Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

14.10.2016

14:30 Uhr

US-Wahlkampf

Parteispender machen mobil gegen Trump

Die Parteiführung der Republikaner soll Donald Trump nach Belästigungsvorwürfen „feuern“ – so die Forderung mehrerer Großspender der Partei. Er sei als Kandidat für das Amt des US-Präsidenten „gänzlich ungeeignet“.

Prominente Parteispender der Republikaner fordern, Trump müsse „gefeuert werden“. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Prominente Parteispender der Republikaner fordern, Trump müsse „gefeuert werden“.

WashingtonNach den Enthüllungen über mutmaßliche sexuelle Übergriffe haben sich auch einige der wichtigsten Geldgeber der US-Republikaner von Donald Trump distanziert. Mehrere Parteispender forderten die Parteiführung laut einem Bericht der „New York Times“ vom Donnerstag auf, den Präsidentschaftskandidaten fallen zu lassen.

„Irgendwann müsst Ihr in den Spiegel schauen und erkennen, dass Ihr Eure Unterstützung für Trump unmöglich vor Euren Kindern rechtfertigen könnt – vor allem vor Euren Töchtern“, sagte der Geschäftsmann David Humphreys der „NYT“.

Humphreys hat den Republikanern nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren mehr als 2,5 Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) gespendet. Der New Yorker Investor Bruce Kovner bezeichnete Trump als „gefährlichen Populisten“, der für die Aufgaben des US-Präsidenten „gänzlich ungeeignet“ sei. Es gebe eine Grenze, ab der „moralisches Fehlverhalten“ eines Kandidaten nicht länger ignoriert werden könne. „Diese Grenze ist eindeutig überschritten“, schrieb Kovner in einer E-Mail an die „New York Times“.

Wichtige Wählergruppen in den USA

Afroamerikaner

Seit sich die Demokraten für das Wahlrecht von Afroamerikanern einsetzten, gehören diese zu deren treuesten Wählergruppen. Als erster schwarzer US-Präsident erhielt Barack Obama 2012 bei seiner Wiederwahl 95 Prozent ihrer Stimmen. Auch Clinton kann auf die Unterstützung der Wählergruppe hoffen, allerdings nicht mit einer hohen Wahlbeteiligung von 66 Prozent wie vor vier Jahren. Wie auch bei anderen Gruppen hat sich Trump mit kontroversen Bemerkungen auch bei schwarzen Bürgern nicht beliebt gemacht. Auch sein Argument „Was haben Sie zu verlieren“ dürfte wenige überzeugen.

Hispanos

US-Bürger mit lateinamerikanischen Wurzeln sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Auch diese Gruppe gab ihre Stimme 2012 meist Obama, machte damals aber einen geringeren Teil der Wähler aus. Die Demokraten müssen sie vor allem zum Wählengehen überreden – 2012 taten das nur 48 Prozent. Das Zünglein an der Waage könnten Hispanos im Wechselwählerstaat Florida sein, wo die große Gruppe kubanischstämmiger Bürger traditionell die Republikaner unterstützt. In Bundesstaaten mit großem Latino-Anteil wie Colorado und Arizona könnten Trumps abfällige Bemerkungen über mexikanische Einwanderer und die Forderungen nach einem Riesengrenzwall Clinton zugute kommen.

3. Wichtige Wählergruppen

Frauen sind schon seit Beginn seiner Kandidatur ein Schwachpunkt für Donald Trump. Nach zahlreichen sexistischen Einlassungen dürfte das jüngst veröffentlichte Video, in dem der Republikaner vulgär über sein Vorgehen bei Frauen plaudert, die Kluft zur weiblichen Wählerschaft nur vergrößert haben. Umfragen zeigten Clinton klar bei den Wählerinnen vorne – und Trump bei Männern. Während Trump keine erkennbare Agenda zur Frauenpolitik vertritt, hat Clinton in ihrer Kampagne immer wieder Themen wie Lohngerechtigkeit, Elternzeit und Abtreibung angesprochen.

Evangelikale Christen

Konservative Christen sind für die Republikaner seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Wählergruppen und haben trotz Vorbehalten gegen Trump bei den Vorwahlen größtenteils zur Partei gehalten. Aber auch mit dieser Gruppe könnte es sich der 70-Jährige seit der Enthüllungen über seine Anzüglichkeiten verscherzt haben. Denkbar ist, dass ein Teil dieser Gruppe bei der Wahl einfach zu Hause bleibt, weil er bei keinem Kandidaten mehr genügend Übereinstimmung mit der eigenen Weltsicht sieht.

Gering gebildete, weiße Männer

Trumps Wahlslogan „Make America Great Again“ richtet sich zu großem Teil an weiße Männer ohne höheren Schulabschluss – jene Gruppe, die besonders von den Jobverlusten im Produktionssektor betroffen ist. Sie ist für Trumps Appelle gegen Einwanderung oder internationale Handlungsabkommen empfänglich. Traditionell wählten die Gewerkschaften eher demokratisch. Aber die weiße Arbeiterschaft ist zunehmend nach rechts gerückt – oder gar nicht mehr wählen gegangen. Trump hofft, dass bisherige Nichtwähler für ihn stimmen werden, weil er eine radikal andere US-Politik verspricht. Das könnte ihm in früher stark industriell geprägten „Swing States“ wie Ohio oder Pennsylvania nützen.

Die republikanische Parteiführung wurde für ihr Festhalten an Trump scharf kritisiert. Parteichef Reince Priebus müsse „gefeuert und durch jemanden ersetzt“ werden, der „die Fähigkeit und die Führungsstärke“ habe, um das Republikanische Nationalkomitee (RNC) neu aufzubauen, sagte der kalifornische Investor William Oberndorf der Zeitung.

Mehrere US-Medien hatten am Mittwoch über Vorwürfe von Frauen berichtet, die Trump unabhängig voneinander beschuldigen, sie gegen ihren Willen geküsst und begrapscht zu haben. Bereits nach der Veröffentlichung eines Videos mit obszönen Auslassungen über Frauen hatten sich führende Parteikollegen von Trump distanziert, darunter der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×