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Special

17.02.2016

07:51 Uhr

US-Wahlkampf

Wie Jeb Bush für Aufsehen sorgt

Der Republikaner Jeb Bush macht im Wahlkampf bisher nicht die beste Figur. Nun versucht er, als harter Kerl rüberzukommen – und postet ein Foto mit Waffe unter der Überschrift „America“.

WashingtonDer republikanische Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush hat am Dienstag mit einer Twitter-Meldung für Aufsehen gesorgt. Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaats Florida postete nach dem Besuch eines Waffenherstellers in South Carolina in dem Kurzbotschaftendienst ein Bild einer Pistole mit der Gravur „Gov. Jeb Bush“ - unter der Überschrift „America“. Was er damit beabsichtigte, erklärte der 63-Jährige zunächst nicht.

Neben viel Zustimmung erntete Bush auch massive Kritik an seinem Tweet. Einige Nutzer verwiesen unter anderem mit Fotos auf das Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule von 2012 mit 26 Toten. Andere erinnerten an die Worte von US-Präsident Barack Obama zur „Epidemie der Waffengewalt“ in den USA. Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden forderte Bush auf, seinen Account zu löschen.

Waffen in den USA – Zahlen, Daten, Fakten

Meiste Waffen pro Einwohner

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt – von 100 Einwohnern haben statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal „Injury Prevention“ vorgestellte Studie.

Millionen Schusswaffen in Privathand

Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus.

Durcheinander der Gesetze

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden; es gibt ein Durcheinander nationaler, einzelstaatlicher und kommunaler Vorschriften. Seit dem 1. Januar 2016 ist in Texas sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Volksrecht Waffenbesitz

Das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“ war 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft worden. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Auch der Oberste Gerichtshof sprach 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer NRA gewertet.

Mächtige Lobby

US-Präsident Barack Obama machte 2013 nach dem Massaker an einer Schule in Newtown (Connecticut) schärfere Waffengesetze zu einem innenpolitischen Hauptanliegen. Entsprechende Initiativen aus dem Weißen Haus scheiterten aber bisher am Widerstand der Waffenlobby.

Andere antworteten mit Sarkasmus und posteten unter der Überschrift „America“ ein Bild des republikanischen Ex-Präsidenten Ronald Reagan, der einen Dinosaurier reitet. Insgesamt wurde Bushs Tweet mehr als 18.000 Mal wiederholt (Retweet) – üblicherweise geschieht das bei seinen Mitteilungen nicht mehr als hundert Mal.

Jeb Bush ringt derzeit um Aufmerksamkeit im Wahlkampf der Republikaner, der von dem rechtspopulistischen Geschäftsmann Donald Trump dominiert wird. Am Samstag steht die dritte Vorwahl im US-Bundesstaat South Carolina an. Bush liegt dort in Umfragen mit etwa zehn Prozent auf Platz vier. Am Montag hatte sich sein älterer Bruder, Ex-Präsident George W. Bush, erstmals in den Wahlkampf eingeschaltet.

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afp

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