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Special

20.12.2016

17:38 Uhr

US-Wahl 2016

Trumps Kabinett begeistert Anhänger

Wenige Wochen vor dem Amtswechsel im Weißen Haus ist die Kritik am künftigen Präsidenten Donald Trump allgegenwärtig. Doch unter seinen Anhängern herrscht weiterhin Aufbruchsstimmung. Nur wenige finden kritische Töne.

Der designierte US-Präsident kann seine Anhänger auch weiterhin begeistern. AP

Donald Trump

Der designierte US-Präsident kann seine Anhänger auch weiterhin begeistern.

New YorkDie Personalwahl des künftigen US-Präsidenten Donald Trump ist höchst umstritten. Kritiker sprechen unter anderem von einem Kabinett der Superreichen. In den Augen seiner Anhänger hingegen macht Trump nur das, was er im Wahlkampf angekündigt hat: den Sumpf in Washington trockenlegen. Die Nachrichtenagentur AP hat einige Trump-Wähler nach ihrer Meinung gefragt.

„Diese Typen, die er holt, müssten das nicht tun. Sie sind finanziell unabhängig“, sagt Roger Mansfield. Der 67-Jährige führt ein kleines Unternehmen in Carlisle im US-Staat Pennsylvania. „Sie brauchen nicht noch mehr Geld. Ihre Motivation ist, pragmatische, vernünftige Geschäftsentscheidungen zu treffen“, sagt Mansfield. „Was sollte daran falsch sein?“

Der 60-jährige John Barnes aus Albuquerque hält nichts von dem Vorwurf, den künftigen Ministern mangele es an politischer Erfahrung. Ihm gefalle, dass Trump Außenstehende anheuere, sagt der ehemalige Luftwaffenbedienstete.

Wesley Lewis aus Sandy Hook im US-Staat Kentucky findet es gut, dass Trump drei Exgeneräle in die Regierung holen will: James Mattis als Verteidigungsminister, John Kelly als Heimatschutzminister und Michael Flynn als Nationalen Sicherheitsberater. Skeptisch sieht der 67-Jährige dagegen die Nominierung des Exxon Mobil-Chefs Rex Tillerson, der Außenminister werden soll. Tillerson steht besonders wegen seiner engen Verbindung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Kritik.

„Ich glaube nicht, dass wir mit Russland oder China dick befreundet sein müssen“, sagt Lewis. „Wir müssen stark bleiben und helfen, wo wir können.“

Zu Trumps Versprechen, Arbeitsplätze zu retten oder aus dem Ausland zurückzuholen, meint die Fabrikarbeiterin Rebecca Zbichorski: „Ich denke, er übertreibt ein bisschen. Ich bin mir da nicht so sicher“, sagt die 28 Jahre alte Irakkriegsveteranin aus Milwaukee.

Jack Stauffenberg klingt dagegen deutlich euphorischer. „Schauen Sie sich nur den Aktienmarkt an“, sagt der 65-Jährige aus New Tripoli in Pennsylvania. „Das zeigt doch, wie optimistisch das Land gerade ist.“ Die Amerikaner spürten, so Stauffenberg, dass es eine Art Neuanfang gebe.

Voll des Lobes ist auch Jimmy McDonald, ein leitender Bankangestellter aus Tazewell County in Virginia. „Ich bin hocherfreut“, sagt der 57-Jährige. In Appalachia wurden einige entlassene Bergleute kurz vor Trumps Wahl wiedereingestellt, unter anderem, weil der Preis für Kokskohle angestiegen war.

McDonald hält das für Trumps Verdienst. „Trump hat im Wahlkampf den Fokus darauf gerichtet, als er begann, über die Bergleute zu reden. Und die Kohlezüge rollen, Mann“, sagt er. „Die Leute sind begeistert. Es liegt jetzt einfach eine andere Stimmung in der Luft.“

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Die 56-jährige Eileen Barlow freut sich über die Ankündigung der künftigen Bildungsministerin Betsy DeVos, Privatschulen zu fördern. „Ich mag die Belehrung an den staatlichen Schulen nicht“, sagt Barlow, die einen kleinen Enkel hat. „Sie stellen die Theorie der Evolution als Wahrheit dar.“

Und wenn sie sich etwas von Trump wünschen könnten? Zbichorski hält mehr Zurückhaltung auf Twitter für angebracht. Sie fürchtet, dass Trump einen ausländischen Staatschef in einem Tweet beleidigen und dadurch internationale Spannungen provozieren könnte. Als Präsident müsse er „taktvoller und professioneller“ agieren. „Im Moment ist er einfach so, wie er ist. Ohne Filter“, urteilt die Fabrikarbeiterin.

Mansfield sagt, er vertraue darauf, dass Trump im besten Interesse des Landes handele. „Haben wir eine Wahl? Wir müssen ihm vertrauen. Er wird unser Präsident“, sagt Mansfield. „Mein Bauch sagt mir, dass er das Richtige tun wird.“

Von

ap

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