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Special

04.11.2016

21:39 Uhr

US-Wahlkampf

Ein letzter Kraftakt

VonNils Rüdel

Pennsylvania, Florida, Ohio – wenige Tage vor der Wahl geben Hillary Clinton und Donald Trump in den „Swing States“ noch einmal alles. Das Rennen wird knapper, und die neuesten Umfragen sollten die Demokraten alarmieren.

Die Kandidaten geben auf den letzten Metern vor der Wahl nochmal alles. Reuters

Clinton und Trump

Die Kandidaten geben auf den letzten Metern vor der Wahl nochmal alles.

WashingtonFreitagmittag in Pittsburgh, Pennsylvania. „Das ist ein Alles-oder-Nichts-Moment für Amerika”, ruft Hillary Clinton mit angeschlagener Stimme von der Bühne. Eindringlich bittet sie die Zuhörer, am kommenden Dienstag wählen zu gehen, um ihren Rivalen Donald Trump zu verhindern. Höherer Mindestlohn, erneuerbare Energien, bessere Bildung, Hilfe für Mittelschicht und Geringverdiener – all das werde Amerika mit ihr als Präsidentin bekommen. „Wut ist kein Konzept“, sagt die Demokratin in Richtung der Trump-Anhänger, „wir werden unsere Ärmel hochkrempeln und arbeiten“.

Freitagnachmittag in Wilmington, Ohio. Am Rednerpult steht Donald Trump und ruft unter Jubel: „Wir werden nach Washington gehen und den Sumpf austrocknen.“ Er werde die „betrügerische Hillary“ besiegen, verkündet er. Als Präsident werde er Jobs zurückbringen, die Grenzen sichern („Ja, wir werden die Mauer nach Mexiko bauen“), Steuern senken und die Freihandelsabkommen neu verhandeln, wiederholt er seine Schlager. Und die Aufnahme syrischer Flüchtlinge stoppen, um nicht „Generationen von Terroristen ins Land zu holen“ und „Verhältnisse wie in Frankreich und Deutschland“ zu schaffen. Die Mengel jubelt begeistert.

Vier Tage vor der US-Präsidentschaftswahl geben Clinton und Trump nochmal alles, um ihre Basis anzufeuern und unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen. „Barnstorming“ nennen es die Amerikaner, wenn ein Kandidat durch die Lande zieht und einem Kraftakt mehrere Wahlkampfreden an einem Tag an unterschiedlichen Orten stemmt.

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Auch in Europa wird die US-Wahl mit Spannung verfolgt. Eine Präsidentin Hillary Clinton würde eine aktivere Sicherheitspolitik verlangen, vor allem von Deutschland. Doch auch Trump hätte seine Vorteile.

Pennsylvania, Florida, Ohio, North Carolina – vor allem auf die sogenannten Swing States haben es die Kandidaten abgesehen. Bundesstaaten, in denen keiner der beiden in Umfragen eine sichere Mehrheit hat und die bei vergangenen Wahlen mal für die Republikaner, mal mehrheitlich für die Demokraten gestimmt haben.

Neben Clinton und Trump haben die Parteien auch noch einmal ihre besten Wahlkampfhelfer auf die Reise geschickt. Für die Demokratin waren am Freitag unter anderem wieder Präsident Barack Obama und Vorvorgänger Bill Clinton unterwegs. Auch Trump und sein Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence strengen sich an. Sogar Trumps Ehefrau Melania hatte am Donnerstag in Pennsylvania einen seltenen Wahlauftritt absolviert.

Clinton versucht neben Frauen vor allem junge Wähler und Afroamerikaner zu gewinnen. Bei dieser Gruppe zeichnet sich ab, dass weniger abstimmen wollen als vor vier Jahren, als Obama auf dem Wahlzettel stand. Nach einem Auftritt mit dem populären linken Ex-Kandidaten Bernie Sanders und Musiker Pharrell Williams am Donnerstag wollte die Demokratin am Freitag gemeinsam mit dem Rapper Jay-Z auftreten.

Nach dem Wiederaufflammen von Clintons E-Mail-Affäre vergangenen Freitag hat der zuvor in den meisten Umfragen zurückliegende Trump deutlich aufgeholt. Nach einer aktuellen Analyse des US-Senders CNN hat die Demokratin inzwischen sogar ihre Mehrheit im Wahlmänner-Gremium verloren. Um Präsident zu werden, braucht ein Kandidat die absolute Mehrheit der dort zu vergebenen 538 Stimmen, also 270. Laut CNN-Berechnungen käme Clinton aber derzeit auf nur noch 268 sichere Wahlmännerstimmen. Trump erhielte 204, die restlichen sind für beide noch unsicher.

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