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Special

10.03.2016

12:08 Uhr

US-Wahlkampf

Ein Trump-Sieg würde Mexiko hart treffen

VonAlan Miranda Márquez

Drastische Veränderungen stehen an, sollte Donald Trump tatsächlich bei der Präsidentschaftswahl in den USA triumphieren. Allen voran in Mexiko geht die Angst um. Ein mexikanischer Journalist analysiert die Probleme.

Eine Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hätte allen voran für den Nachbarn Mexiko drastische Folgen. AFP; Files; Francois Guillot

Im Wahlkampfmodus

Eine Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hätte allen voran für den Nachbarn Mexiko drastische Folgen.

BerlinSeine klare Haltung und seine markanten Merkmale haben Donald Trump im vergangenen Jahr populär gemacht. Seine Fans jubeln ihm zu und der republikanische Präsidentschaftskandidat rast von einem Vorwahlsieg zum nächsten.

Teile seiner Anhänger sind radikalen Gruppen zuzuordnen – etwa der Tea Party oder dem ehemaligen Minutemen Project, dessen Mitglieder es auf Mexikaner abgesehen hatten. Doch es gibt auch zahlreiche Unterstützer aus der Mitte, aus der „breiten Masse“.

Trump verhält sich sehr geschickt: Seine Rhetorik spricht ein großes Publikum an. So sagte der Immobilienmogul etwa, dass er ein hingebungsvoller Christ sei und eine gute Beziehung zur Kirche pflege. Die Bibel, so Trump, sei sein Lieblingsbuch – sie stehe sogar vor seinem eigenen Buch „Art of the deal“. Doch dieses Verhalten ist mehr eine Strategie als ein realistisches Porträt seiner Persönlichkeit. Dieses Kalkül soll dazu dienen, noch mehr Wähler anzulocken.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Trump will illegale Einwanderer konsequent abschieben. Elf Millionen an der Zahl, überwiegend aus dem Nachbarland Mexiko. An der mehr als 3.000 Kilometer langen Grenze zu Mexiko soll eine Mauer entstehen, die die Nachbarn auch noch bezahlen sollen.

Amerikanische Konzerne will Trump durch Zolltarife dazu zwingen, ihre Investitionen auf US-Boden zu tätigen – und eben nicht in Mexiko, wo die Kosten um ein Vielfaches geringer sind. Betroffene Unternehmen, so Trump, sollten ihre Fabriken vor Ort schließen und auf diese Art und Weise Arbeitsplätze in die USA verlagern.

Es sind große Versprechen des Kandidaten, die er keinesfalls alle halten kann. Doch selbst, wenn er es versuchen würde: Die Hürden sind ebenso hoch wie schwierig zu überwinden. Auf die parteiinterne Unterstützung kann er nicht vollständig zählen.

Viele Parteimitglieder unterstützen den Freihandel und sehen Mexiko – ebenso wie Ford, Carrier und andere große Unternehmen – als attraktiven Produktionsstandort – eine so protektionistische Aktion würden sie nicht gutheißen.

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Allerdings muss man sagen: Trotz aller Hindernisse könnte Trump Teile seiner Politik durchboxen. Besonders durch „Executive Orders“, die dem Präsidenten als Kopf der Exekutive endgültige Weisungen erlauben. So benutzt etwa auch der amtierende Präsident Obama dieses Instrument, um Einwanderer zu schützen.

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