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Special

05.11.2016

20:46 Uhr

US-Wahl

Die bizarre Allianz zwischen radikalen Hindus und Trump

VonFrederic Spohr

Radikale Hindus verbrennen in Delhi Plakate von Hillary Clinton und beten für Donald Trump. Sie feiern den Milliardär für seinen anti-muslimischen Kurs. Ihre Faszination könnte auch Auswirkungen auf den Wahlkampf haben.

Trump oder Clinton

Was bedeutet die Wahl für die Außenpolitik?

Trump oder Clinton: Trump oder Clinton: Was bedeutet die Wahl für die Außenpolitik?

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BangkokDie Hölle hat drei Eingänge, heißt es in der hinduistischen Schrift Bhagavad Gita: Gier, Zorn und Wollust. Da könnte man meinen: Für strenggläubige Anhänger der Religion ist ein Milliardär, dem Kritiker vor allem Jähzorn und Sex-Skandale vorwerfen, eher die zweite Wahl. Doch für viele ist genau das Gegenteil der Fall.

Tausende Kilometer entfernt von Washington, in den staubigen Straßen von Indiens Hauptstadt Neu Delhi, findet man Donald Trumps glühendste Anhänger: Immer wieder folgten erzkonservative Hindus dem Ruf der radikalen Gruppe Hindu Sena („Armee der Hindus”), um für einen Wahlsieg des Milliardärs zu beten und Feuerrituale abzuhalten. Gelegentlich geht es auch ruppiger zu und die Hindu-Nationalisten verbrennen Plakate von Hillary Clinton.

Vorwürfe gegen Trump

Lücken und Lügen

Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und gezielter Propaganda ist aber fließend. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.

Bedenkliche Äußerungen

Einmal sagte Trump, er würde Waterboarding – also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken – wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten.

Frauenfeindlichkeit

Zahlreiche Affären werden Trump nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Trump, dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.

Steuern vermieden

Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe. Die „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.

Gesundheitszustand

Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.

Die bizarre Allianz zwischen erzkonservativen Hindus und Donald Trump könnte tatsächlich Auswirkungen auf den Wahlkampf in Amerika haben. Das Wählerpotential ist groß: Rund drei Millionen indischstämmige Amerikaner wohnen in den Vereinigten Staaten, mehr als die Hälfte von ihnen sind Hindus. Die zweitgrößte Einwanderergruppe des Landes ist wohlhabender und hat eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als der Durchschnittsamerikaner – ein interessantes Klientel für Politiker.

Zwar wählen die meisten Indo-Amerikaner traditionell demokratisch – nur rund 13 Prozent sehen sich laut dem Meinungsforschungsinstitut Pew den Republikanern nahestehend. Doch bei den konservativen Hindus in den USA rechnet sich Trump Chancen aus.

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