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Special

26.04.2016

16:13 Uhr

US-Vorwahlen

Von Hütchenspielertricks und gesetzten Siegern

VonAxel Postinett

Der Anti-Trump-Pakt bei den Republikanern könnte Donald Trump erst recht Protestwähler in die Arme treiben. Am heutigen „Super Tuesday“ wird in fünf US-Bundesstaaten gewählt. Hillary Clinton ist bereits eine sichere Siegerin.

Trump über seine Rivalen

„Sie sind schwach und armselig!“

Trump über seine Rivalen: „Sie sind schwach und armselig!“

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San FranciscoLässt sich Donald Trump mit billigen Hütchenspielertricks noch aufhalten? Die Verzweiflung der Republikaner über dessen Siegeszug treibt seltsame Blüten – und könnte am heutigen Super-Wahl-Dienstag alles nur noch schlimmer machen. In Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island finden Vorwahlen statt.

Der neue Pakt von John Kasich und Ted Cruz – den parteiinternen Rivalen Trumps – könnte bewirken, dass das ohnehin auf Rebellion getrimmte Parteivolk nun aus Protest erst recht Trump die Stimme gibt. Die republikanische Partei ist dabei, sich selbst zu zerlegen. Immer deutlicher wird, wie antiquiert und schwer durchschaubar die Regeln für die Wahl der Präsidentschaftskandidaten sind – mit unterschiedlichen Regeln in den Bundesstaaten. Da wird geschachert, was das Zeug hält

John Kasich, Gouverneur von Ohio, hatte am Sonntag erklärt, er werde bei der für den 3. Mai geplanten Vorwahl in Indiana seinem Rivalen Ted Cruz das Feld überlassen und dort nicht antreten. Im Gegenzug gab das Lager des texanischen Senators Cruz bekannt, er werde Kasich bei den Abstimmungen in Oregon und New Mexico „den Weg bahnen“. Das hat es noch nie gegeben: Zwei Kandidaten einer Partei verbünden sich, um einen parteiinternen Rivalen auszubremsen.

Trumps Fahrplan zur Präsidentschaftskandidatur

Trump braucht Siegesserie

Der führende republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump benötigt bei den US-Vorwahlen am Dienstag in fünf Staaten erneut eine Siegesserie, um auf Kurs zu bleiben. Insgesamt sind 172 Delegierte zu vergeben. Trump kann es sich erlauben, einen Staat abzugeben. Wenn er Pennsylvania, Maryland, Connecticut und Delaware gewinnt, erhält er 92 Delegierte. Den Staat Rhode Island muss er nicht unbedingt holen, weil die Stimmen hier proportional verteilt werden, also auch die Unterlegenen welche erhalten. Der Weg zur Nominierung ist für Trump eng. Es ist keinesfalls eine sichere Angelegenheit. Vor den Vorwahlen am Dienstag hatte er 845 Delegierte gesammelt. Ihm fehlen noch 392, um die 1237 zu erreichen, die für die Nominierung bei den Republikanern notwendig sind.

(Quelle: AP)

Was macht die Konkurrenz?

Trumps Rivalen, Senator Ted Cruz aus Texas und Gouverneur John Kasich aus Ohio, können nicht mehr genügend Stimmen auf sich vereinen, um die Nominierung zu gewinnen. Ihre einzige Hoffnung besteht nunmehr darin, die Mehrheit von Trump zu verhindern und so bei dem entscheidenden Parteitag im Juli eine Kampfabstimmung zu erzwingen, weil keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit errungen hat. In ihrem Bemühen, Trump zu stoppen, haben Kasich und Cruz einen außergewöhnlichen Pakt geschlossen. Kasich stimmte zu, nicht bei der Primary am 3. Mai in Indiana anzutreten, Cruz erklärte im Gegenzug, auf Oregon und New Mexico zu verzichten.

Welchen Weg könnte Trump einschlagen?

