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Special

12.08.2016

14:27 Uhr

US-Wahl

Donald Trump – ein Fall für den Psychiater?

Der Präsidentschaftskandidat soll sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen. Dafür macht sich eine US-Abgeordnete mittels einer Petition stark. Amerikas Psychiater müssen dagegen zu Donald Trump schweigen.

Ist dieser Mann zurechnungsfähig? Daran zweifeln viele. Imago

Donald Trump

Ist dieser Mann zurechnungsfähig? Daran zweifeln viele.

WashingtonEin Narzisst, ein Soziopath ohne Selbstkontrolle und ohne Mitgefühl: So mancher Amateur-Psychologe ist sich in der Beurteilung des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sehr sicher. Von den ausgebildeten Psychologen sind jedoch kaum Kommentare zu hören. Und das hat seinen Grund: Der amerikanische Berufsverband hat seinen Mitgliedern verboten, öffentlich Diagnosen über Menschen anzustellen, die sie nie untersucht haben.

In den sozialen Medien und den Meinungsseiten der Zeitungen häuft sich in den vergangenen Tagen die Küchenpsychologie. Zuletzt ging es darum, dass Trump am Dienstag indirekt zur Waffengewalt gegen seine demokratische Rivalin Hillary Clinton aufgerufen hatte. Nicht nur Trumps politische Gegner waren entsetzt. US-Präsident Barack Obama hat den republikanischen Kandidaten als ungeeignet für das Amt bezeichnet und eine demokratische Kongressabgeordnete startete eine Petition, mit der Trump gezwungen werden soll, sich einer psychiatrischen Untersuchung zu unterziehen.

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Hat sie Donald Trump noch alle? Die psychische Gesundheit des US-Präsidentschaftskandidaten wird gern in Zweifel gezogen. Doch seelische Krankheiten können ein Vorteil sein, wie das Beispiel berühmter Politiker zeigt.

Die Mitglieder des Verbands Amerikanische Psychiater unterliegen einer 43 Jahre alten Anordnung, der sogenannten Goldwater Rule, benannt nach dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 1964, Barry Goldwater. Wer gegen die Regel verstößt, kann vom Verband abgemahnt und schließlich ausgeschlossen werden.

In der aktuellen politischen Lage sagen jedoch manche Mitglieder, sie fühlten sich verpflichtet, öffentlich über ihre Sorgen angesichts des Kandidaten zu sprechen. Andere wiederum betrachten solche Analysen über Trump als gefährlich und befürchten, dass falsche Schlüsse gezogen werden. Die Nachrichtenagentur AP sprach mit elf Psychiatern und Psychologen, die sich uneins darüber waren, ob die geistige Gesundheit Trumps öffentlich diskutiert werden sollte.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

Die Analyse eines Patienten, ohne ihn getroffen zu haben und ohne seine Krankheitsgeschichte zu kennen, „wird wahrscheinlich falsch sein, wird der Person wahrscheinlich schaden und ihn wahrscheinlich davon abhalten, sich psychiatrische Hilfe zu suchen“, erklärt Paul Appelbaum von der Columbia University, der in der Vergangenheit Präsident des Verbands war. Psychiater sollten so etwas darum auf keinen Fall tun. Der Verband veröffentlichte in diesem Monat sogar eine Warnung auf seiner Webseite, dass die Mitglieder keinesfalls Kandidaten analysieren sollten. „Das wäre unethisch und unverantwortlich“, hieß es.

Einige wenige Experten äußern sich dennoch öffentlich zu Trump und bemühen sich, den schmalen Grat zwischen einer Diagnose und der simplen Beschreibung seiner öffentlichen Äußerungen nicht zu überschreiten. Einer von ihnen ist Jerome Kroll von der Universität von Minnesota. Er ist Co-Autor eines akademischen Kommentars, in dem die Abschaffung der Goldwater Rule gefordert wird. „Ich bin ein Bürger. Wenn ich etwas sage, dann ist das vielleicht dumm. Was ich sage, ist vielleicht peinlich für die Psychologie, aber es ist nicht unethisch“, sagt Kroll. Er denke, dass Trump der Beschreibung eines „Narzissten“ sehr nahe komme. „Ich glaube, das würde ihn disqualifizieren. Ich breche damit jetzt gerade die Goldwater-Regel.“

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