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Special

19.08.2016

06:55 Uhr

US-Wahlkampf

Trump, ganz sanft

Er stänkert, tobt und beleidigt: Der US-Republikaner Donald Trump ist eher als Wüterich bekannt, keine Spur von Bedauern über seine harsche Wortwahl, wenn er mal wieder über die Stränge schlägt – bis jetzt.

Der Republikaner gibt nach – und entschuldigt sich für sein Verhalten. Reuters

Donald Trump

Der Republikaner gibt nach – und entschuldigt sich für sein Verhalten.

CharlotteDonald Trump hat erstmals Reue über seine bissigen Äußerungen im Wahlkampf gezeigt. „Manchmal wählt man in der Hitze der Debatte und im Gespräch über eine Vielzahl von Problemen nicht die richtigen Worte oder sagt das Falsche. Das habe ich getan“, erklärte der republikanische Präsidentschaftsbewerber am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Auftritt in Charlotte. „Und ob ihr mit glaubt oder nicht, ich bereue das, vor allem, wo es persönliches Leid verursacht hat.“ Zugleich versprach Trump unter dem Jubel seiner Anhänger, „stets die Wahrheit zu sagen.“

Bei seinem Auftritt in Charlotte sah der Präsidentschaftsbewerber von seinem üblichen Stegreif-Stil ab und nutzte einen Teleprompter. Den neuen Ton des Polit-Quereinsteigers tat das Wahlkampfteam seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton prompt als unecht ab.

Seit seiner offiziellen Nominierung beim Parteitag der Republikaner im Juli kommt Trumps Kampagne nicht recht in die Gänge. Den Grund sehen Beobachter in teils selbstverschuldeten Ablenkungen. So überschattete etwa seine öffentliche Fehde mit den muslimischen Eltern eines im Irak getöteten US-Soldaten seine Reden zu politischen Sachthemen.

Die Chronologie des Donald Trumps

Karriere

Es ist eine der steilsten Blitzkarrieren in der jüngeren Geschichte der US-Politik. Innerhalb eines Jahres hat der umstrittene Immobilienmilliardär Donald Trump die Republikanische Partei erobert und ist nun ihr Präsidentschaftskandidat. Als krasser Außenseiter ohne jegliche politische Erfahrung gestartet, konnte der Rechtspopulist mit ebenso simplen wie radikalen Parolen die Frustrationen von Millionen von Wählern bündeln und 16 republikanische Konkurrenten ausstechen.

16. Juni 2015

Bei einem pompös inszenierten Auftritt in seinem New Yorker Trump Tower verkündet Trump seine Bewerbung um das Präsidentenamt. Zugleich setzt er mit einer wütenden Attacke gegen mexikanische Einwanderer den Ton für seine Kampagne: „Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen.“

7. August 2015

Nach seiner ersten TV-Debatte als Präsidentschaftsbewerber geifert Trump über die Moderatorin Megyn Kelly: „Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam.“ Auch in der eigenen Partei löst die frauenfeindliche Bemerkung heftige Kritik aus.

24. September 2015

Trump verkündet, dass er nicht an den Klimawandel glaubt: „Wetter ändert sich nun mal. Es gibt Stürme und Regen, und es gibt schöne Tage.“

7. Dezember 2015

Nach dem Attentat im kalifornischen San Bernardino fordert der Milliardär ein generelles Einreiseverbot für Muslime. Eine Welle der Entrüstung im In- und Ausland folgt, seine Umfragewerte steigen.

1. Februar 2016

Trump unterliegt in der ersten Vorwahl der Republikaner gegen Ted Cruz im Bundesstaat Iowa. Er wirft dem Senator Wahlbetrug vor.

1. März 2016

Am ersten „Super Tuesday“ der Vorwahlen holt Trump sieben Bundesstaaten. Nun ist er endgültig der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur.

3. März 2016

Der Baulöwe bezieht in einer Fernsehdebatte Stellung zu seinem Geschlechtsteil. Weder seine Hände noch „etwas Anderes“ seien klein. Sein Rivale Marco Rubio hatte zuvor einen schlechten Witz über Trumps Penisgröße gemacht.

24. Juni 2016

Das Brexit-Votum der Briten findet Trump „fantastisch“.

15. Juli 2016

Trump präsentiert seinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt. Der Gouverneur von Indiana, Mike Pence, ist ein Liebling des erzkonservativen Flügels.

19. Juli 2016

Trump wird vom Parteitag als Präsidentschaftskandidat nominiert.

Am Mittwoch ging Trump mit einem Umbau seines Wahlkampfteams in die Offensive. Vor allem die Ernennung des konservativen Medienexperten Stephen Bannon zum Geschäftsführer seiner Kampagne werteten einige Beobachter als Zeichen, dass Trump verstärkt an seine kontroverse Vorwahlkampfstrategie anknüpfen und auf die Mobilisierung seiner politikverdrossenen Fanbasis setzen könnte.

Doch zeigte er sich in Charlotte versöhnlich. Den Wählern empfahl er sich als Kandidat, der die „Stimme für jeden vergessenen Teil des Landes“ sei, „der auf eine bessere Zukunft hofft.“ Zudem wandte sich Trump direkt an nichtweiße Wähler, die Umfragen zufolge wenig von ihm halten. „Ich werde nicht ruhen, bis Kinder aller Hautfarben in diesem Land voll in den Amerikanischen Traum miteinbezogen werden.“

Clinton warf er hingegen Borniertheit vor. Die sehe Minderheiten nur als Stimmenlieferanten an und nicht als Menschen, die einer besseren Zukunft würdig seien. Trump bat dann vor allem Afroamerikaner, ihm eine Chance zu geben. „Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues ausprobiert?“, fragte er.

Clintons Wahlkampfsprecherin Christina Reynolds warf Trump hingegen vor, lediglich Worte vom Teleprompter abgelesen zu haben. „Donald Trump begann seine Kampagne buchstäblich damit, Leute zu beleidigen. Das hat er die vergangenen 428 Tage hinweg bis heute durchgezogen, ohne Scham und Reue.“ Zudem rief Reynolds ihn auf, einmal konkret darzulegen, welche seiner „beleidigenden, schikanösen und spalterischen Äußerungen er bedauere - und seinen Ton zu ändern.“

Clinton fordert Veröffentlichung von Trumps Steuererklärung

Trump: „Ich habe nichts zu verbergen“

Clinton fordert Veröffentlichung von Trumps Steuererklärung: Trump: „Ich habe nichts zu verbergen“

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