Tuesday in den USA: In Florida und vier weiteren Staaten wird am Dienstag gewählt. Danach könnte klar sein, ob Trump für die Republikaner antreten wird. Und ob Clinton Chancen hat, erste US-Präsidentin zu werden.

Ein Anhänger des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump mit Oberarm-Tätowierung. AFP; Files; Francois Guillot

Trump-Tattoo

Ein Anhänger des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump mit Oberarm-Tätowierung.

WashingtonSichert sich der Milliardär Donald Trump die republikanische Präsidentschaftskandidatur? Gelingt es der Demokratin Hillary Clinton, ihren hartnäckigen Verfolger Bernie Sanders abzuschütteln? Die Wahlen in Florida, Ohio, North Carolina, Illinois und Missouri werden Aufschluss auf diese Fragen liefern. Ein Überblick über die Ausgangslage der Kandidaten.

Donald Trump (Republikaner)

Einmal mehr sind alle Augen auf den New Yorker Bauherren gerichtet. Zuletzt wurden seine Wahlkampfauftritte von Protesten überschattet, Trump-Anhänger und Gegendemonstranten gingen aufeinander los.

Mit seiner Brachialrhetorik hat Trump selbst die Saat für die Gewalt gelegt, so sehen es selbst die Republikaner. Sie fürchten Trump inzwischen fast noch mehr als die Demokraten. Die Frage lautet: Werden die konservativen Stammwähler Trump und seine Krawallkampagne weiterhin goutieren? Es sieht danach aus.

Umfragen zufolge kann der Milliardär mit Siegen in Illinois, North Carolina, Missouri und Florida rechnen. Vor allem Florida ist für Trump von großer Bedeutung. Nicht nur, weil er den Bundesstaat als seine zweite Heimat bezeichnet, sondern vor allem, weil die 99 Delegierten, die Florida auf den Nominierungsparteitag der Republikaner schickt, nach dem Mehrheitsverfahren vergeben werden.

Der Kandidat, der dort erfolgreich ist, bekommt alle Delegiertenstimmen, und nicht nur die, die auf ihn entfallen sind („winner-take-all“). Das bedeutet: Wer in Florida gewinnt, kommt der Nominierung einen entscheidenden Schritt näher.

Ted Cruz (Republikaner)

Für den ultrakonservativen Senator gibt es am Dienstag nicht viel zu gewinnen, aber auch nicht viel zu verlieren. Cruz hat sich in den bisherigen Wahlen 369 Delegierte gesichert und liegt damit hinter Trump (460) auf Platz zwei. Das Ziel des Texaners ist es, sich als Alternative zu Trump zu behaupten. Dafür muss er darauf hoffen, dass die übrigen Kandidaten, John Kasich und Marco Rubio, möglichst schnell aus dem Rennen ausscheiden.

Warum der 15. März im US- Wahlkampf so wichtig ist

Klare Sache oder zähes Rennen

Bei den Demokraten kommt es darauf an, ob sich Hillary Clinton deutlich von ihrem Konkurrenten Bernie Sanders absetzen kann oder ob er ihr weitere Niederlagen zufügt. In Florida und North Carolina sehen Umfragen Clinton deutlich vorne. In Ohio schrumpft ihr Abstand. Und in Illinois und Missouri deuten sich knappe Entscheidungen an.

Favoritin gegen Außenseiter

Die Ex-Außenministerin ist nach wie vor die Favoritin, aber weitere Siege Sanders wären schmerzhaft. Weil sich die endgültige Entscheidung dann noch weiter hinauszögern würde. Sanders hat bereits klar gemacht, dass er bis zu den letzten Vorwahlen im Sommer durchhalten will.

Alles oder Nichts

Bei den Vorwahlen der Republikaner in Florida und Ohio werden insgesamt 165 Delegierte vergeben. Der Gewinner einer Vorwahl bekommt jeweils alle Delegierte des betreffenden Bundesstaates. Wenn der umstrittene Immobilien-Milliardär Donald Trump hier gewinnt, ist er zwar immer noch nicht durch, aber seine Kandidatur wäre praktisch nicht mehr zu verhindern.

Heimspiel oder Niederlage

Für Trumps Konkurrenten Marco Rubio und John Kasich sind die Vorwahlen in den beiden Staaten überlebenswichtig: Rubio ist Senator von Florida, Kasich Gouverneur von Ohio. Verlieren sie auf heimischem Terrain, haben sie eigentlich keine Berechtigung mehr, im Rennen zu bleiben.

John Kasich (Republikaner)

Der einzige moderate Politiker im republikanischen Kandidatenkreis hat alles auf eine Karte gesetzt: Ohio. Als amtierender Gouverneur ist er in seinem Heimatstaat beliebt. Umfragen zeigen ihn mit einem knappen Vorsprung vor Trump. Kasich hat bisher in noch keinem Bundesstaat gewonnen. Er wurde als chancenlos belächelt, doch mit einem Sieg in Ohio könnte sich das Blatt für ihn wenden.

Zwar ist es mathematisch praktisch ausgeschlossen, dass Kasich mehr Delegierte erhält als Trump. Er könnte aber genug Delegierte sammeln, um gemeinsam mit den anderen Kandidaten zu verhindern, dass Trump die nötige Mehrheit von 1237 Delegierten erhält.

In diesen Fall müssten die Republikaner ihren Kandidaten auf dem Parteitag ermitteln. Kasichs Chancen als Kompromisskandidat stünden nicht schlecht, allerdings würde er seinen Sieg wohl teuer bezahlen müssen: Sollte Trump mit Kampfabstimmungen gestoppt werden, droht den Republikanern die Spaltung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×