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Special

28.08.2016

20:07 Uhr

US-Wahlen und die Generation Y

Null Bock auf Trump und Clinton

Die Generation Y hat gewaltigen Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl. Doch die Lebenswelten der Millennials gehen weit auseinander. Einig sind sie sich nur in einem Punkt: Von beiden Kandidaten halten sie nicht viel.

Was die Generation Y von Trump hält? Nicht viel. Allerdings auch nicht von Clinton. AFP; Files; Francois Guillot

Parodie

Was die Generation Y von Trump hält? Nicht viel. Allerdings auch nicht von Clinton.

New YorkDie ältesten Mitglieder der Generation Y waren bei den Anschlägen vom 11. September 2001 fast 20. Sie können sich an den wirtschaftlichen Wohlstand der 90er Jahre erinnern und an die Amtszeit des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Die jüngsten Millennials dagegen gehen erst jetzt auf die 20 zu und kennen kein Leben ohne wirtschaftliche Sorgen und Angst vor Terror.

Die Jahrtausender haben die Babyboomer in den USA als größte lebende Generation abgelöst. Mehr als 75 Millionen der etwa zwischen 1980 und 1999 geborenen Amerikaner sind inzwischen volljährig. Weniger als drei Monate vor der Präsidentenwahl sind den Wahlkämpfern die Werte der jungen Leute ein Rätsel. Das einzige, was diese eint, ist ihre fast greifbare Enttäuschung über die Politik.

Als Teil einer Serie über die Spaltung in den USA hat die Nachrichtenagentur AP sieben Millennial-Wähler in fünf Staaten interviewt, in denen die Generation im Herbst großen Einfluss auf das Wahlergebnis haben dürfte.

Sie bilden ein Mosaik: Von einem schwarzen Teenager aus Nevada, der zum ersten Mal seine Stimme abgibt, über den in Florida geborenen Sohn lateinamerikanischer Einwanderer bis zum christlichen Paar aus Ohio. Ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten machen deutlich, wieso das Wahlverhalten der Digital Natives für die Meinungsforscher völlig unberechenbar ist.

Trumps wirtschaftspolitische Pläne

Wirtschaft/Finanzen

Trump will für mehr Wachstum in der US-Wirtschaft sorgen. „Bessere Jobs und höhere Löhne“, lautet eines seiner Kernziele. Der Immobilien-Unternehmer will die Staatsschuldenlast der USA von fast 19 Billionen Dollar abbauen. Er bezeichnet die Schuldenlast als unfair gegenüber der jungen Generation und verspricht: „Wir werden Euch nicht damit alleine lassen“. Defiziten im Staatshaushalt will er ein Ende bereiten.

Steuern

Trump hat umfangreiche Steuersenkungen sowohl für die Konzerne als auch für Familien und Normalverdiener angekündigt. Er spricht von der größten „Steuer-Revolution“ seit der Reform von Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren. Wer weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient, soll dank eines Freibetrages künftig gar keine Einkommensteuer mehr zahlen. Den Höchstsatz in der Einkommensteuer will er von momentan 39,6 Prozent auf 33 Prozent kappen. Ursprünglich hatte er eine Absenkung auf 25 Prozent in Aussicht gestellt. Die steuerliche Belastung für Unternehmen will Trump auf 15 Prozent von bislang 35 Prozent vermindern. Das soll US-Firmen im internationalen Wettbewerb stärken. Firmen, die profitable Aktivitäten aus dem Ausland nach Amerika zurückholen, sollen darauf eine Steuerermäßigung erhalten. Die Erbschaftsteuer will der Republikaner ganz abschaffen. Eltern sollen in größerem Umfang Kinderbetreuungs-Ausgaben steuerlich absetzen können.

Jobs

Trump verspricht, der „größte Job-produzierende Präsident“ der USA zu werden, „den Gott jemals geschaffen hat“. Bereits als Unternehmer habe er Zehntausende neue Stellen geschaffen.

