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Special

10.02.2016

19:58 Uhr

US-Wahl 2016

Trump gefährdet Wahlsieg der Republikaner

Sollte Donald Trump von den Republikanern nominiert werden, hätte Hillary Clinton gute Chancen darauf, erste US-Präsidentin zu werden. Der Grund sind die Minderheiten. Ein Gastbeitrag des Politologen Josef Braml.

Der Immobilien-Milliardär Donald Trump hat die Vorwahl in New Hampshire gewonnen und liegt in landesweiten Umfragen vorn. AFP

Trump will ins Weiße Haus

Der Immobilien-Milliardär Donald Trump hat die Vorwahl in New Hampshire gewonnen und liegt in landesweiten Umfragen vorn.

Donald Trumps Erfolge verdeutlichen ein grundlegendes Problem: Die meisten Amerikaner haben mittlerweile eine tiefe Abneigung gegen die etablierte Politik. Das für sie wichtigste „Thema“ im Vorfeld der Wahlen ist laut Umfragen nicht etwa Terrorismus, auch nicht die Wirtschaft oder Arbeitsplätze – sondern die Tatsache, dass eine Handvoll ihrer Landsleute zu viel Einfluss auf die Politik haben. Dass das politische System korrumpiert ist.

Nur so ist der Erfolg des selbsterklärten Sozialisten Bernie Sanders im „Land der Freien“ zu erklären. Ted Cruz und Donald Trump, die zwei republikanischen Bewerber, die nach dem ersten Vorwahlterminen in Iowa und New Hampshire vorne liegen, wären in normalen Zeiten ebenso wenig denkbar. Bezeichnenderweise kann Trump, der sagt: „Mich kann keiner kaufen, weil ich selber so viel Geld habe“, dermaßen punkten.

Trump geht auch durchaus taktisch vor, wenn er den Ressentiments vieler weißer Amerikaner entspricht und Einwanderer pauschal als  Verbrecher stigmatisiert. Damit konnte er bereits dem Parteifavoriten Jeb Bush den Wind aus den Segeln nehmen.

Auch Bushs politischer Ziehsohn Marco Rubio läuft Gefahr, in den republikanischen Vorwahlen zu scheitern. Denn die beiden sind in der Einwanderungsfrage sehr liberal eingestellt, während Trump die radikale Gegenposition einnimmt. Mit seiner chauvinistischen Haltung kann er in den Vorwahlen der Republikaner weiter Boden gewinnen.

Bei den Hauptwahlen würde Trump damit jedoch keinen Blumentopf holen. Das sieht auch die Parteielite der Republikaner so und beobachtet seine Kandidatur mit Entsetzen. Gleichwohl konnte sie seinen kometenhaften Aufstieg bislang nicht verhindern. Das Phänomen Trump ist ein weiterer Beleg dafür, dass es in den USA keine Parteien nach unserem Verständnis gibt. US-Parteien spielen keine Rolle in der Politikgestaltung, es gibt keine Fraktions- oder Parteidisziplin.

Selbst die Minimalfunktion als Wahlvereine haben sie mittlerweile an Interessengruppen und Milliardäre verloren. Dazu zählen die Ölmilliardäre Charles und David Koch, die ihr eigenes Netzwerk pflegen und die vermeintliche Graswurzelbewegung der Tea Party finanzieren, die Ted Cruz als ihren Fahnenträger auserkoren hat.

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