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Special

10.06.2016

18:04 Uhr

US-Wahlkampf

Der dreckige Twitter-Fight ums Weiße Haus

Twitter-Liebhaber Trump muss sich ausgerechnet auf seinem bevorzugten sozialen Netzwerk freche Worte von Rivalin Clinton gefallen lassen. Es poltert heftig im Netz – war das erst der Vorgeschmack?

Donald Trump und Hillary Clinton haben sich einen ersten ausgewachsenen Twitter-Kampf geliefert. dpa

Der Kampf ums Weiße Haus

Donald Trump und Hillary Clinton haben sich einen ersten ausgewachsenen Twitter-Kampf geliefert.

Donald Trump und Hillary Clinton haben sich einen ersten ausgewachsenen Twitter-Kampf geliefert. Trump hat angefangen, dann trollte Clintons Team den Rivalen - und am Ende schaltete sich auch noch der Republikaner-Chef ein.

Aber der Reihe nach. US-Präsident Barack Obama sprach am Donnerstag seine Unterstützung für die voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton aus - Grund genug für Trump, um sich postwendend darüber lustig zu machen. „Obama hat gerade der Betrügerischen Hillary seine Unterstützung gegeben. Er will vier weitere Jahren Obama - aber das will sonst niemand“, twitterte er.

Das ließ Clintons Wahlkampfteam nicht auf sich sitzen. „Lösch dein Nutzerkonto“, schoss es zurück. Die Aussage – auf Englisch „Delete your account“ – ist eine typische Reaktion in sozialen Medien, wenn jemand einen Witz ordentlich versemmelt hat.

Die Nachricht war aber auch viel mehr als bloß eine gekonnte Antwort auf die Häme von Twitter-Liebhaber Trump. Sie stellt gleichzeitig eine Abkehr der sonst so vorsichtigen Clinton von ihrer bisherigen Linie dar. Und das mit Erfolg: Der Tweet verbreitete sich rasend schnell und wurde innerhalb von knapp einer Stunde knapp 130.000 Mal retweetet. So viel Aufmerksamkeit erntete Clinton auf Twitter bislang noch nie.

Natürlich konnte Trump das nicht unkommentiert lassen. Seine Reaktion: „Wie lange haben deine 823 Leute gebraucht, um sich das auszudenken – und wo sind deine 33.000 E-Mails, die du gelöscht hast?“ Trump nahm damit Bezug auf Clintons E-Mail-Affäre und ihr deutlich größeres Wahlkampfteam. In der Tat steht seinem überschaubaren Kampagnenstab eine ganze Armada an Clinton-Wahlkämpfern gegenüber, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn ihr Hauptlager aufgeschlagen haben.

Der Zweikampf der beiden Wahlkampflager sorgte für harsche Reaktionen aus den Weiten des politischen Spektrums. „Wenn irgendjemand weiß, wie man die Löschtaste benutzt, dann du“, antwortete der Vorsitzende der Republikaner, Reince Priebus, ebenfalls mit Blick auf die Mails aus Clintons Zeit als US-Außenministerin, die sie von ihrem privaten Server gelöscht hat. Laut der 68-Jährigen handelte es sich dabei um private und persönliche Mails.

Clinton versus Trump: Ein Vergleich der Kandidaten

Die Kandidaten

Trump gegen Clinton. Das wird wohl das Duell bei den US-Präsidentschaftswahl am 8. November. So unterschiedlich der republikanische Milliardär mit der Tolle und die demokratische Politveteranin mit der Betonfrisur sind – es gibt auch Parallelen bei den beiden designierten Spitzenkandidaten. Hier ein Vergleich.
(Quelle: AP)

Der Weg zur Nominierung

Die Demokratin Hillary Clinton schien als Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei zu Beginn quasi gesetzt. Die ehemalige First Lady, ehemalige Senatorin und ehemalige Außenministerin hatte ihre Bewerbung generalstabsmäßig vorbereitet – und im Frühjahr 2015 war niemand mit annähernd ähnlicher Erfahrung erkennbar. Der linke Außenseiter Bernie Sanders brachte Clinton dann doch in erstaunliche Bedrängnis, konnte sie aber nicht stoppen.
Bei den Republikanern war es umgekehrt: Der rechte Außenseiter und Politikneuling Donald Trump hatte 16 Gegenkandidaten, von denen die meisten viel mehr politische Erfahrung haben als er. Anfangs schien der Immobilienunternehmer mit seinen Verbalattacken gegen Migranten, Frauen und Muslime unwählbar. Am Ende hatte er dennoch alle Rivalen aus dem Rennen geschlagen.

Das Profil

Clinton setzt also auf ihre Erfahrung als lang gediente Staatsfrau, die sowohl das Weiße Haus und die Regierungsgeschäfte als auch den Kongress aus eigener Anschauung kennt. Trump positioniert sich als klüngelfremder Aufräumer gezielt gegen den Washingtoner Politikbetrieb und führt seine Karriere als Geschäftsmann als Qualifikation ins Feld.

