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Special

07.11.2016

06:03 Uhr

US-Wahlkampf

Warum Merkel Clinton die Daumen drückt

VonJan Hildebrand

Öffentlich hält sich Angela Merkel aus dem US-Wahlkampf heraus. Tatsächlich aber hofft die Kanzlerin, dass Hillary Clinton am Dienstag gewinnt. Aus Sicht der Bundesregierung sprechen fünf Gründe für die Demokratin.

Zwei mächtige Frauen: Die frühere US-Außenministerin Clinton vor fünf Jahren bei Kanzlerin Merkel in Berlin. dpa

Angela Merkel und Hillary Clinton

Zwei mächtige Frauen: Die frühere US-Außenministerin Clinton vor fünf Jahren bei Kanzlerin Merkel in Berlin.

WashingtonAngela Merkel hat sich Zurückhaltung auferlegt. Allzu deutliche Aussagen zur US-Wahl sind von ihr nicht zu hören. Die Kanzlerin hat mit Wahlkampfhilfe im Ausland schlechte Erfahrungen. Als sie vor vier Jahren für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy trommelte, half das wohl eher seinem sozialistischen Herausforderer Francois Hollande.

Dass Merkel sich nicht öffentlich einmischt, bedeutet aber nicht, dass sie keinen klaren Favoriten hätte. Im Kanzleramt wie in allen Berliner Ministerien drückt man Hillary Clinton die Daumen. Dafür gibt es fünf Gründe – die sich vor allem aus einer Skepsis gegenüber Clintons Rivalen Donald Trump ableiten.

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Donald Trump ist für Angela Merkel und die Bundesregierung ein großer Unbekannter. Beamter verschiedener Ministerien versuchen deshalb, sich auf einen möglichen Wahlsieg vorzubereiten. Die Liste der Risiken ist lang.

1. Der ungeliebte Unbekannte

Wenn es etwas gibt, das Merkel nicht mag, sind es Überraschungen – Situationen, auf die sie sich nicht vorbereiten kann. Ein US-Präsident Donald Trump wäre für Merkel so ein Fall. Während sie die demokratische Kandidatin Hillary Clinton persönlich aus deren Zeit als Außenministerin kennt, hat sie zum Republikaner Trump bisher keinen Kontakt. Da er Geschäftsmann ist und bisher keinen politischen Posten hatte, tut man sich schwer, ihn einzuschätzen. In Berlin ist er ein großer Unbekannter.

Mehr noch: Anders als bei früheren Präsidentschaftswahlen gibt es auch kaum Verbindungen zu Trumps Umfeld. Der Kandidat hat wenige Berater – und die meisten kommen nicht aus dem politischen Betrieb. „Von daher gibt es wenig belastbare Verbindungen“, sagt Jürgen Hardt (CDU), Koordinator für transatlantische Beziehungen der Bundesregierung. Noch hofft man in Berlin, dass viele von Trumps Äußerungen dem Wahlkampf geschuldet sind und er als Präsident nicht alles umsetzen würde, was er angekündigt hat. Doch sicher ist man sich nicht.

2. Unberechenbare Außenpolitik

Das gilt vor allem für Trumps Außen- und Sicherheitspolitik. Unvergessen ist seine Drohung, aus der Nato auszutreten. Würde er ernst machen? „Eine nüchterne Analyse müsste auch für einen Präsidenten Trump gegen einen Nato-Austritt sprechen“, sagt Hardt. Schließlich profitiere Amerika sicherheitspolitisch enorm von dem Verteidigungsbündnis.

Trotzdem gibt es aus Merkels Sicht viele Risiken. Trump hat sich bisher nicht nur auffallend freundlich über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert, sondern auch angekündigt, dass sich Amerika wieder stärker um sich selbst kümmern müsse. Die Sorge in Berlin ist, dass Putin einen nachgiebigen Kurs eines neuen US-Präsidenten nutzen und in Syrien und der Ukraine Fakten schaffen könnte.

Von Hillary Clinton verspricht man sich in Berlin hingegen außenpolitische Kontinuität. Sie würde Europa – allen voran Deutschland und Frankreich – weiterhin als ihre wichtigsten Partner ansehen, so die Erwartung. Trotzdem rechnet man im Auswärtigen Amt auch mit Neujustierungen. So wurde der Obama-Regierung zuletzt vorgehalten, außenpolitisch in Teilen nicht konsequent genug zu sein. Diesen Eindruck werde Clinton entkräften wollen, erwartet Hardt. „Sie würde als Präsidentin deutlich machen, dass die USA beispielsweise in Syrien oder der Ukraine deutlich Grenzen aufzeigen und bereit sind, stärker einzugreifen.“

Kommentare (25)

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Herr Caro Schmidt

07.11.2016, 08:08 Uhr

Und ich habe einen Grund, warum ICH für Trump stimmen würde: ES REICHT!

Herr Ciller Gurcae

07.11.2016, 08:27 Uhr

Was Frau Merkel angeblich meint, ist unerheblich. Sie macht sowieso alles falsch, was überhaupt falsch gemacht werden kann.

Herr Percy Stuart

07.11.2016, 08:30 Uhr

Da die Medien ja seit Monaten genau wissen, dass Clinton „die Gute“ darstellt und gewinnt und Trump das „ultimativ Böse“ verkörpert und die Welt nach seiner Wahl ins Chaos, durch NATO-Auflösung, in Protektionismus und zuletzt natürlich in einen 3. Weltkrieg stürzt. Wenn man die letzten 1 1/2 Jahre der Medienberichterstattung Revue passieren lässt, egal ob in Bezug auf die Zuwanderungskampagne, die AfD Wahlumfragen, das BREXIT-Votum der Briten, bei jeder Einschätzung, wie es denn ausgehen könnte, lagen die EXPERTEN und Medien jedersmal meilenweit daneben. So wird es auch bei Clinton/Trump sein. Man muss mittlerweile einfach annehmen, dass man durch politischen Journalismus versucht, Einfluß auch die Entscheidungen der Wähler zu nehmen. Egal ob in den USA oder wie zuletzt in Deutschland. Ihr werdet es vor der Bundestagswahl erleben, wie die Medien sich wieder auf einen „schwarzen Peter“ einschiessen werden, den sie dann kollektiv in Grund und Boden schreiben werden. Merkel wird dann in der aktuellen aufgeheizten politischen Lage von Medienseite als „alternativlos“ dargestellt werden! Alle anderen können es nicht und werden den zudem Wirtschaftsstandort Deutschland ruinieren - so wird man vorgehen. Und die in den letzten zwei Jahrzehnten so gebeutelten Unternehmer inkl. ihrer gekauften Ökonomie-EXPERTEN werden über zu hohe Lohnsteigerungen, zu hohe Steuerabgaben, zu hohe Lohnnebenkosten jammern, einer Abkehr von der Agenda 2010 jammern, welche den den schönen Aufschwung der letzten Jahre in Frage stellen würde. Genauso wie sie damals über die Einführung des Mindestlohns jammerten, und das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit an die Wand malten - trotz angeblichem Fachkräftemangel und nicht besetzbarer Stellen in Millionenhöhe. Alles Lügen, um uns klein zu halten, glaubt ihnen kein Wort mehr. Uns predigen Sie Wasser und Brot, selbst aber saufen sie Wein und fressen Kuchen! 3-stellige Milliardenbeträge um marode europäische Pleitebanken und den Euro zu retten ...

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