Handel

Um amerikanische Arbeitsplätze zu sichern, will Trump die Zölle auf im Ausland hergestellte Produkte anheben und die US-Wirtschaft insgesamt stärker gegen Konkurrenz aus dem Ausland schützen. China, aber auch Mexiko, Japan, Vietnam und Indien wirft Trump beispielsweise vor, die Amerikaner „auszubeuten“, indem sie ihre Währungen zum Schaden von US-Exporten abwerten und manipulieren.

Freihandelsabkommen

Das angestrebte transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) lehnt Trump ab. Für ihn schadet ein freierer Zugang der Europäer zum US-Markt – vor allem zum staatlichen Beschaffungsmarkt – den amerikanischen Firmen. Das geltende Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta will er neu verhandeln, die TPP-Handelsvereinbarung mit asiatischen Staaten aufkündigen. Trump setzt generell anstatt auf multilaterale Handelsabkommen, etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation, auf bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten und Wirtschaftsräumen.

China

Die Handelsbeziehungen zu China, der nach den USA zweitgrößten Wirtschaftsmacht weltweit, will Trump grundlegend überarbeiten. Er wirft der Volksrepublik vor, ihre Währung künstlich zu drücken, um im Handel Vorteile zu erlangen. Er will das Land daher in Verhandlungen zwingen, damit Schluss zu machen. Auch „illegale“ Exportsubventionen soll die Volksrepublik nicht mehr zahlen dürfen. Verstöße gegen internationale Standards in China sollen der Vergangenheit angehören. Mit all diesen Maßnahmen hofft er, Millionen von Arbeitsplätzen in der US-Industrie zurückzugewinnen.

Energie- und Klimapolitik

In der Energie- und Klimapolitik hat Trump eine Kehrtwende angekündigt. Er will die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern und eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger einläuten: „Wir werden die Kohle retten.“ Die umstrittene Fracking-Energiegewinnung sieht Trump positiv.

Regulierung

Trump verspricht der Wirtschaft eine umfassende Vereinfachung bei den staatlichen Vorschriften. Er werde ein Moratorium für jede weitere Regulierung durch die Behörden verhängen, kündigte er an. Trump will Milliarden in die Hand nehmen, um Straßen, Brücken, Flughäfen und Häfen zu bauen und zu modernisieren. Finanzieren will er das unter anderem dadurch, dass die US-Verbündeten einen größeren Teil an den Kosten für Sicherheit und Verteidigung in der Welt übernehmen sollen.

„Die Millennials sind als apathisch beschrieben worden, aber das sind sie überhaupt nicht“, sagt die 26-jährige Diana Downard, die nach eigenem Bekunden Hillary Clinton wählen wird. „Millennials haben ein sehr differenziertes Politikverständnis.“

Nur fünf Prozent von ihnen stimmten in einer aktuellen Umfrage mit dem Titel „GenForward“ der Aussage zu, die USA seien heute „großartiger als je zuvor“. Für die erste Erhebung dieser Art befragten das Black Youth Project der Universität von Chicago und das Norc-Forschungszentrum für öffentliche Angelegenheiten der AP junge Leute im Alter zwischen 18 und 30 Jahren.

Die 21-jährige Briana Lawrence aus den Südstaaten sagt, sie wünsche sich eine Rückkehr zum früheren Amerika. Die Absolventin der North Carolina Central University und Videokünstlerin will ebenfalls für Clinton stimmen. Am 11. September 2001 war sie erst sieben Jahre alt und die Zeit danach ist in ihrer Erinnerung die einzige, in der das Land vereint war. „Meine größte Hoffnung für dieses Land ist, dass wir wieder zu einer Gemeinschaft werden können“, sagt Lawrence.

Das fällt nicht leicht, wenn junge Leute wie sie schon beim Eintritt ins Erwachsenenalter mit Tausenden Dollar verschuldet sind. Wirtschaftliche Probleme treiben viele Millennials um, die unter der erdrückenden Last von Studiendarlehen Mühe haben, einen Job zu finden. Nur acht Prozent bezeichnen der GenForward-Umfrage zufolge ihre finanzielle Situation als „sehr gut“.

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