Trump kann es sich leisten, Oregon und New Mexico zu verlieren, weil auch hier die Delegierten proportional vergeben werden. Indiana dagegen ist besonders wichtig, weil der Sieger alle 57 Delegierten des Staates bekommt. Der Milliardär muss bis zum Ende der Vorwahlen am 7. Juni noch 58 Prozent der verbleibenden Delegierten gewinnen, um die zur Nominierung nötige Mehrheit zu erreichen. Im folgenden der Weg, den Trump einschlagen könnte.

Pennsylvania

In Pennsylvania sind 71 Delegierte zu gewinnen, die meisten der Vorwahlserie vom Dienstag. Der Abstimmungsmodus ist allerdings kompliziert: Der Gewinner des Staats erhält 17 Delegierte. Die übrigen 54 – drei aus jedem Kongressbezirk – werden direkt von den Wählern bestimmt und sind nicht auf einen Kandidaten festgelegt. Sie können also frei entscheiden. Trump und die anderen Kandidaten haben Unterstützer angeworben, die als Delegierte antreten. Die meisten Menschen werden jedoch wohl am ehesten Namen ankreuzen, die sie kennen. Schätzungsweise wird Trump die 17 Delegierten gewinnen, und sieben seiner Unterstützer werden außerdem als Delegierte gewählt. Damit hätte Trump 869 Delegierte.

Maryland

In Maryland sind 38 Delegiertenstimmen zu vergeben. Der Sieger bekommt 14, der Gewinner jedes Kongressbezirks erhält drei. Wenn Trump den Staat und eine Mehrheit der Kongressbezirke gewinnen kann, könnte er 32 Delegierte hinzugewinnen. Damit hätte er 901.

Connecticut

Connecticut schickt 28 Delegierte zum Parteitag. Der Sieger erhält 13, wenn er mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht. Der Sieger jedes Kongressbezirks gewinnt drei Delegierte. Siegt Trump in dem Staat, erhält er 22 Delegierte. Damit käme er auf 923.

Rhode Island

Rhode Island hat 19 Delegierte. Sie werden proportional verteilt, so dass auch die Verlierer Stimmen bekommen, wenn sie mindestens zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Trump könnte Rhode Island verlieren und würde immer noch fünf Delegierte bekommen. Damit käme er auf 928 Delegierte.

Delaware

Delaware hat 16 Delegierte zu vergeben. Alle gehen an den Sieger. Das erhöht die Bedeutung des kleinen Staats. Wenn Trump die 16 Stimmen verliert, muss er sie anderswo holen. Wenn er gewinnt, hat er am Dienstag in allen fünf Staaten 99 Delegierte geholt. Er käme auf 944.

Vorschau

Wenn Trump diese Stimmen wie prognostiziert holt, würde er immer noch 58 Prozent der noch bis zum 7. Juni zu vergebenden Stimmen benötigen. An diesem Tag wählen fünf Staaten, unter anderem Kalifornien, wo 172 Delegierte auf dem Spiel stehen. Trump wird dort einen großen Sieg einfahren müssen, um die Nominierung zu gewinnen. Wie groß? Das hängt davon ab, wie er sich in den Vorwahlen bis dahin schlägt.

Das Ziel: eine Kampfabstimmung auf dem Republikaner-Parteitag im Juli. Erhält dort kein Kandidat im ersten Wahlgang eine 50-Prozent-Mehrheit, sind alle Delegierten automatisch wieder frei in ihren Entscheidungen und in den folgenden Abstimmungen nicht mehr an das Wählervotum gebunden. Trump könnte also im parteipolitischen Ränkespiel überstimmt werden.

Entsprechend verärgert zeigt sich Donald Trump über solche Tricksereien. „Es ist traurig, dass zwei gestandene Politiker zu solchen Absprachen gegen eine Person greifen müssen, die erst seit zehn Monaten in der Politik ist“, so der Frontrunner der republikanischen Partei. Das Ganze zeige wieder einmal, wie manipuliert das gesamte System der Vorwahlen der Partei sei und es bestärke ihn nur darin, „zum Wohle der Partei und des Landes“ fortzufahren. Ted Cruz verteidigte die Aktion dagegen: „Trump als Kandidat wäre ein vollständiges Desaster für die Partei.“ Er würde nicht nur „von Clinton oder Sanders zerlegt“ werden, sondern die Partei um eine Generation zurückwerfen.

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