Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

03.03.2016

14:09 Uhr

US-Vorwahlen

Trump sucht Nähe zur Republikanerführung

Im Establishment der Republikaner rumort es. Geschockt registriert man dort den Erfolg Donald Trumps – und sucht trotz Annäherungsversuchen des Milliardärs nach einem Rezept, um dessen Nominierung zu verhindern.

Während viele republikanische Wähler Donald Trump schon als nächsten US-Präsidenten feiern, fremdelt das Establishment der Partei mit dem streitbaren Milliardär. AFP; Files; Francois Guillot

Liebling der Basis

Während viele republikanische Wähler Donald Trump schon als nächsten US-Präsidenten feiern, fremdelt das Establishment der Partei mit dem streitbaren Milliardär.

WashingtonNach seinen Vorwahlerfolgen am Super Tuesday sucht Präsidentschaftsbewerber Donald Trump nun die Nähe zur Führung der Republikaner, die seine Kandidatur mit großer Skepsis sieht. Sein Team nahm Kontakt zum Büro des Vorsitzenden des Repräsentantenhauses Paul Ryan auf, um ein Treffen zwischen den beiden zu vereinbaren. Das republikanische Establishment zeigt sich indes über Trumps Höhenflug alarmiert und sucht nach Alternativen, um dessen Kandidatur zu verhindern.

Der Polit-Quereinsteiger hatte am Dienstag beim Vorwahlmarathon in sieben Staaten gesiegt. Der Durchmarsch zur Nominierung gelang Trump jedoch dabei noch nicht: Nach einer Zählung der AP kam er am Super Tuesday auf 46 Prozent der bislang vergebenen Delegierten, die im Sommer offiziell den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner küren. Für dieses Ziel müsste er seinen Vorsprung bei den restlichen Vorwahlen auf 51 Prozent ausbauen.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Den Hauptwahlkampf hat Trump dennoch schon fest im Blick. Per Twitter beschwor der Milliardär die Parteigranden, seine Kandidatur als Chance zur Erweiterung der Partei zu betrachten. „Warum können die Führer der Republikanischen Partei nicht einsehen, dass ich Millionen von neuen Wählern bringe – wir schaffen eine größere, stärkere Partei!“ Tatsächlich war die Wahlbeteiligung bei den Republikanern am Super Tuesday hoch. Allerdings mussten deren Führer feststellen, dass in der Unterstützung für Seiteneinsteiger Trump der Frust vieler Wähler über das republikanische Establishment zum Ausdruck kam.

Viele Parteistrategen sehen nun den 15. März als letzte Möglichkeit, um den Geschäftsmann auf dem herkömmlichen Weg zu stoppen: Ein Sieg für Senator Marco Rubio in seinem wichtigen Heimatstaat Florida etwa könnte aus deren Sicht Fragen an der Stärke Trumps aufwerfen. Das Gleiche gälte im Falle eines Triumphs von Ohios Gouverneur John Kasich im eigenen Staat.

Die nächste Plattform bietet sich den Kandidaten schon am (heutigen) Donnerstag, wenn sie in Detroit zu einer weiteren TV-Debatte zusammenkommen. Nach seinem schwachen Abschneiden am Super Tuesday kündigte Ben Carson allerdings sein Fernbleiben an und beendet damit praktisch seine Kampagne. Er sehe keinen Weg vorwärts mehr, sagte der frühere Neurochirurg.

Bei den Demokraten schien die Gemengelage klarer. Hillary Clinton siegte am Super Tuesday in sieben Staaten und errang dabei fast die Hälfte der für die Nominierung nötigen Delegierten - wenn man die Superdelegierten hinzuzählt. Das sind die Parteifunktionäre, die bei der Kür des offiziellen Kandidaten im Sommer ungebunden sind. Damit müsste Clinton bei den verbliebenen Vorwahlen nur 40 Prozent der zu vergebenden Wahlmänner und Wahlfrauen gewinnen, ihr Rivale Bernie Sanders jedoch 60 Prozent.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×