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Special

04.11.2016

13:46 Uhr

US-Wahlkampf

Clinton setzt auf den blauen Schutzwall

VonAlexander Demling

Hillary Clinton tourt durch den Mittleren Westen. Die Auftritte der Demokratin sind ein Eingeständnis: Statt auf einen Erdrutschsieg hoffen zu können, muss sie ihren Vorsprung auf Donald Trump verteidigen.

Die Demokratin bei einem Auftritt am Donnerstag mit Sänger Pharrell Williams und Rivale im Vorwahlkampf, Bernie Sanders. AFP; Files; Francois Guillot

Hillary Clinton

Die Demokratin bei einem Auftritt am Donnerstag mit Sänger Pharrell Williams und Rivale im Vorwahlkampf, Bernie Sanders.

Washington/Es ist schwer zu wissen, wo Hillary Clinton am heutigen Freitag am liebsten wäre. In Arizona vielleicht, Georgia, vielleicht sogar Texas. Sicher ist: Es ist nicht Detroit. Die einstige Auto-Hochburg Amerikas, Heimat der Opel-Mutter General Motors, liegt in Michigan. Auf die Stimmen aus dem gewerkschaftlich geprägten Arbeiterstaat konnten sich Demokraten bei Präsidentschaftswahlen meistens verlassen, seit Bill Clintons Zeiten haben sie dort nicht mehr verloren.

Doch die Reise in die bröckelnde Industriestadt bleibt seiner Ehefrau und Nachfolgerin als Kandidatin nicht erspart. In einer historischen Markthalle wird sie dort erklären, wie sie die verschwundenen Fabrikjobs ersetzen will und das weitere Ausbluten der schrumpfenden Ex-Metropole verhindern will. Geschrumpft ist nämlich auch ihr Vorsprung auf Donald Trump in dem Staat. Der Milliardär macht sich schon Hoffnung, den Staat holen zu können.

An Halloween hielt er dort zwei Wahlkampfreden ab. Sein Vize Mike Pence, Gouverneur des Nachbarstaates Indiana, spricht einige Stunden vor Clinton in einem Flugzeughangar in der Hauptstadt Lansing. Die ungewohnte Aufmerksamkeit der Republikaner zeigt Wirkung, zumindest ein wenig: Die Nachrichtenseite Politico zählt den Staat als „Battleground State“, den beide Lager für sich gewinnen könnten.

US-Wahl: Kann man sich auf die Umfragen verlassen?

Wie verlässlich sind die Meinungsforscher in den USA?

Bei den etablierten Instituten lässt sich nachschlagen, wie gut sie bei zurückliegenden Wahlen gelegen haben. Generell waren die Umfragen etwa 2012, beim zweiten Wahlsieg Barack Obamas, zu skeptisch dem Amtsinhaber gegenüber. Im Schnitt sahen die Umfragen noch am Tag vor der Wahl Obama nur um 0,7 Prozentpunkte vorn. Er gewann schließlich mit 3,9 Punkten vor Mitt Romney. Am dichtesten dran waren die Umfragen von ABC/Washington Post und von Pew Research, die den Amtsinhaber um jeweils drei Punkte vorne sahen.

Wird mit Demoskopie Politik gemacht?

Ja. Im Internet kursieren Dutzende Umfragen, die keinerlei wissenschaftliche Kriterien erfüllen und den einzigen Zweck haben, den einen oder anderen Kandidaten gut aussehen zu lassen. Nach den Fernseh-Duellen wurden zahlreiche Blitzumfragen veröffentlicht, in denen die Befragten zu 90 Prozent Donald Trump als Gewinner sahen. In seriösen Erhebungen lag Clinton vorn.

Welche sind die besten Institute?

Dem Ranking zufolge schneiden unter den größeren Instituten die Monmouth University und das gemeinsame Institut von ABC und „Washington Post“ am besten ab - mit einer ganz leichten Tendenz zu den Demokraten. Auch CBS/„New York Times“ haben ein ordentliches Rating, mit leichter Tendenz zu den Demokraten. Gallup, Rasmussen oder das Emerson College neigen dagegen dazu, die Republikaner leicht überzubewerten, sind aber seriös. Das gilt auch für die „Los Angeles Times“, die in den vergangenen Wochen Donald Trump deutlich positiver sah als andere Institute.

Warum liegen die einzelnen Umfragen teils so deutlich auseinander?

Die Institute arbeiten nach unterschiedlichen Methoden. Sie suchen sich die Stichprobe ihrer Befragten nach verschiedenen Kriterien und gewichten diese unterschiedlich – etwa was Wohnort, Alter, Geschlecht, Bildungsstand oder Einkommen angeht. Dies führt zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Was kann die Umfragen verfälschen?

Die Meinungsforscher können die Umfragen selbst beeinflussen, indem sie unterschiedlich gewichten. Viel mehr fürchten sie sich aber davor, von den Befragten belogen zu werden. In Großbritannien hat 2015 etwa der sogenannte „Shy Tory Factor“ – der Effekt, dass Wähler der Konservativen Partei den Meinungsforschern gegenüber ihre Wahlabsicht nicht zugeben – zu einer nicht für möglich gehaltenen Blamage der Meinungsforscher geführt. Ähnliches war auch beim Brexit-Votum zu beobachten. Trump sei geeignet, ähnliche Effekte auszulösen, glauben Experten – allerdings in jegliche Richtung.

Gibt es noch andere Vorhersagemethoden als Wählerumfragen?

Ja. Die Ratingagentur Moody's etwa stützt ihr Modell auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten – Wirtschaftswachstum, Benzinpreise oder die Beliebtheit des Amtsinhabers. Mit diesem Modell habe man seit Ronald Reagan richtig gelegen, heißt es von Moody`s. Es sagt einen glasklaren Sieg für Clinton voraus. Der deutschstämmige Professor Helmut Norpoth aus New York dagegen sieht mit seinem Modell Trump deutlich vorn. Er stützt sich einerseits auf die jeweilige Performance in den Vorwahlen, andererseits auf die Tatsache, dass eine Partei nur schwer mehr als acht Jahre die Macht im Weißen Haus innehaben kann.

Sehr wahrscheinlich ist ein Trump-Sieg in Michigan noch nicht, im Durchschnitt der Umfragen liegt Clinton in Michigan fünf bis sechs Punkte vorne. Doch schon die Tatsache, dass sie überhaupt persönlich um den Staat kämpfen muss, ist ein Problem und zeigt, dass sich das Rennen um die Präsidentschaft in den vergangenen Tagen gewandelt hat. Die letzten landesweiten Umfragen sehen Clinton noch zwei bis drei Prozentpunkte vor Trump, die Nachrichtensendungen sind voll mit Berichten über die FBI-Ermittlungen wegen ihres E-Mail-Servers.

In einer am Freitag veröffentlichten Erhebung der „Washington Post“ und des Senders ABC kommt Clinton auf 47 Prozent der Stimmen und Trump auf 44 Prozent. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage hatten beide Kandidaten gleichauf bei 46 Prozent gelegen. Befragt wurden für die neue Erhebung von Sonntag bis Mittwoch 1768 Erwachsene. Die Fehlertoleranz liegt bei 2,5 Prozentpunkten.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.11.2016, 17:44 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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