Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

12.10.2016

08:25 Uhr

US-Wahl

Trump feuert gegen die eigene Partei

Der Riss zwischen Donald Trump und seiner eigenen Partei wird immer tiefer. Nachdem sich führende Republikaner von ihm losgesagt haben, reagiert der Immobilienmogul schroff. An Schadensbegrenzung denkt Trump gar nicht.

US-Wahlkampf 2016

Nach TV-Duell: Womit kann Trump noch punkten?

US-Wahlkampf 2016: Nach TV-Duell: Womit kann Trump noch punkten?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WashingtonDer Streit zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und führenden Vertretern seiner eigenen Partei eskaliert. Trump warf dem mächtigen Republikaner Paul Ryan und anderen am Dienstag vor, seinen Wahlkampf zu torpedieren. Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, hatte sich am Vortag von dem Kandidaten losgesagt.

Im Kurznachrichtendienst Twitter setzte Trump gleich mehrere Botschaften ab, in denen er seiner Wut freien Lauf ließ. Ryan nannte er eine „schwache und erfolglose Führungsfigur“. Abtrünnige Republikaner seien viel problematischer als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, klagte er weiter. „Sie greifen einen von allen Seiten an. Sie wissen einfach nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen zeigen.“ Die Loyalität im demokratischen Lager sei viel größer.

Er machte deutlich, dass ihm nichts daran gelegen ist, die Risse zu kitten. „Es ist so schön, dass mir die Fesseln abgenommen wurden, und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will.“

Der US-Wahlkampf nach dem zweiten TV-Duell

Ist die Wahl bereits entschieden?

Trumps Wahlkampf wird von dem Video und von seiner nur halbherzigen Entschuldigung sicher belastet. Die Debatte am Sonntag hat aber gezeigt: Trump kann einstecken und denkt gar nicht ans aufgeben. Der CNN-Kommentator John King bescheinigte ihm in St. Louis einen „definitiv stärkeren Auftritt“ als bei der ersten TV-Debatte, die er vor zwei Wochen klar verloren hatte.

Reichen die Punkte im 2. Duell für Trump?

Trumps Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence, zuletzt kritisch gegenüber Trump, gratulierte ihm zu einem „großen Sieg“. In einer CNN-Blitzumfrage sahen zwar 57 Prozent Clinton vorn, 63 Prozent aber waren von Trump positiv überrascht. Wie schon im Vorwahlkampf bediente Trump bewusst seine Klientel. Unsicher ist, ob das reicht, um die schwachen Umfragewerte bis zum 8. November zu drehen.

Wer hält vier Wochen vor dem Wahltermin noch zu Trump?

Trump hat großen Rückhalt in seiner Familie, was in der Öffentlichkeit zählt. Vor allem seine Tochter Ivanka, sein Sohn Eric und die Ehefrau Melanie weichen nicht von seiner Seite und zeigen demonstrative Solidarität – auch wenn der Weg nicht leicht ist. Zählen kann er auch auf die Anti-Establishment-Fraktion bei den Republikanern, seinen engeren Zirkel. Dazu gehören New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der frühere Neurochirurg Ben Carson, zwei seiner Kontrahenten im Vorwahlkampf. Ted Cruz, schärfster Widersacher bei den Vorwahlen, hat sich zumindest nicht distanziert.

Und wer führt die Absetzbewegung an?

Der Rückhalt in der Republikanischen Partei ist sicher gesunken. Ein Teil der Partei denkt schon an das Wahljahr 2020. Ein anderer fürchtet, von Trump in einen Abwärtsstrudel gezogen zu werden, der die Wiederwahl vieler Abgeordneter im Senat oder Repräsentantenhaus gefährdet. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und der Parteiveteran und Senator John McCain stehen an der Spitze der Trump-Kritiker bei den Republikanern. Aber auch aus den streng christlichen Staaten, etwa aus der Mormonen-Hochburg Utah, kommt heftige Kritik.

Gibt es eine innerparteiliche Verschwörung gegen Trump?

Der Verdacht kam auf – immerhin war Trumps Gesprächspartner in dem Video der TV-Moderator Billy Bush, ein Cousin des Ex-Präsidenten George W. Bush und seines Bruders Jeb Bush, der sich gegen Trump um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben hatte. George wie Jeb Bush gelten als ausgesprochene Kritiker Trumps, beide haben ihrem „Parteifreund“ die Unterstützung versagt. Anhänger Trumps beklagten, das Video sei ein bewusster Schlag des Partei-Establishments gegen Trump. Doch Billy Bush wurde inzwischen selbst Opfer der Veröffentlichung; der Sender NBC suspendierte ihn.

Wird der Wahlkampf noch schmutziger?

Viel tiefer kann das Niveau der Debatte fast nicht mehr sinken. Aber in der aufgeheizten Atmosphäre scheint eine rein sachliche Auseinandersetzung kaum mehr denkbar. In den vergangenen Tagen gab es bereits Hinweise, dass weitere kompromittierende Videomitschnitte aus Trumps Vergangenheit auftauchen könnten. Und die Enthüllungsplattform Wikileaks kündigte an, weitere E-Mails der Ex-Außenministerin Clinton publik zu machen.

