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Special

05.04.2016

08:37 Uhr

US-Wahl

Angst vor Donald Trump

Der Siegeszug von Donald Trump beunruhigt Wirtschaft und Ökonomen. Sie fürchten negative Folgen für Freihandel und Weltkonjunktur, sollte Trump Präsident werden. Am Dienstag wird in den USA wieder gewählt.

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump könnte bald im Weißen Haus sitzen. Der deutschen Wirtschaft bereitet das große Sorgen. AP

Wer soll ihn noch stoppen?

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump könnte bald im Weißen Haus sitzen. Der deutschen Wirtschaft bereitet das große Sorgen.

BerlinTrotz aller gegenteiligen Prognosen ist Donald Trump der erfolgreichste US-Präsidentschaftsbewerber der Republikaner. Der Unternehmer und Milliardär hat bei den bisherigen Vorwahlen mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen gewonnen.

Am Dienstag findet die nächste US-Vorwahl statt, im Bundesstaat Wisconsin. Der erfolgsverwöhnte Trump dürfte zwar dieses Mal eine Schlappe einstecken. In Umfragen führt Ted Cruz – in den jüngsten Erhebungen liegt er im Schnitt um sieben Prozentpunkte vor Trump, wie Berechnungen des Umfrageinstituts Real Clear Politics ergeben. Doch der Vorsprung des populistischen Republikaners ist so groß, dass er eine Niederlage gut verkraften kann. Trump kommt auf 735 Delegiertenstimmen. Dahinter folgen mit weitem Abstand Cruz (461) und Marco Rubio (171).

Wirtschaftsvertreter und Ökonomen blicken besorgt auf den Siegeszug von Trump. Befürchtet werden vor allem negative Folgen für den Handel und ein Scheitern des geplanten Freihandelsabkommens TTIP zwischen den USA und Europa, sollte Trump US-Präsident werden sollte. Das britische Magazin „Economist“ sieht eine Präsidentschaft von Trump sogar unter den zehn größten Risiken für die Weltkonjunktur.

„Falls Trump tatsächlich eins zu eins das wahr macht, was er jetzt unter dem Slogan ’Make America great again’ ankündigt, würde der amerikanische Handel mit vielen Ländern leiden, nicht nur mit Deutschland“, sagte Reinhold Festge, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), im Interview mit Bloomberg.

Trumps wirtschaftspolitische Vorstellungen hätten „protektionistische Züge“, sagte Festge. „Und mehr Protektionismus in Amerika ist das letzte, was die deutsch- amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen brauchen.“ Dies würde auch den USA selbst schaden.

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Trump hatte wiederholt gegen den Freihandel gewettert. So machte er das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta für den Verlust Hunderttausender Industriejobs in den USA verantwortlich. Außerdem ist er erklärter Gegner des gerade beschlossenen Abkommens TTP für den Pazifikraum und hat hohe Strafzölle gegen China und Mexiko angedroht. „Gehen die USA mit schlechtem Beispiel voran, kann das internationale Reaktionen auslösen - zum Schaden nicht zuletzt der deutschen Wirtschaft“, warnte Berenberg-Chefvolkswirt Schmieding.

„Noch ist völlig offen, ob Donald Trump die nötigen Stimmen für eine Kandidatur überhaupt zusammenbekommt, und welche Politik ein Präsident Trump dann wirklich machen würde“, sagte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes BdB, Andreas Krautscheid. „Klar ist aber: Ein US-Präsident, der auf Isolationismus, Protektionismus und Ausgrenzung setzt, wäre weder erfolgreich noch ein handlungsfähiger Partner für Deutschland und Europa.“

Der VDMA und der Bankenverband stehen mit ihren Sorgen nicht allein da. Auch der Verband der Familienunternehmer hat bereits vor Hemmnissen für den transatlantischen Handel gewarnt, sollte Trump – und damit ein „nationalistischer und protektionistischer“ Politiker – US-Präsident werden. „Das hätte dann spürbare Folgen für die deutsche Wirtschaft mit ihren vielen Familienunternehmen“, sagte Verbandspräsident Lutz Goebel. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sagte: „Jeglicher Protektionismus ist für die exportabhängige deutsche Wirtschaft eine erhebliche Belastung.“

Die USA sind im vergangenen Jahr zum wichtigsten Abnehmer deutscher Exportwaren geworden und lösten damit Frankreich ab, das seit 1961 ununterbrochen an der Spitze gestanden hatte. Die deutschen Warenexporte in die Vereinigten Staaten schnellten 2015 um fast 19 Prozent auf 114 Milliarden Euro nach oben.

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