Die Politik

Clinton steht für Mitte und Mäßigung – im Sinne der Wählbarkeit für verschiedene Bevölkerungsgruppen, vor allem auch Frauen und Minderheiten. Und sie steht nach dem Parteikollegen Barack Obama für Kontinuität im Weißen Haus, mit etwas anderen Akzenten in der Außen- und Handelspolitik. Auch Trump zielt auf die Mitte, in seinem Fall aber fast ausschließlich auf die weiße Mittelschicht. Statt Kontinuität will er nach Obama die Kehrtwende: weniger Zuwanderung, weniger Klimaschutz, mehr militärische Stärke.

Das Habenkonto

Trump hat im Vorwahlkampf Millionen von Amerikanern begeistert, die ihm zutrauen, das Land voranzubringen. Er trifft mit seinen Themen Wirtschaftsflaute, Fremdenangst und Furcht vor dem Niedergang der USA einen Nerv und hat im Vorwahlkampf die Schlagzeilen dominiert, auch mit seinen gezielten Provokationen.
Clinton hat in der eigenen Partei ebenfalls Millionen Stimmen gesammelt, deutlich mehr als ihr innerparteilicher Rivale Sanders. Sie gilt als politisch berechenbar und in der Welt geachtet. Und sie pocht auf ihre historische Rolle als erste Frau, die jemals Spitzenkandidatin bei Demokraten oder Republikanern wurde.

Die Minuspunkte

Clinton schleppt diverse Altlasten aus ihrer langen Karriere mit sich herum. Darunter sind politische Entscheidungen wie der Umgang der damaligen Außenministerin mit dem Angriff auf den US-Botschafter in Libyen 2012, aber auch persönliche wie die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers für Dienstliches und die üppig dotierten Auftritte als Rednerin vor Bankern und Unternehmern. In der E-Mail-Affäre ermittelt auch die Bundespolizei FBI, so dass strafrechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen sind.
Trump wird ebenfalls von Problemen aus der Vergangenheit eingeholt. Thema waren bereits seine Firmenpleiten und die zweifelhafte Wahl seiner früheren Geschäftspartner, vor allem aber der Rechtsstreit um seine sogenannte Trump University. Ehemalige Studenten des inzwischen aufgelösten Instituts haben Trump wegen Abzocke verklagt. Der wiederum attackierte den Richter in dem Verfahren wegen seiner mexikanischen Wurzeln und zog damit erneut heftige Kritik auf sich.

Das schwache Fundament

Beiden Kandidaten fehlt der starke Rückhalt in der eigenen Partei. Trump traf bei vielen führenden Republikanern zunächst auf offenen Widerstand, bis sie sich nach seinen Vorwahlerfolgen ins Unausweichliche seiner Kandidatur fügten. Zuletzt gingen sie wegen der Verbalattacken gegen den Richter, dem Trump Voreingenommenheit unterstellte, erneut auf Distanz. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, unterstellte dem eigenen Spitzenkandidaten Rassismus und distanzierte sich „völlig von diesen Aussagen“.
Clinton ist bei den Mächtigen ihrer Partei besser vernetzt: Die designierte Spitzenkandidatin hat die Unterstützung der meisten sogenannten Superdelegierten, also hoher Parteifunktionäre, die beim Nominierungsparteitag mitstimmen dürfen. Doch an der Basis fühlen sich viele Demokraten eher von Sanders als von Clinton inspiriert. Und etliche in der Partei sind nervös wegen Clintons politischer Altlasten.

Die Umfragen

Mehrere Umfragen weisen derzeit einen Vorsprung Clintons vor Trump aus. Trump selbst führt aber auch Erhebungen an, die ihn vorne sehen. Letztlich sind die Zahlen derzeit wenig aussagekräftig, denn erst im Hauptwahlkampf werden die Kandidaten von den Medien in extenso ausgeleuchtet. Erst dann müssen sie auch konkrete politische Positionen beziehen.

Der frühere demokratische Repräsentantenhausabgeordnete von New York, Anthony Weiner, mischte ein wenig Selbstironie in die Netzdebatte. „Zu spät für einige von uns“, schrieb er zum „Lösch dein Nutzerkonto“-Tweet mit einem offensichtlichen Vermerk auf seine eigene Vergangenheit. Weiner war im Sommer 2011 aus seinem Amt im Kongress zurückgetreten, nachdem bekanntgeworden war, dass er schlüpfrige Nachrichten mit sexuellem Inhalt über Twitter verschickt hatte.

Trump hat übrigens 8,8 Millionen Follower auf Twitter. Clinton folgen immerhin 6,7 Millionen Nutzer. Während der Republikaner dem sozialen Netzwerk bereits im März 2009 beigetreten war, zog die Demokratin erst im April 2013 nach.

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Von

ap

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