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Special

04.03.2016

08:51 Uhr

US-Wahl 2016

Republikaner-Kandidaten würden Trump unterstützen

Eine Fernsehdebatte zeigt, wie tief gespalten die Republikaner sind. Die Parteiführung will einen Kandidaten Trump verhindern. Die Kandidaten gehen mit Wucht aufeinander los. Doch der Abend findet ein unerwartetes Ende.

Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (v.l.) diskutieren bei der TV-Debatte in Detroit. Reuters

TV-Debatte der Republikaner

Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio, Donald Trump und Ted Cruz (v.l.) diskutieren bei der TV-Debatte in Detroit.

WashingtonDie jüngste TV-Debatte der Republikaner endete in der Nacht zum Freitag mit einer faustdicken Überraschung: Alle Bewerber im Rennen um das Weiße Haus versprachen, am Ende der Vorwahlen jeden Präsidentschaftskandidaten der Partei zu unterstützen – auch wenn dies Donald Trump sein sollte. Seine verbliebenen Konkurrenten Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich sagten dies dem Milliardär für den Falle seines Sieges nach den Vorwahlen zu.

Dieses Signal der Einigkeit war so nicht erwartet worden. Führende Parteivertreter versuchen seit Tagen mit Macht, einen Kandidaten Trump zu verhindern. Das Unterstützungs-Versprechen aller Kandidaten läuft dieser Strategie vollkommen zuwider.

Ein viel beachteter Auftritt Mitt Romneys in Utah hatte zuvor die Spaltung der Republikaner belegt. Der 2012 im Rennen gegen den Demokraten Barack Obama gescheiterte Präsidentschaftsbewerber rief dazu auf, Trump keinesfalls für die Kandidatur zu nominieren.

Trump sei ein Trugbild, sagte Romney. Seine Innenpolitik führe in eine Rezession, seine Außenpolitik mache die USA und die Welt unsicherer. „Er hat weder die Veranlagung noch das Urteilsvermögen, um Präsident sein zu können.“

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Es ist unklar, ob Romneys vehementer Auftritt Trump wirklich schaden kann – oder ob er ihm gar nutzt. Zumindest den Anhängern Trumps gilt Romney als Inbegriff genau jenes Establishments, das sie vehement ablehnen.

Weite Teile der Debatte in Detroit bestanden aus heftigen gegenseitigen Anwürfen sowie dem erfolglosen Versuch, den führenden Bewerber Donald Trump niederzuringen. Bei der elften TV-Auseinandersetzung der Republikaner handelte es sich weniger um eine echte inhaltliche Debatte als einmal mehr um eine regelrechte Donald-Trump-Show, obwohl der Milliardär nicht seinen besten Abend hatte.

„Dieser kleine Junge verbreitet ständig Lügen über mich“, sagte Trump an die Adresse Marco Rubios und nannte ihn öfter „kleiner Marco“. „Wir werden die Partei Lincolns und Reagans nicht an jemanden aushändigen, der keine konservativen Werte teilt“, gab Rubio zurück. Er gilt als jener Bewerber, der am ehesten die Linie des Partei-Establishments vertritt.

„Donald Trump hat die Korruption in Washington jahrelang unterstützt“, sagte der erzkonservative Kandidat Ted Cruz über Trump. „Herumzubrüllen und zu fluchen, macht einen noch nicht zu einem starken Mann.“

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