Unterdessen kamen aber selbst aus seinem innersten Zirkel missfällige Töne. New Jerseys Gouverneur Chris Christie kritisierte Trump für seine frauenverachtenden Äußerungen aus dem geleakten Video. „Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar“, sagte Christie. Er erklärte aber auch, er werde weiter hinter Trump stehen. Christie gehört neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani zu den engsten Vertrauten des Kandidaten.

In den Aufnahmen aus dem Jahr 2005, die die „Washington Post“ am Freitag veröffentlicht hatte, brüstet sich der Unternehmer damit, dass er sich gegenüber Frauen alles erlauben könne.

Führende Vertreter der Republikaner hatten sich davon entsetzt gezeigt. Ryan, soll mehreren Abgeordneten am Montag in einem Telefongespräch gesagt haben, er wolle Trump nicht mehr verteidigen und sich stattdessen auf die Kongresswahlen konzentrieren.

Er ist als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der derzeit mächtigste Republikaner. Der 46-jährige haderte schon in der Vergangenheit mit Trump. Immer wieder kritisierte er ihn scharf, sprach ihm im Juni aber dennoch die Unterstützung zu. Zumindest offiziell hat er diese noch nicht zurückgenommen.

Ryans Bemerkungen wurden in amerikanischen Medien nun so interpretiert, als habe er die Präsidentschaftswahl schon verloren gegeben. Ihm scheint es nun vor allem darum zu gehen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Mehrere republikanische Senatoren müssen wegen Trump um ihre Wiederwahl bangen, darunter Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Paul Ryan: Spitzenrepublikaner hat Trump wohl abgeschrieben

Paul Ryan

Spitzenrepublikaner hat Trump wohl abgeschrieben

Wer steht jetzt noch an seiner Seite? Donald Trump ist nun offenbar auch beim mächtigsten Vertreter der Republikaner durchgefallen. Paul Ryan will nur noch für den Erhalt der Mehrheit im Repräsentantenhaus kämpfen.

Die zweite Kammer des Kongresses wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Die Demokraten müssten den Republikanern nur vier der zur Wahl stehenden 34 Senatorensitze abnehmen, um die Mehrheit zu haben.

Nach Bekanntwerden seiner sexistischen Äußerungen ist Trump in der Gunst der US-Wähler weiter hinter seine Rivalin Hillary Clinton zurückgefallen. Der Milliardär kommt in der aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos auf 37 Prozent. Für Clinton sprachen sich 45 Prozent der Befragten aus. 18 Prozent gaben an, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen. Vier Wochen vor der Wahl beträgt der Vorsprung der Demokratin damit acht Prozentpunkte. Vergangene Woche waren es fünf Punkte.

Die in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichte Umfrage wurde nach dem zweiten TV-Duell zwischen Trump und Clinton am Sonntag erstellt. Von den Befragten, die die Debatte zumindest teilweise verfolgten, fanden 53 Prozent, dass Clinton sich besser geschlagen habe. 32 Prozent hielten Trump für den Sieger.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.10.2016, 09:03 Uhr

Trump hatte schon von Anfang an Gegner innerhalb der Republikaner.
Und trotzdem hat er sich durchgesetzt und gerade auch deswegen.
Die US Wähler sehen....hier ist einer, der Trump heißt, der ein Mann ist, der weder gegen die Demokraten noch gegen die Republikaner ein Blatt vor den Mund nimmt.
Der Trump der ist einer der das Volk mit all seinen Höhen und Tiefen wiederspiegelt. Laut, Vulgär, Frech....das US Wahlvolk hat dieses "Korrektheit der Wallstreet Politik" der Demokraten satt und das hat Trump erkannt. Darum haut der so auf den Putz ohne eine Blatt vor den Mund zu nehmen.
Und genau das will das US Wahlvolk sehen und haben...einen Mann der sich nicht von irgendwelchen Lobbygruppen lenken lässt und frei und gerade aus seine Meinung sagt. 

!Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich!

Herr Toni Ebert

12.10.2016, 09:16 Uhr

wunderbare Unterhaltung dieses Spektakel, immer wieder ein Spaß, wenn die Show beginnt.

Aber immerhin, die Dummen sterben nie aus und immer wieder gibt es Menschen, die das alles für echt ansehen.

Herr Bernhard Ramseyer

12.10.2016, 09:58 Uhr

Im amerikanischen Wahlkampf wird seit Trump den Zuschauern etwas geboten, es ist nicht mehr langweilig wie in früheren Wahlkämpfen, überhaupt nicht zu vergleichen mit unseren "lame Ducks" .

Im Lager der Republikaner ist es nach der Wahl an der Zeit, dass einmal richtig ausgemistet wird. Hier gibt es offensichtlich auch einen Haufen von höchst unrealistischen Politikern, die 4 Wochen vor der Wahl den eigenen Kandidaten austauschen wollen. Gleich wer da antreten würde, die Chancen zu gewinnen wären mehr als mau.

Allerdings, eine Person die nicht nur gegen die andere Partei, sondern selbst gegen eigene Parteikollegen kämpfen muss und nicht zuückweicht, hat ein aussergewöhnliches - präsidiales - Standvermögen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×