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Special

02.11.2016

16:56 Uhr

US-Wahlkampf wörtlich

Eine ganz normale Trump-Rede

Im Wahlkampf-Endspurt geben die Kandidaten alles, um ihre Anhänger zu mobilisieren. Auftritt jagt Auftritt. Am Dienstag war Donald Trump in Eau Claire, Wisconsin. Was er zu sagen hatte? Hier seine Rede – auf Deutsch.

„Wir führen mit sieben Punkten in North Carolina. Wir sind weit vorne in Florida, weit vorne in Ohio. Wir legen überall deutlich zu.“ AP

Voller Optimismus

„Wir führen mit sieben Punkten in North Carolina. Wir sind weit vorne in Florida, weit vorne in Ohio. Wir legen überall deutlich zu.“

WashingtonDer Wahlkampftross von Donald Trump macht am Dienstag Halt in Eau Claire, im US-Bundesstaat Wisconsin. Seine Anhänger sammeln sich in der W.L. Zorn Arena, die Nationalhymne wird gespielt, Gouverneur Scott Walker spricht, dann tritt Donald Trump auf die Bühne. Wir haben seine komplette Rede dokumentiert.

„Vielen Dank. Es sind Tausende Leute noch vor der Tür – aber statt zu warten, lasst uns anfangen. Wir haben über 4000 Zuhörer, sie kommen noch rein, während wir sprechen. Aber ich denke, wir legen jetzt los. Sie werden noch gecheckt. Ich möchte damit anfangen, den großartigen Spitzenkräften Wisconsins zu danken, die heute bei uns sind. Parteichef Reince Pribus, der eine sehr inspirierende Ansprache gehalten hat. Senator Ron Johnson – ich hoffe, ihr geht alle raus und stimmt für Ron – ein großartiger Athlet, die Leute wissen das gar nicht. Ein großartiger Athlet und ein wundervoller Kerl. Er war von Anfang an meiner Seite.

Kongressabgeordneter Sean Duffy. Und ihr Parteichef, der einen unglaublichen Job macht – wir kennen alle, Brad Courtney. Danke, Brad. Dank an alle.

Ein ganz besonderer Dank an Gouverneur Scott Walker, der fantastische Arbeit in Wisconsin geleistet hat. Und ich sage euch eins, ich bin gegen ihn angetreten. Er ist hart, er ist brutal. Ich möchte sehr respektvoll sein, er ist ein „tough cookie“. Also, Gouverneur Walker, ich möchte Ihnen danken. Ein herausragender, herausragender Konkurrent. Danke Scott, danke.

Doch vor allem möchte ich allen danken, die heute hier erschienen sind und Teil dieser phantastischen Bewegung sind: „Make America Great Again.“ Und das ist es, was wir machen werden.

In gerade mal einer Woche werden wir den großartigen Staat von Wisconsin gewinnen. Und wir werden das Weiße Haus zurückerobern. Es wird passieren, Leute. Viele gute Umfragen gibt es dort draußen, gerade heute.

Eine ist gerade reingekommen. Wir führen mit sieben Punkten in North Carolina, mit sieben Punkten. North Carolina. Wir sind weit vorne in Florida, weit vorne in Ohio. Wir stehen gut da in Ohio und Florida. In Iowa legen wir deutlich zu, wir bekommen großartige Hilfe von Gouverneur Branstad. Wir legen überall deutlich zu.

Und ihr wisst, dass sie sagen, in Texas wird es knapp – doch ratet mal, es sieht so aus als würde es ein deutlicher Sieg. Wir lieben Texas!

Wir legen in Georgia deutlich zu. Das ist ein anderer [Staat], zu dem es hieß, der könne wackeln. Doch ratet mal: Wir legen deutlich zu. So läuft es.

Vorwürfe gegen Clinton

E-Mail-Affäre

Gegen den Vorschriften hatte Clinton als US-Außenministerin ihre Dienst-Korrespondenz über einen privaten Server abgewickelt. Ende 2014 ließ sie rund 30.000 E-Mails veröffentlichen. Allerdings entschied sich Clinton auch, 31.000 weitere E-Mails zu löschen – ihrer Ansicht nach waren sie privat. Bis heute gibt es Zweifel, ob Clinton Informationen verschwinden ließ, die ihre politische Kompetenz infrage stellen könnten.

