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Special

25.01.2016

14:26 Uhr

US-Vorwahlen

Warum Iowa so wichtig ist

In den USA fällt mit den Vorwahlen in Iowa der Startschuss zu den Präsidentschaftswahlen. Verteilt werden zwar nur wenige Stimmen. Doch wer in den „frühen Staaten“ verliert, hat kaum noch Chancen – und das hat Gründe.

Die Vorwahlen in den ersten Staaten wie Iowa oder New Hampshire gelten als wichtiger Gradmesser für die späteren Erfolgsaussichten bei den Präsidentschaftswahlen. dpa

Hillary Clinton in Iowa

Die Vorwahlen in den ersten Staaten wie Iowa oder New Hampshire gelten als wichtiger Gradmesser für die späteren Erfolgsaussichten bei den Präsidentschaftswahlen.

WashingtonDies ist der Auftakt zum größten Politikschauspiel der Welt. Dass hier nur knapp eineinhalb Prozent der Bevölkerung leben, macht nichts: Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf startet in einer Woche, am 1. Februar, mit Iowa der lange und komplizierte Prozess der Vorwahlen. Am 8. Februar folgt New Hampshire. Und wenn am 20. Februar die Republikaner in South Carolina gewählt haben, wird man schon genauer wissen, wohin die Reise im Kandidatenwunderland 2016 gehen wird.

Die sogenannten frühen Staaten sind in diesem Jahr besonders wichtig. Gefühlt dröhnt der US-Wahlkampf schon so lange wie nie, wird Umfrage um Umfrage abgefeuert, Bahnbrechendes versprochen, werden Millionen gesammelt, Zweckbündnisse aufgekündigt und Messer gewetzt. Wer jetzt nicht gut aus den Startlöchern kommt, der kann es gleich ganz lassen.

Früher Erfolg bringt Geld, neue Unterstützer und Aufmerksamkeit. Gesucht wird das berühmte „Momentum“, der Superfood-Mix aus dem Schwung des Augenblicks, dem situativen Recht des Stärkeren und dem Hellsten der Scheinwerfer. Momentan hat „The Donald“ ziemlich gute Karten. Bei Hillary Clinton weiß man es nicht.

Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl 2016

Die Ausgangssituation

Im November 2016 wählen die USA den Nachfolger von Präsident Barack Obama. Während bei Obamas Demokraten die frühere Außenministerin und ehemalige First Lady Hillary Clinton als große Favoritin für die Kandidatur gilt, zeichnet sich bei den Republikanern ein spannendes Nominierungsrennen ab.

Erstes Abtasten der Bewerber

Bei Demokraten und Republikanern hat das Rennen um das Weiße Haus in den vergangenen Monaten Fahrt aufgenommen. Die Bewerber sammelten Spenden, reisten zu Kundgebungen quer durch das Land und traten in parteiinternen TV-Debatten gegeneinander an. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Vorentscheidung beim Super-Dienstag

Am 1. Februar finden traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen die ersten Vorwahlen statt, gefolgt von den Abstimmungen in New Hampshire am 9. Februar. Die Ergebnisse aus Iowa: Bei den Demokraten lag Hillary Clinton hauchdünn vor Bernie Sanders, die Republikaner sehen Ted Cruz vor Milliardär Donald Trump.

Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Juni, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Eine Vorentscheidung könnte beim sogenannten Super-Dienstag am 1. März fallen, wenn 13 Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

„Primary“- und „Caucus“-System

Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Unterschieden wird je nach Bundesstaat auch zwischen dem „Primary“-System, bei dem Bürger den ganzen Tag ihre Stimme in einem Wahllokal abgeben können, und dem „Caucus“-System, bei dem sich Parteimitglieder zu abendlichen Diskussionsrunden auf Ortsebene treffen und dabei abstimmen.

Kandidatenkür bei den Parteitagen

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei ins Rennen schicken. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

Die Republikaner halten ihre Convention vom 18. bis 21. Juli in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Heiße Wahlkampfphase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In drei Fernsehduellen am 26. September, 9. Oktober und 19. Oktober debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einem „October Surprise“ – einem unerwarteten Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Wenn Donald John Trump bei den Republikanern zwei der drei Vorwahlen gewinnt, wird er auf seinem Weg zum Kandidaten kaum noch aufzuhalten sein. Wenn er Iowa verlöre, etwa an den ziemlich starken und ziemlich unbeliebten Ted Cruz, hinge Trump plötzlich übler Loser-Geruch im Mantel. Und das hasst er, das hat er immer gesagt: Ich, Donald Trump, bin ganz ausschließlich ein Gewinner.

Die letzten Umfragen sprechen für Trump. Die allermeisten Experten haben alles revidiert, verstohlen oder offen, was sie seit dem Sommer 2015 geschrieben haben: Dass Trumps Kampagne sich auflösen werde, dass er gelangweilt hinwerfe, dass er unterirdisch inhaltsarm sei und ein undenkbarer Präsident. Trump braucht aber weder Partei noch Medien. Er musste nur die Wut breiter und bereiter Schichten im Land kanalisieren und entfachen. Sieht so aus, als könnte das reichen.

Auch noch im Rennen, und noch nicht ganz abgeschrieben, sind neben Cruz noch Jeb Bush (jetzt bei öffentlichen Auftritten brillenlos, vielleicht um den Blick härter zu machen), John Kasich und Marco Rubio. Die Republikaner, diese alte, stolze Partei, stehen schon vor dem Start in hellen Flammen. Establishment gegen Neulinge, jeder für sich, keiner für alle und König Trump auf seiner Insel: Die Vorwahlen werden zeigen, was der beginnende „Bürgerkrieg“, wie CNN das etwas lüstern nennt, von der Grand Old Party übriglässt.

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