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Special

31.03.2016

08:19 Uhr

US-Wahlkampf

Trump verheddert sich im Abtreibungsstreit

Sollte Abtreibung in den USA illegal werden, müssten Frauen auch betraft werden. Das forderte Donald Trump – bislang. Denn der Wahlkampf hinterlässt Spuren – und den Präsidentschaftsbewerber seine Meinung ändern.

Nicht zum ersten Mal hat Donald Trump seine Meinung zu einem Thema während des Wahlkampfes um das Präsidentenamt geändert. AP

Donald Trump

Nicht zum ersten Mal hat Donald Trump seine Meinung zu einem Thema während des Wahlkampfes um das Präsidentenamt geändert.

Green BayUS-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat mit widersprüchlichen Aussagen zur Abtreibung für Empörung gesorgt. In einem Interview des Senders MSNBC forderte er in Wisconsin, dass Frauen für Schwangerschaftsabbrüche „in irgendeiner Art“ bestraft werden sollten, wenn diese einmal für illegal erklärt würden. Auf Nachfrage erläuterte der führende republikanische Bewerber jedoch nicht näher, was genau ihm vorschwebe. Prompt hagelte es Kritik von seinem ärgsten innerparteilichen Widersacher Ted Cruz sowie der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton.

Stunden nach dem Interview vom Mittwoch ruderte Trump zurück. Der Immobilienmogul sei der Ansicht, dass behandelnde Ärzte – und nicht deren Patienten – büßen sollten, hieß es in zwei Stellungnahmen seines Teams. „Meine Haltung hat sich nicht geändert“, argumentierte Trump. Wie damals Ex-Präsident Ronald Reagan trete er für den Schutz des Lebens ein - „mit Ausnahmen“, fügte er hinzu.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Das Thema Abtreibung ist in den USA ein politisch heißes Eisen und wird nach wie vor kontrovers diskutiert - auch Jahrzehnte nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die Schwangerschaftsabbrüche erlaubt hat.

Trump hat oft erklärt, dass er außer bei Fällen von Vergewaltigung, Inzest und bei Gefährdung des Lebens der Mutter gegen Abtreibungen sei. Dabei hatte er sich früher als ein Befürworter des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche positioniert, sagt jedoch inzwischen, dass sich sein Standpunkt über die Jahre entwickelt habe.

Kurz nach Trumps erster Einlassung im Sender MSNBC reagierte Clinton über Twitter. „Gerade wenn man dachte, dass es nicht schlimmer werden könnte. Schrecklich und vielsagend“, schrieb sie.

Cruz warf Trump vor, mit seinem Kommentar zu Abtreibungen einmal mehr einen Mangel an politischem Know-How offengelegt zu haben. „Er sagt alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte der erzkonservative Senator von Texas. Natürlich solle man nicht über Bestrafung von Frauen reden, sondern vielmehr deren Würde und Gabe stärken, „Leben in die Welt zu bringen.“

In Wisconsin musste sich Trump zuvor mit einer anderen Kontroverse um seinen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski befassen. Diesem wird leichte Körperverletzung vorgeworfen, weil er Anfang März in Florida eine Reporterin hart am Arm gepackt haben soll. Trump verteidigte seinen Mitarbeiter.

Am 5. April steht in Wisconsin bei den Republikanern die nächste Vorwahl mit großer Bedeutung an. Sollte Cruz dort siegen, könnte er den Rückstand auf Trump verringern und die Aussicht auf eine mögliche Kampfabstimmung beim Parteitag im Sommer am Leben erhalten. Zu einem solchen Szenario würde es kommen, wenn Trump bis dahin nicht die erforderlichen Delegiertenstimmen für die Nominierung zusammenbekäme. Bisher führt der Geschäftsmann mit 739 Delegierten vor Cruz mit 465, der abgeschlagene John Kasich liegt bei 143. Für die Kür zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten sind 1237 nötig.

Bei den Demokraten hat Clinton mit 1243 Delegierten die Nase vorn, ihr Kontrahent Bernie Sanders hat 975. Wenn man die Superdelegierten hinzuzählt, die beim Partekonvent frei zwischen den Bewerbern entscheiden können, fällt der Vorsprung noch viel höher aus. Für die Nominierung sind bei den Demokraten 2383 Delegierte nötig.

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dpa

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