Sehr gut bezahlte Reden

Clinton und ihr Mann Bill, selbst Ex-Präsident, haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für Auftritte als Redner erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt. Clintons Nähe zum Establishment ist für viele eine ihrer größten Schwächen.

Stiftung im Zwielicht

Der Clinton Stiftung werden Interessenkonflikte, die Vermischung politischer und privater Interessen sowie fehlerhafte Steuererklärungen vorgeworfen. Auf der Spenderliste fallen autoritäre Golfstaaten auf. Viele Amerikaner finden das bedenklich.

Rolle in Libyen

Republikaner versuchen seit Jahren, die Demokratin persönlich für eine Terrorattacke im libyschen Bengasi im Jahr 2012 verantwortlich zu machen. Dabei waren vier Amerikaner gestorben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Nach Medienberichten werfen Hinterbliebene Clinton vor, ihre Nutzung eines privaten Servers für teilweise vertrauliche Dienst-E-Mails habe die Terrorattacke von Bengasi direkt verursacht.

Gesundheitszustand

Wegen einer verschleppten Lungenentzündung erlitt Clinton bei einer Gedenkfeier für die Terroropfer vom 11. September 2001 in New York einen Schwächeanfall. Die Bilder, wie Bodyguards sie in einen Bus geleiteten, gingen um die Welt. Sie säten Zweifel, ob die 68-Jährige dem Amt körperlich gewachsen ist.

Ich möchte auch einigen großartigen Menschen hier heute Abend danken. Bürgermeister Giuliani, der unglaublich ist, er ist so loyal gewesen. Und was ist mit Coach Bobby? Er hat ziemlich gut gegen euch abgeschnitten, Leute – aber wir respektieren ihn, wir wollen Siegertypen, oder?

Wir stehen am Anfang von etwas Unglaublichem, einem historischen Wandel, der die Macht von einem gescheiterten politischen System überträgt – und diese Macht kommt zurück in die Hände unserer Familien, Gemeinden und Bürger. Das wird so geschehen.
Und echter Wandel beginnt damit, sofort „Obamacare“ zu widerrufen und zu ersetzen. Es ist ein Desaster, ein absolutes Desaster.

Es ist gerade bekannt gemacht worden, dass die Einwohner von Wisconsin einen massiven, zweistelligen Anstieg ihrer Beiträge sehen werden, das wisst ihr, oder? Ich sage euch nicht, wie hoch der Anstieg sein wird – ich möchte, dass ihr glücklich bleibt. Ich möchte nicht, dass ihr in Depressionen verfallt. Aber macht euch auch keine Sorgen. Wir werden [Obamacare] loswerden, also müsst ihr euch keine Sorgen deswegen machen.

Im großartigen Staat von Arizona werden die Beiträge um 116 Prozent steigen. Dort sind sie nicht glücklich. Und mehr als drei Viertel der Kreise in Wisconsin werden Obamacare-Versicherungsschutz im kommenden Jahr verlieren. Viel Glück bei den Verhandlungen für wen auch immer, der zurückbleibt.

In Minnesota werden die Beiträge steigen ...
... wer ist aus Minnesota? [Jubel brandet auf] Wow! Toll! Das ist so nett! Schaut euch den Mann an, Sie sehen toll aus! Dort steht, Krebspatient aus Minnesota. Es wird Ihnen besser gehen, es wird Ihnen sehr bald besser gehen. Sie sehen gut aus! Das ist cool ...

... und wir haben gerade die Nachricht erhalten, dass wir in Minnesota super dastehen. Und ich wusste nicht, dass so viele Leute [aus Minnesota] hier sind. Für euch werden wir eine Aufgabe erledigen.

Der Beitragsanstieg wird fast bei 60 Prozent liegen, das wissen Sie. 60 Prozent in Minnesota und noch mehr später, das ist recht schlecht.

