Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

02.03.2016

18:27 Uhr

US-Wahl 2016

Auf der Suche nach dem „Trump-Killer“

VonNils Wischmeyer

Selbst die Republikaner wollen Donald Trump als nächsten US-Präsidenten unbedingt verhindern. Die letzte Chance dazu rückt näher. Damit die nicht verstreicht, startet die Partei einen verzweifelte Rettungsversuch.

Super Tuesday

Trump: „Wir werden eine starke Grenze haben“

Super Tuesday: Trump: „Wir werden eine starke Grenze haben“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Er provoziert, hetzt gegen Muslime, bezeichnet seine politischen Rivalen gerne mal als „hässlich“ und sinniert öffentlich über die Menstruation einer Moderatorin: Donald Trump (69) entsetzt die Bevölkerung in den USA mit seinem Wahlkampf und zusehends auch seine eigene Partei, die Republikaner. Und trotzdem marschiert der Immobilienmilliardär in den Vorwahlen von Sieg zu Sieg.

Allein am „Super Tuesday“ sicherte sich der Rechtspopulist die Mehrheit in sieben von elf Bundesstaaten. Auch wenn es paradox klingt: Viele Kritiker Trumps hatten gerade darauf gesetzt. Sie hofften, dass nach haushohen Siegen Trumps einige abgeschlagene Kandidaten freiwillig aus dem Rennen ausstiegen – und sie so Trump bei den folgenden Wahlen schwächen würden. Denn das hätte zur Folge, dass sich die Stimmen in den Vorwahlen nicht mehr auf so viele moderate Kandidaten verteilen würden. Ein Phänomen, das zurzeit vor allen Dingen Donald Trump hilft.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Um Trump zu stoppen, müssten demnach einige Kandidaten aus dem Rennen um die Nominierung aussteigen. So könnten die übrig gebliebenen Bewerber mehr Stimmen auf sich vereinen und damit Donald Trump besiegen. So jedenfalls das Kalkül. Die vermutlich letzte Chance dazu bietet sich am 15. März. Denn dann wird in gleich fünf Bundesstaaten gewählt, darunter die bevölkerungsreichen Länder Florida, Illionois und Ohio. Gewinnt der Rechtspopulist dort, wäre das ein gewaltiger Schritt hin zu den 1.237 Delegierten-Stimmen, die es braucht, um als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden. Können die anderen Kandidaten das nicht verhindern, würde Trump tatsächlich gegen die Demokraten Hillary Clinton oder Bernie Sanders ins Rennen gehen.

US-Vorwahlen: Giftige Spaltpilze

US-Vorwahlen

Premium Giftige Spaltpilze

Das US-Wahlsystem gibt Außen- und Quereinsteigern eine Chance – und Exzentrikern eine Bühne. Das Besondere diesmal: Sie haben auch eine reelle Chance. Friedrich Merz erwartet für uns Europäer noch einige Überraschungen.

Der ultrakonservative Kandidat Ted Cruz appelliert deshalb bereits an die anderen Bewerber: „An die Kandidaten, die noch keinen Staat gewonnen haben und keine Delegierten gewonnen haben: Ich bitte euch, dass wir uns vereinen. Das ist der einzige Weg Donald Trump zu schlagen.“

Doch dass die Bewerber sich Cruz anschließen, ist derzeit mehr als unwahrscheinlich. Denn auch wenn sich alle einig sind, dass ein einzelner Bewerber gegen Trump bessere Chancen hätte, will keiner freiwillig aus dem Rennen ausscheiden. Stattdessen nehmen die Kandidaten jeden noch so kleinen Erfolg als Grund, um zu zeigen, dass sie der bestmögliche „Trump-Killer“ sind.

Ted Cruz beispielsweise gewann in seinem Heimatstaat Texas und im erzkonservativen Oklahoma. Für ihn ein Beweis, dass er der Einzige ist, der es mit Donald Trump aufnehmen kann: „Wir sind die einzigen, die Donald Trump geschlagen haben – einmal, zweimal, dreimal“, sagte der Ultrakonservative nach dem „Super Tuesday“.

Ähnlich klingt es aus dem Lager des eher moderaten Marco Rubio. Er steht in vielen Umfragen nicht so gut dar, konnte aber am „Super Tuesday“ in Minnesota auch einen Sieg einfahren. Er hofft jetzt auf einen Lauf und will am 15. März die Stimmen in den moderaten Staaten für sich gewinnen. An Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht: In seinen Reden spricht er stets von der Zeit, „wenn ich Präsident der USA bin“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×