Vorwürfe gegen Trump

Lücken und Lügen

Trump fiel im Wahlkampf oft mit unfreiwilliger Komik auf. Einmal verwechselte er in einem Interview Kurden (Kurds) und Al-Kuds-Brigaden (Kuds). Die Grenze zwischen Wissenslücke, Ignoranz und gezielter Propaganda ist aber fließend. So behauptete Trump schon 2011, Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Das Weiße Haus sah sich schließlich gezwungen, Obamas Geburtsurkunde zu veröffentlichen.

Bedenkliche Äußerungen

Einmal sagte Trump, er würde Waterboarding – also Folter durch vorgetäuschtes Ertränken – wieder als Verhörmethode einführen. Nach einer Terrorattacke forderte er ein komplettes Einreiseverbot für Muslime. Mexikaner bezeichnete Trump als Vergewaltiger. Dem Sender CNBC zufolge soll Trump im Gespräch mit einem außenpolitischen Berater drei Mal gefragt haben, warum die USA Atomwaffen nicht nutzten.

Frauenfeindlichkeit

Zahlreiche Affären werden Trump nachgesagt, einige soll er dazuerfunden haben. Der Immobilienmagnat, der zum dritten Mal verheiratet ist, sieht sich immer neuen Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt. In einem Fall soll er einer heute 74-Jährigen im Flugzeug an die Brust und unter den Rock gefasst haben. In einem kürzlich aufgetauchten Video aus dem Jahr 2005 erzählt Trump, dass er als Star jeder Frau in den Schritt fassen könne, ohne aufgehalten zu werden.

Steuern vermieden

Bei der ersten TV-Debatte mit seiner Kontrahentin prahlte Trump noch damit, dass er keine Steuern zahle. Inzwischen formuliert Trump es so, dass er US-Steuergesetze „auf brillante Art“ ausgenutzt habe. Die „New York Times“ veröffentlichte Anfang Oktober eine alte Steuererklärung Trumps. Demnach machte er im Jahr 1995 Verluste von knapp 916 Millionen US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) geltend. Das könnte es ihm, so schrieb die Zeitung, 18 Jahre lang erspart haben, Einkommensteuer an die Bundessteuerbehörde abzuführen.

Gesundheitszustand

Der 70-jährige Trump hatte um seine Gesundheit zunächst ein ähnliches Geheimnis gemacht wie Clinton. Schließlich geriet er unter Zugzwang. Wenig überraschend attestierte sein Leibarzt ihm in einem Brief eine „glänzende körperlicher Verfassung“. Trump rauche nicht und trinke keinen Alkohol, habe einen leicht erhöhten Blutfettwert und sei mit 107 Kilo bei 1,90 Meter Größe zwar ein bisschen dick. Insgesamt sei er aber völlig gesund. Er nehme ein paar Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte und vorsichtshalber eine niedrige Dosis Aspirin. Der Brief verschweigt mögliche Probleme in der Vergangenheit und ist nur ein Ausschnitt aus der Gesundheitsakte.

Der demokratische Gouverneur hat gerade gesagt, dass der „Affordable Care Act“ [Gesetz für bezahlbaren Versicherungsschutz] in Minnesota nicht länger bezahlbar ist. Die Beiträge steigen, Firmen wandern ab, Versicherer fliehen, Ärzte wandern ab. Und die Selbstbeteiligungsbeiträge schießen durch die Decke. Bis auf diese Dinge, ist [Obamacare] eine tolle Sache.

Viele Amerikaner bezahlen mehr für ihre Krankenversicherung als für ihre Immobiliendarlehen oder ihre Miete – eine Premiere in der Geschichte Amerikas. Das erste Mal, dass das geschieht. Obamacare ist ein Desaster, eine totale Katastrophe. Und dennoch will Hillary Clinton weiter darauf setzen und Obamacare sogar noch teuer machen. Es wird weiterhin nicht funktionieren.

Also bitte ich um ihre Stimme, damit wir Obamacare ersetzen können und die Krankenversicherung für jede Familie in Wisconsin retten können – und für jede Familie im Land. Echte Veränderung!
[Laute Rufe: Trump, Trump, Trump]

Kommentare (1)

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02.11.2016, 17:43 Uhr

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